Interview

Vom Actionhelden zum Familienmenschen: Markus Ertelt über seine neue Rolle in «Ein Hof zum Verlieben»

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Markus Ertelt ist vielen als harter Typ aus Action- und Bösewichtrollen bekannt – nun zeigt er in der neuen Sat.1-Serie «Ein Hof zum Verlieben» eine ganz andere Seite. Als Dorfpolizist und Familienvater Moritz Fischer gerät seine vermeintlich heile Welt am Bodensee ins Wanken. Im Interview spricht Ertelt über emotionale Rollen, persönliche Erfahrungen als Vater – und warum gerade die leisen Töne oft die größte Herausforderung sind.

Herr Ertelt, viele Zuschauer kennen Sie aus Rollen als Bösewicht oder Actionfigur – nun spielen Sie mit Moritz Fischer einen sensiblen Familienvater und Dorfpolizisten. Was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt?
Ich liebe es, vor der Kamera den Schurken zu spielen – mit all seinen fiesen Facetten. Das macht wahnsinnig Spaß. Aber ich bin Schauspieler, und natürlich möchte ich nicht nur eine Seite zeigen. Ich möchte vielseitig sein – und ich bin es auch. Nur durfte ich das bisher nicht ganz so oft zeigen. Meine Rolle bei «Ein Hof zum Verlieben» ist deshalb wirklich ein Geschenk. Moritz ist der nette Dorfpolizist, ein absoluter Familienmensch. Für ihn ist dieses kleine Örtchen am Bodensee die ganze Welt – mehr braucht er eigentlich gar nicht zum Glücklichsein.

Natürlich darf ich nicht zu viel verraten, aber sagen wir mal so: Diese kleine heile Welt bekommt ein paar Risse. Moritz wird mit Situationen konfrontiert, mit denen er nie gerechnet hätte. Genau das macht die Rolle für mich so spannend. Da ist Entwicklung drin. Humor, Liebe, Stress, Traurigkeit – und Momente, in denen man vielleicht sogar ein bisschen Mitleid mit ihm hat. Und hoffentlich auch Situationen, in denen man mit ihm und auch über ihn lachen kann.

Ihre Rolle lebt in einer scheinbar idyllischen Dorfgemeinschaft am Bodensee. Was macht für Sie den besonderen Reiz solcher Geschichten aus, die stärker auf Emotionen und Beziehungen setzen als auf Action?
Das sind Geschichten, die gar nicht so weit weg sind vom echten Leben – auch wenn tägliche Serien natürlich nach bestimmten Regeln funktionieren. Da geht es um Familie, Freundschaften, kleine Feindschaften und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags.

Und das Ganze eingebettet in diese wunderschöne Bodenseelandschaft. Da sieht selbst das Drama manchmal ein bisschen idyllischer aus. Ich glaube außerdem, dass viele Menschen gerade eine große Sehnsucht nach einer „heilen Welt“ haben. Wenn man die Nachrichten anschaltet, fühlt sich die Welt oft chaotisch genug an.

Moritz Fischers „heile Welt“ gerät durch seine eigene Familie ins Wanken. Was erzählt diese Konstellation über Familie, Verantwortung und das Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben?
Familie ist kompliziert. Punkt. Ich komme selbst aus einer großen Familie und weiß, wie viel Liebe, aber auch wie viel Chaos da drinstecken kann. Meine Eltern haben uns unglaublich geprägt. Sie haben uns Werte mitgegeben, uns Freiheiten gelassen – und gleichzeitig immer aufgefangen, wenn wir Mist gebaut haben. Und ich habe definitiv meinen Teil zum Thema „Mist bauen“ beigetragen. Heute ist das Familienleben oft noch komplexer als früher. Beide Eltern arbeiten, jeder jongliert mit tausend Dingen gleichzeitig. Da braucht es viel Vertrauen, viel Kommunikation – und manchmal auch starke Nerven.

