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‚Weltflucht‘

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César Aira hat eine Reihe von fünf neuen Essays veröffentlicht, die durch lockere Leichtigkeit unterhalten sollen.

Alles nicht ganz so ernst nehmen. Eskapismus stellt heute wie vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden einen effektiven Mechanismus dar, um den Widrigkeiten der aktuellen Zeit und denen der Hektik des Alltags das berühmte Schnippchen zu schlagen. Weltflucht dient uns also durchaus als kluge und auch bewährte Strategie, um gegen Unangenehmes gewappnet zu sein. Solche Strategien verfolgt auch der argentinische Schriftsteller und Übersetzer César Aira, wenn er das Thema Weltflucht anschneidet. Der 1949 geborene Autor hat bereits mehr als 80 Werke aus den Genres von Roman, Novelle und Essay verfasst. Durch lockere Leichtigkeit des humorvollen Erzählens gilt César Aira als ein renommierter lateinamerikanischer Vertreter der schriftstellerischen Zunft. Das Buch Weltflucht umfasst fünf Essays, die die Leser einladen, zu schmökern und zu hinterfragen, welchen Zweck das Fliehen vor den Widrigkeiten der Welt darstellt.

Zwischen den beiden Buchdeckeln des als Hardcover, aber auch als E-book erhältlichen Werkes entdecken Leserinnen und Leser fünf Essays, die zum Nachdenken, zum Schmunzeln und vielleicht auch zum Reflektieren von eigenen Gewohnheiten einladen. Das Feedback des Feuilletons dient ebenfalls als tolle Visitenkarte des Buches. Also "Reflexzonenmassagen für den Intellekt" bezeichnet Karin Janker von der Süddeutschen Zeitung das Quintett der Essays. Joshua Gruß beschreibt diese Sammlung und den Schreibstil des Autors als "Entrüstet, gleichmütig, rührig und brillant". Gute Gründe also, die Weltflucht von César Aira selbst nachzuvollziehen.

Die fünf Essays des Südamerikaners haben etwa die Wirkung einer kleinen Entführung. Und genau das soll Weltflucht ja auch bezwecken. Ganz bewährt als Querdenker und Philosoph auftretend, verknüpft der Schriftsteller universelle Fragen und die Kunst des Schreibens. Der Wandel des Schreiben und der Literatur, aber auch der Anforderungen der Lesenden sind Themen des Diskurses, der sowohl ernst als auch vergnüglich erfolgt. Aira nimmt Genialität und Schreibstile von berühmten Kollegen unter die Lupe, widemt sich dem Wesen des autobiografische Schreibens und beleuchtet auch, ob es unbedingt so richtig sein sollte, wenn man seine Antworten generell per Google erhält.

Auch wenn dessen Weltflucht moderne Verhaltensweisen, beleuchtet, nimmt der Autor auch sich selbst nicht aus. So erörtert er sogar das Genre des Essays selbst und dessen Berechtigung oder Werte. Auch echte Legenden, etwa Dalí oder Roussel, sind Part des Werkes, das der für seine durchaus aberwitzigen und kühnen Plots bekannte Autor durch den Verlag Matthes & Seitz Berlin veröffentlichte. Ein toller Einstieg auch, um César Aira kennenzulernen und dann andere Werke aus seiner Feder - etwa "Das Testament des Zauberers Tenor", "Die Prinzessin Primavera" oder "Der kleine buddhistische Mönch" - zu lesen.

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