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Staffel VS Staffel: «Daredevil»

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Anlässlich der zweiten Staffel von «Daredevil» wirft Quotenmeter.de einen Blick auf beide Seasons und analysiert, welche die bessere ist.

Am Freitag, den 18. März, startete weltweit die zweite Staffel der Marvel und Netflix-Koproduktion «Daredevil». Nachdem die erste Staffel im vergangenen Jahr auf äußerst positive Kritik stieß und sich angeblich zum erfolgreichsten Netflix-Originals-Neustart entwickelte, war die Erwartungshaltung vor der Ausstrahlung der zweiten Season entsprechend hoch. Ergänzt wurde dies auch durch die Ankündigung von zahlreichen Fanlieblingen wie dem Punisher oder Elektra, die bereits in den Comicbüchern ein zentrales Element der Handlung einnahmen. Gleichzeitig stellte sich die Frage, kann ein Antagonist wie Wilson Fisk und die schauspielerische Leistung von Vincent D’Onfrio überhaupt ersetzt werden können. In fünf Kategorien vergleicht Quotenmeter.de beide Staffeln miteinander, um so einen finalen Sieger zu küren.


Der Antagonist


Die erste Staffel lebte primär von einem Hauptantagonisten, Wilson Fisk (Vincent D’Onfrio). Dieser wurde den Zuschauern nicht direkt präsentiert, sondern langsam und Stück für Stück aufgebaut. Dabei war sein Gesicht zunächst nicht zu sehen und ebenso wenig duldete er es, wenn sein Name offen ausgesprochen wurde. Wer sich gegen ihn stellte, hatte meist schon verloren und musste seinen Fehler mit dem Leben bezahlen. Erst nach und nach wurde seine Macht, sein Einfluss auf Polizei, Justiz und Politik sowie sein Plan deutlich. Diese Unberechenbarkeit machte ihn zu einem der gefährlichsten Gegenspieler, die in den vergangenen Jahren in Comicverfilmungen auftauchten.

In der zweiten Staffel versuchen gleich mehrere Figuren die hinterlassene Lücke zu füllen. So macht es schnell den Anschein, dass der Punisher für den Verlauf der Staffel zum Hauptgegenspieler des Mannes ohne Furcht wird, später tauchen jedoch noch weitere Figuren auf, die ihre eigene Agenda verfolgen. Trotz teils sehr guter Leistungen im Bereich des Schauspiels, kann die zweite Staffel in puncto Antagonist nicht gegenhalten oder die Lücke schließen. Die Bemühungen, eine geheime Macht im Hintergrund zu etablieren, den sogenannten Blacksmith, kommen über den Versuch nicht hinaus und fungieren wohl eher als MacGuffin für die dritte Staffel oder die Spin-Off-Serie «The Defenders».

Sieger: Staffel eins



Das Dilemma


Wie alle selbsternannten Rächer, Ordnungshüter oder Helden in der Nacht, muss sich «Daredevil» in beiden Staffeln mit der Frage auseinandersetzen, wie weit er gehen kann und welche Alternative es gibt. In der ersten Staffel ist «Daredevil» stärker von idealistischen Motiven geprägt und versucht sich gegen die Übermacht von Fisk und seiner Institution durchzusetzen. In Einsätzen der Polizei sieht er wenig Hoffnung, schließlich werden die meisten Polizisten geschmiert und sehen lieber weg als einzugreifen.

In der zweiten Staffel ist «Daredevil» ein Symbol der Hoffnung geworden, er hat Hell’s Kitchen von Fisk und seinen Schergen befreit, die Mafia vertrieben und sorgt nachts dafür, dass die Menschen sich wieder sicher fühlen. «Daredevil» muss jedoch selbst erkennen, dass er möglicherweise zu weit geht, das Vertrauen der Bürger in staatliche Organe wie die Polizei erschüttert und er es genießt, «Daredevil» zu sein. Während es in der ersten Staffel noch darum ging, wie Anwalt Matt Murdoch seinen Klienten helfen kann und wann er zum maskierten Helden werden muss, erkennt «Daredevil» in Staffel zwei, dass es den Anwalt in ihm nicht mehr gibt. Zu wichtig ist die Verbrecherjagd für ihn geworden, nun ist er zuerst «Daredevil» und erst dann Anwalt Matt Murdoch. Jedoch muss er erkennen, dass dieses Vorgehen keine dauerhafte Lösung ist und die Polizei den Ruf der Ordnungshüter zurückerhalten muss.

Sieger: Staffel zwei



Die Konflikte


Die Premierenstaffel war von zahlreichen, wenn auch meist oberflächlichen, Konflikten geprägt. Hierbei stachen besonders «Daredevils» Verbündete Claire Temple (Rosario Dawson) und Foggy Nelson (Elden Henson) heraus. Während die Krankenschwester den maskierten Rächer immer wieder ärztlich versorgen musste, wurde ihr schnell klar, dass er sie in eine Welt zieht, in die sie nicht eintauchen möchte. Um sich selbst zu schützen und den Mann ohne Furcht vor seinem eingeschlagenen Weg zu warnen, zog sie schließlich die sprichwörtliche Reißleine und entfremdete sich von ihm. Foggy Nelson, der beste Freund des blinden Anwalts, entdeckte im Verlauf der ersten Staffel Murdochs Geheimnis. Während er sich zunächst noch gekränkt fühlte, dass sein treuer Freund ihn angelogen hatte, vergab er ihm rasch, versuchte aber immer wieder ihn vor den Gefahren seiner nächtlichen Aktivitäten zu warnen.