Sie haben selbst zwei Töchter. Hat Ihre eigene Erfahrung als Vater Ihren Blick auf die Rolle des Moritz Fischer verändert?
Absolut. Wenn man selbst Kinder hat, versteht man bestimmte Gefühle sofort. Diese Mischung aus Stolz, Sorge, Verantwortung – und manchmal auch völliger Hilflosigkeit.

Als Schauspieler versucht man natürlich immer, sich in Situationen hineinzuversetzen. Aber wenn man selbst Vater ist, bekommt das Ganze nochmal eine ganz andere emotionale Tiefe. Ich weiß ziemlich genau, wie Moritz sich in manchen Momenten fühlt. Und ich verstehe auch, warum er manchmal so reagiert, wie er reagiert – selbst wenn das von außen vielleicht ein bisschen naiv wirkt. Die Beziehung zu den eigenen Kindern ist einfach etwas ganz Besonderes. Das verändert den Blick auf vieles im Leben.

Viele kennen Sie als Actiondarsteller, der seine Stunts selbst dreht. Fällt es Ihnen schwer, in einer Serie zu spielen, in der Emotionen wichtiger sind als körperliche Action?
Nein, überhaupt nicht. Ich liebe Action, gar keine Frage. Ich bin ein sehr körperlicher Typ und habe großen Spaß daran. Ich muss mir nichts antrainieren, um einen Action-Helden spielen zu können, das ist einfach ein Teil meines Lebens. So sehe ich einfach seit 25 Jahren aus. Wenn irgendwo eine Prügelei im Drehbuch steht, bin ich meistens der Erste, der ruft: „Die mache ich selbst.“ Gleichzeitig finde ich es aber mindestens genauso spannend, andere Facetten zu zeigen. Emotionen, leise Momente, Humor. Mehr zu spielen als nur kämpfen, Sprüche klopfen und rumballern – auch wenn ich zugeben muss: Das mache ich auch ziemlich gern.

Neben der Schauspielerei sind Sie Extremsportler und Coach. Gibt es Parallelen zwischen dem Durchhalten bei einem Hindernislauf und dem Durchhalten im Schauspielberuf?
Absolut. Wenn ich meinen Sport nicht hätte, wäre ich vielleicht gar nicht mehr Schauspieler. Dieser Beruf ist wunderschön – aber auch knallhart. Nicht dann, wenn wir arbeiten. Sondern dann, wenn wir es nicht tun. Man geht zu Castings, gibt alles – und in den meisten Fällen bekommt jemand anderes die Rolle. Das gehört einfach dazu. Aber es tut trotzdem jedes Mal ein bisschen weh.

Der Sport hat mir geholfen, damit umzugehen. Ich habe mir bewusst Wettkämpfe gesucht, bei denen ich wusste: Das wird richtig hart. Situationen, in denen man an seine Grenzen kommt und eigentlich aufgeben will. Wenn man da durchgeht, lernt man unglaublich viel über sich selbst. Und das hilft mir auch im Beruf. Und manchmal reicht tatsächlich schon eine Stunde laufen im Wald, um den Kopf wieder gerade zu rücken.

Sie haben sogar den extremen 24-Stunden-Lauf „World’s Toughest Mudder“ gewonnen. Was reizt Sie persönlich an solchen Grenzerfahrungen?
Genau dieses Ausloten der eigenen Grenzen. Es gibt einen Punkt in solchen Rennen, an dem alles andere verschwindet. Kein Handy, kein Alltag, keine Ablenkung. Nur noch du selbst und der nächste Schritt. Wenn man diesen Punkt erreicht – und vielleicht sogar das Ziel – setzt das unglaublich viel Energie frei. Und selbst wenn es nicht so läuft, wie man es sich erhofft hat, kann man daran wachsen. Wenn man es richtig einordnet.

Ihre Karriere verbindet sehr unterschiedliche Welten – deutsche Serien, Bollywood-Film, Actionrollen und nun eine Daily-Serie. Wie wichtig ist Ihnen diese Vielfalt in Ihrer Arbeit?
Ich liebe diese Vielfalt. Auch wenn sie mir im Beruf nicht immer hilft. In unserer Branche mögen viele klare Schubladen. Der Bösewicht, der Komiker oder der Professor ist, macht das die Besetzung einfacher. Wenn jemand genau in eine Kategorie passt, ist das für Caster oft einfacher.

