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'Wichtig ist, dass man echt ist' - wie die Jungs von #ranNFL ordentlich aufgeräumt haben

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Man mag ihn - oder eben nicht. Man muss aber anerkennen, dass Frank Buschmann und seiner Crew von «ran NFL» in den vergangenen Monaten eine der größten Überraschungen in Sachen Sportproduktion der vergangenen Jahre gelang. Vor dem Super Bowl am Sonntag haben wir mit Buschi über Social-Media-Einbindung, alte Regeln und neue Chancen gesprochen.

Es ist die Erfolgsgeschichte 2015/2016 in einem sich stetig wandelnden und mehr denn je umkämpften Sport-Markt. Der ProSiebenSat.1-Gruppe ist es dank leidenschaftlicher Arbeit und innovativem Konzept gelungen, dass Football als Thema in der deutschen Wahrnehmung nicht nur Anfang Februar aufkommt, wenn der SuperBowl und damit das größte Sport-Spektakel der Welt stattfindet, sondern auch schon während der Regular Season. Zu den Pionieren im Football gehört unter anderem auch Kommentator Frank Buschmann, der einst über viele Jahre hinweg bei Sport1 tätig war und nach dem Wechsel zur ProSiebenSat.1-Gruppe in Sachen Abendunterhaltung nicht mehr wegzudenken ist. „Buschi“ war über Jahre hinweg die Stimme von «Schlag den Raab» und darf sich nun #jedenverdammtenSonntag bei «ran» und ProSiebenMaxx austoben. „Der Erfolg der Übertragungen liegt ganz sicher nicht nur an mir“, gibt er sich derweil bescheiden – und dass er nicht nur Fans hat, ist ihm auch bewusst. „Früher habe ich glaube ich noch extremer polarisiert. Ich aber gehe auf meine Nörgler ein und stelle grundsätzlich fest, dass 90 Prozent der Rückmeldungen wirklich positiv sind,“ berichtet er.

Dass der Drei-Jahres-Vertrag, den die NFL und ProSiebenSat.1 abgeschlossen hatten, sich als Volltreffer erweisen würde, konnten die Verantwortlichen im vergangenen Sommer nur hoffen. Zweifel gab es durchaus. Schon bei der Vorstellung des Sendekonzepts wurde deutlich, dass durchaus Respekt vorhanden sei, die zahlreichen Werbepausen des US-Fernsehens für das deutsche Publikum angenehm zu überbrücken. Entstanden ist das neue Übertragungskonzept mit einer Mischung aus klassischem Doppel-Kommentar und einer Studio-Situation mit Moderator, Experte und einem für die Einbindung der sozialen Medien verantwortlichen Reporter. „Es ist für mich die größte Überraschung im Sport-TV der vergangenen zehn bis 15 Jahre“, sagt Buschmann mit Blick auf Rekord-Reichweiten von teilweise bis zu 600.000 Zuschauern am Sonntagabend beim kleinen ProSieben Maxx. „Niemals hätte ich gedacht, dass das so gut funktioniert“, meint Buschmann, der in den vergangenen Jahren bei der Etablierung des deutschen Basketballs (etwa bei kabel eins) auch Rückschläge hinnehmen musste.

„Schöner noch als der Blick auf die Quoten ist übrigens das gigantische Feedback auf unsere Sendungen von den Zuschauern“, sagt der Football-Experte mit einem Grinsen. Schon früh habe er geahnt, dass bei #ranNFL etwas Großes entsteht – und spätestens als er die Football-Experten, die für die Sendung im Einsatz sind, besser kennengelernt habe, war er vollends überzeugt. „Das sind Leute, die den Sport leben wie kaum einer unserer Zuschauer“, lobt Buschi Patrick Essume, Volker Schenk, Jan Stecker und Roman Motzkus. Zum Konzept der Sendung gehört übrigens auch Netman „Icke“, der auch in der Super-Bowl-Übertragung in der Nacht zum Montag seinen Platz haben wird.