Während diese Konflikte in der ersten Staffel teilweise schon sehr intensiv dargestellt wurden, zögert die zweite Staffel keine Sekunde die Intensität noch weiter zu erhöhen. Gerade der Konflikt mit Nelson wird neu aufgewärmt und entwickelt sich in eine Richtung, bei der nicht nur die gemeinsame Firma, sondern auch die Freundschaft des Duos auf dem Spiel steht. Trotz zahlreicher Warnungen entfernen die beiden Anwälte sich immer weiter von einander und werden nur noch durch einen Fall vor Gericht zusammengehalten. Als Murdoch sich jedoch nicht sonderlich engagiert und «Daredevils» Handlungen Einfluss auf den Alltag der beiden haben, droht das Tischtuch zwischen ihnen endgültig zu zerreißen.

Sieger: Staffel zwei



Die Kampfsequenzen


Stuntkoordinator Philip J Silvera und seinem Team ist in der ersten Staffel ein wahrliches Meisterwerk gelungen. Selten wurden Kämpfe so intensiv und groß dargestellt wie in der ersten Staffel. Große Gegnermengen, ästhetische Kampfstile und eine Kamera, die ganz eng am Geschehen filmt zeichneten die erste Staffel aus. Das Highlight all dieser Szenen war sicherlich, die schon fast legendäre Flurszene. Sie kommt rund drei Minuten ohne einen einzigen Schnitt aus und zeigt «Daredevil» wie er sich von Zimmer zu Zimmer prügelt und sich letztlich erschöpft eine Pause gönnt.

Wer dachte, die zweite Staffel hätte diesen Stil nicht mehr überbieten können, der irrt sich. Die Actionsequenzen wirken noch härter und brutaler und wurden durch einige technische Kniffe rein inszenatorisch auf ein neues Level gehoben. Kleine Slowmotion-Effekte tragen enorm zur Bildästhetik bei und schaffen es so immer wieder das Tempo in längeren Einstellungen zu dosieren. Das große Highlight liegt jedoch erneut in einer Oneshot-Sequenz, also einer Einstellung, die in einem Take gedreht wurde. Zumindest macht es so den Eindruck, dennoch geht die Kamera gelegentlich ins schwarz, wodurch Schnitte versteckt werden können. In der entsprechenden Sequenz tritt «Daredevil» gegen eine Bikergang an und beginnt mit dieser einen Kampf im Flur, um sich schließlich vom vierten Stockwerk bis ins Erdgeschoss den Weg durch das Treppenhaus freizuräumen. Besonders imposant ist dabei die Position der Kamera, die sich frei um «Daredevil» herumbewegt.

Sieger: Staffel zwei



Die Nebenfiguren


Staffel eins setzte ihre Nebenfiguren nur sehr dosiert ein, so beispielsweise «Daredevils» Lehrmeister Stick (Scott Glenn), der in der ersten Staffel nur in einer Folge in Erscheinung trat. In der zweiten Staffel wird seine Geschichte jedoch wesentlich intensiver beleuchtet. Nach Neslon und Claire war sicherlich Karen Page (Deborah Ann Woll) wohl die wichtigste Person in Murdochs Leben. Die sich andeutende Romanze setzt sich auch in der zweiten Staffel fort, jedoch muss «Daredevil» sich hinterfragen, was ihm lieber ist: Ein Leben als Anwalt mit einer Freundin oder nachts die Stadt zu beschützen. Karen versucht daraufhin auf ihre eigene Art und Weise für Gerechtigkeit zu sorgen. Jedoch verhält es sich nicht mit allen Figuren der ersten 13 Episoden so, gerade im Bereich der Bösewichte tauchen Figuren erneut auf, nehmen aber eine wesentlich kleine Rolle ein.

Innerhalb der zweiten Staffel stechen jedoch noch zwei weitere Figuren heraus: Zum einen Murdochs Collegeliebschaft Elektra, bei der sich herausstellt, dass die beiden scheinbar doch mehr gemeinsam haben als zunächst erwartet. Die zweite Nebenrolle, die über weite Strecken auch einen Credit für eine Hauptfigur verdient hätte, ist der von Jon Bernthal gemimte Punisher. Dieser bringt ein neues Gefahrenelement in die Serie und fungiert als Katalysator für die Frage: „Wie weit darf Selbstjustiz“ gehen?“ Während «Daredevil» wie die meisten Superhelden einen Ehrenkodex befolgt, nach dem er niemanden tötet, hat der Punisher diese Linie bereits lange überschritten und vertritt eine Auge-um-Auge-Einstellung. Trotz allem sorgen gerade die Entwicklung von Karen Page sowie das Auftauchen des Punishers dafür, dass sich die zweite Staffel auch in dieser Kategorie durchsetzt und sich einen weiteren Punkt im Ranking sichern kann.

Sieger: Staffel zwei



Fazit


Die jüngste Staffel setzt sich deutlich mit einem Punkteverhältnis von 4:1 gegenüber den ersten 13 Folgen aus dem vergangenen Jahr durch. Der große und mächtige Gegenspieler, der die erste Staffel so brillant werden ließ, fehlt aber diesmal. Obwohl das Verhältnis auf dem Papier einen recht eindeutigen Eindruck macht, lässt die zweite Staffel die erste keinesfalls im Schatten stehen, sondern geht den eingeschlagen Weg konsequent weiter und schafft es dabei, sich handwerklich noch einmal ein gutes Stück zu steigern.

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