Eine Casting-Direktorin hat einmal zu mir gesagt: „Markus, du bist ein toller Typ, aber ich kann dich irgendwie nicht greifen.“ Damals fand ich das irritierend. Heute verstehe ich, was sie meinte. Trotzdem möchte ich mich nicht festlegen. Ich liebe die Abwechslung. Einstein werde ich vermutlich nicht spielen dürfen – aber rundherum gibt es noch ziemlich viele spannende Figuren. Und den fiesen Bösewicht spiele ich natürlich auch weiterhin gern. Ganz nebenbei findet meine Frau mich in diesen Rollen sowieso am besten. Sie sagt immer: „Das liegt dir einfach.“ Ja, ich habe mir deshalb auch schon Gedanken gemacht...

Mit Ihrer Familie sind Sie an die Ostsee gezogen und betreiben dort auch eine Sommerbar. Hat dieser Ortswechsel Ihren Blick auf Arbeit, Familie und Lebensqualität verändert?
Der Umzug hatte leider auch einen traurigen Hintergrund. In unserer Familie gab es einen völlig unerwarteten Todesfall. Das hat uns dazu gebracht, unser Leben neu zu sortieren und uns zu fragen: Was wollen wir eigentlich wirklich?

Dabei kam die Idee auf, dorthin zu ziehen, wo wir seit über 20 Jahren immer wieder Urlaub gemacht haben – an die Ostsee. Meine Schwester lebt hier auch, ganz fremd war der Ort also nicht. Als Schauspieler muss man ohnehin flexibel sein. Gedreht wird selten dort, wo man wohnt. Ob ich jetzt aus Stuttgart, Berlin oder Fischland-Darß anreise, macht am Ende gar keinen so großen Unterschied. Klar, die Chancen in Berlin und München stehen etwas höher, aber am Ende ist es wichtiger für mich einen Lebensraum zu schaffen, in dem wir als Familie alle glücklich sind. Und die Lebensqualität hier am Meer ist für uns einfach unglaublich. Nach knapp einem Jahr können wir das mit ziemlicher Sicherheit sagen.

Wenn Sie auf «Ein Hof zum Verlieben» blicken: Was hoffen Sie, dass die Zuschauer in Moritz Fischer wiederfinden – vielleicht auch etwas von ihrem eigenen Alltag?
Auf jeden Fall ein Stück von ihrem eigenen Alltag. In Moritz steckt wie erwähnt tatsächlich auch einiges von mir selbst. Ich gebe in dieser Rolle viel von mir preis und zeige Seiten, die nur sehr wenige Menschen privat von mir kennen. Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen uns. Zum Beispiel seine Vorstellung, dass sich das ganze Leben an einem Ort abspielt – da ticke ich ganz anders, ich bin deutlich freiheitsliebender.

Was wir aber definitiv teilen, ist der Humor und die Liebe zur Familie. Moritz ist jemand, der alles für seine Familie tun würde. Er ist loyal, steht zu seinen Freunden und versucht immer, dass es seinem Umfeld gut geht.

Ich hoffe, dass die Zuschauer ihn genau dafür ins Herz schließen – auch wenn er seine Fehler hat und manchmal vielleicht ein bisschen naiv wirkt. Aber nicht, weil er auf den Kopf gefallen ist, sondern weil seine Familie für ihn immer an erster Stelle steht. Und wenn die Menschen dabei auch mal über ihn lachen können, dann gehört das genauso dazu. Gerade diese Mischung macht ihn für mich menschlich und sympathisch. Ich hoffe, dass sie ihn ins Herz schließen.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Ein Hof zum Verlieben» ist werktags um 18.00 Uhr in Sat.1 zu sehen. Die Serie kann bei Joyn gestreamt werden.

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