Icke hat vielleicht die bemerkenswerteste Sport-TV-Geschichte der vergangenen Jahre geschrieben. Langes, blondes Haar, eher unscheinbares Auftreten – aber Publikumsliebling. „Wir haben im vergangenen Sommer gesagt, dass wir unsere Social-Media-Einbindung anders gestalten wollen als jeder andere TV-Sender“, erklärt Buschmann und zeigt sich überzeugt, dass schlichtes Vorlesen von Tweets für Zuschauer den Mehrwert einer Toast-Packung habe. „Wir holen die Fans stattdessen aktiv in die Sendung rein. Das macht den Unterschied aus“, erklärt Buschmann, der zugibt, andere Social Media-Reporter auf anderen Sendern nie wirklich authentisch zu finden. „«ran NFL» zeigt somit, dass Social-Media im TV wirklich funktionieren kann.“

Und es zeige auch, dass das Denken einiger Programmmacher veraltet ist. „Man darf im Fernsehen nicht lachen. Man darf nichts rumschmeißen. Man muss immer schön und jung sein. Alles Quatsch. Wichtig ist, dass man echt ist“, ist Buschmann überzeugt und erzählt, entsprechende Rückmeldungen wieder und wieder von seinen Fans zu erhalten. „Unsere Jungs lieben den Sport – und nicht, im TV zu sein.“ Dass Vieles von dem Angesprochenen bisher im Nischen-Fernsehen läuft, ist unbestritten. ProSieben Maxx ist ein kleiner Sender, Sat.1 zeigte Spiele vor allem nachts. Buschmann will das aber nicht ganz gelten lassen. „Ob auch die große Masse Gefallen daran hätte, gilt es erst noch zu überprüfen“, lacht er.

Die gefürchteten langen und vielen Unterbrechungen während eines Football-Spiels haben sich also als echte Chance für kunstvolle Fernsehunterhaltung erwiesen. Aber natürlich tut der eigentliche Sport sein Übriges dazu bei. „Die NFL hat sicherlich eine Sonderstellung. Football ist ein sehr körperlicher Sport und eben US-amerikanisch.“ Das komme, meint Buschmann, vor allem in den jungen Zielgruppen sehr gut an. Zu dem Spektakel gehört jeweils auch eine stets erstklassige und hochwertige TV-Produktion, die in Deutschland und Europa oftmals ihresgleichen sucht. „Wie will man nun das, was die NFL bietet, wenn auch nur in abgewandelter Form auf Handball-Bundesliga, Deutsche Eishockey Liga oder Basketball Bundesliga ummünzen?“ entgegnet Buschmann auf die Frage, ob der «ran NFL»-Erfolg Dosenöffner für deutsche Sportberichterstattung sein könnte.

Ich wäre gespannt, wie die eingefleischten Zuschauer reagieren würden, wenn Stefan Kretschmar bei einer Handballübertragung mal richtig locker drauf wäre. Da würden einige wohl Kreise in den Augen bekommen.
Frank Buschmann findet, dass viele Sportübertragungen im deutschen Fernsehen nachwievor zu steif sind
„Ich wäre gespannt, wie die eingefleischten Zuschauer reagieren würden, wenn Stefan Kretschmar bei einer Handballübertragung mal richtig locker drauf wäre. Da würden einige wohl Kreise in den Augen bekommen.“ Mehr Mut seitens der jeweiligen Redaktionen zu einer sportlich-emotional-menschlichen Übertragung wäre nach Ansicht Buschmanns aber zweifelsfrei wünschenswert. Dazu gehöre, meint er, auch, dass vermehrt Kommentatoren-Duos am Mikrofon eingesetzt werden. „Es muss doch möglich sein, Experten zu casten, die auch ein ganzes Spiel über begleiten können.“

Eines steht jedenfalls fest: Der Hype um die NFL dürfte weitergehen; und er könnte die Sportberichterstattung zumindest an manchen Stellen verändern. Noch zwei Spielzeiten lang hält die ProSiebenSat.1-Gruppe die entsprechenden Übertragungsrechte – und Saison 1 darf als voller Erfolg auf allen Ebenen zu den Akten gelegt werden. Aber erst, wenn in der Nacht auf Montag der 50. Super Bowl über die Bühne gegangen ist. Buschi wird zusammen mit Icke und seinem Experten Jan Stecker direkt aus den Staaten berichten – und hat übrigens einen klaren Favoriten für das große Endspiel.

„Ich hätte ja nie gedacht, dass es die Broncos ins Finale schaffen. Das war eine Riesen-Überraschung. Trotz ihrer überragenden Defensive – und nur wegen der sind sie im Endspiel – haben sie gegen die Maschinen der Carolina Panthers keine Chance. Die sind so heiß auf das Spiel, waren immer nur der Außenseiter in der Saison. Alle haben gesagt, dass es bei ihnen für die große Bühne nicht reichen wird.“

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