Die Kritiker

«Die Toten von Marnow»

von

Ist das neue Projekt mit Sascha Gersak und Petra Schmidt-Schaller nun ein Mehrteiler oder eher eine Serie? Die ARD konnte sich nicht so recht entscheiden - und das muss sie glücklicherweise auch nicht.

Stab

Darsteller: Sascha Geršak, Petra Schmidt-Schaller, Anton Rubtsov, Jörg Schüttauf, Lutz Blochberger, Michael Mendl
Drehbuch: Holger Karsten Schmidt
Regie: Andreas Herzog
Kamera: Philipp Sichler
Produzentin: Beatrice Kramm
Wenn man (unnötig) zynisch sein möchte, könnte man sagen: Die ARD hat selbst nicht gewusst, was sie hier produzieren wollte – eine Miniserie oder einen (klassischen) Fernsehfilm-Mehrteiler. Und weil sie sich nicht entscheiden konnte, hat sie mit den «Toten von Marnow» eben gleich Beides gemacht und sich zu zwei Umsetzungen entschlossen: einmal als Miniserie „online first“ in der Mediathek mit acht jeweils fünfundvierzigminütigen Folgen, und einmal als Vierteiler à 90 Minuten zur Prime-Time, wo Projekte mit Petra Schmidt-Schaller und Sascha Gersak eben hingehören.

Doch die andere Sichtweise ist hier die zutreffendere: Das Projekt funktioniert in beiden Ausspielungen – und damit ist es sinnvoll, dem Zuschauer die Wahl zu überlassen, ob er es sich lieber in der „traditionellen“ Langform oder in Serienhäppchen ansehen will.

Wichtiger ist natürlich, worum es eigentlich geht. Und hier beackern «Die Toten von Marnow» gleich mehrere Baustellen. Einmal die Geschichte von zwei Polizisten, die sich in unterschiedlichen Stadien ihres fragwürdigen Lebenswandels befinden: Kommissar Frank Elling (Sascha Gersak) steht als Mann mittleren Alters gleich vor mehreren privaten Herausforderungen. Die Ehefrau wirkt in letzter Zeit seltsam abwesend, erfindet leicht durchschaubare Ausflüchte, um so wenig Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen, und seine Tochter wünscht sich zum Geburtstag einen „süßen italienischen Flitzer“, obwohl die Familie schon kaum die Hypotheken für das teure Haus und den anstehenden Poolumbau bezahlen kann.

Bei seiner etwas jüngeren Kollegin Lona Mendt (Petra Schmidt-Schaller) sieht es zwar zunächst etwas geordneter aus; doch mit ihrer Affäre mit einem jüngeren Kollegen hat auch sie von den frühesten Sendeminuten an ein ziemlich schwieriges Privatleben.

Und jetzt sind die Beiden auch noch beruflich gefordert, schließlich wird im schwül-heißen Mecklenburg-Vorpommern tüchtig gemordet: Einem alten Ex-Stasi-Offizier wird in seiner stinkigen Wohnung die Kehle durchgeschnitten; bei den ersten Ermittlungen finden die Polizisten zudem jede Menge Kinderpornos auf seinem Laptop. Und wenig später muss auch ein etwa gleichaltriger Mann in einer luxuriösen Seniorenresidenz dran glauben, als er sich gerade am schönen See entspannen wollte.

Gekonnter als in vielen anderen Krimis vermengt Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt von nun an die Geschichten um das Privat- und Berufsleben der Figuren, deren Konflikte sich bald wechselseitig bedingen: Frank Elling braucht dringend Geld, und da ist das Angebot einer ominösen Frau, die aus dubiosen Gründen ein fiebriges Interesse an der Ermittlungsakte hat, natürlich viel zu verlockend. Seine Kollegin Lona Mendt ahnt derweil nicht, in welche Gefahr sie sich zunehmend begibt.

Dass der Film dabei psychologisch manchmal zu oberflächlich bleibt, um mit den wirklich ambitionierten Stoffen mitzuhalten, die sich in der Vergangenheit schon mit durchschlagenderem Erfolg dem Wechselspiel aus dem privaten Problemen von Kommissaren und den Herausforderungen ihres Berufslebens gestellt haben, kann er dabei mit einem durchgehend spannenden und doppelbödigen Handlungsgerüst gut überspielen. Derweil können auch Sascha Gersak und Petra Schmidt-Schaller in den Hauptrollen durchwegs gefallen und diesem Mehrteiler einen starken emotionalen Kern verleihen.

Das Erste zeigt «Die Toten von Marnow» am Samstag, den 13. März (2 Folgen), am Mittwoch, den 17. März und Donnerstag, den 18. März (jeweils 1 Folge), jeweils ab 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/125460
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