Neben der Präsenz im Bezahlfernsehen, plant HBO nun einen eigenständigen Online-Service. Warum das Unternehmen diesen Schritt wagt und was damit einhergeht.
Das neue Angebot soll dem bisherigen On Demand-Service HBO Go, das in der vorher bereits erwähnten Messung im Zeitraum eines Monats auf lediglich ein Prozent kam, ähneln und eine Vielzahl neuer und alter HBO und Cinemax-Inhalte anbieten. Damit will HBO vor allem auf die Abonnenten abzielen, die sich Kabelprogramme nur über drahtlose Zugangstechnologien zu Gemüte führen. Nach den Angaben Pleplers seien dies in etwa 10 Millionen Haushalten in den USA, auf denen der anfängliche Fokus liegt. Dieser Plan sorgte auch bei anderen Unternehmen für Reaktionen. Showtime arbeitet dieser Tage ebenfalls an der Umsetzung einer ähnlichen Idee, um die sehr speziell orientierten Konsumenten nicht für vorbereitete Pakete zahlen zu lassen, sondern für individuell georderte Inhalte.
HBO reagiert nicht nur auf den rasanten Aufstieg Netflix‘, sondern auch auf die deutlichen Rückgänge bei den Abonnementzahlen im Pay-TV-Geschäft. Im zweiten Quartal diesen Jahres kündigten 305.000 Haushalte ihre Pay-TV-Mitgliedschaft. Eine Studie unter Pay-TV-Nutzern zeigte im September 2014 außerdem auf, dass ungefähr 2,9 Prozent aller Pay-TV-Konsumenten sich innerhalb der nächsten 12 Monate „sehr wahrscheinlich“ von Bezahlfernsehen trennen werden. 2013 gaben noch 2,7 Prozent der Abonnenten an, innerhalb des nächsten Jahres auf Bezahlfernsehen verzichten zu wollen, 2012 waren es 2,2 Prozent. Besonders starke Abwanderungsgedanken hegen 25- bis 34-Jährige, von denen 4,9 Prozent erklärten, bis Herbst 2015 ihr Abonnement kündigen zu wollen. Noch niedrige Zahlen, die aber über die Jahre hinweg zu einem handfesten Problem für die Anbieter werden. Mit einem Over-The-Top-Streaming-Service würden an HBO-Inhalten interessierte Konsumenten kein Pay-Abonnement mehr benötigen, womit HBO die „Cord Cutters“ (auf deutsch etwa: Kabelschneider), die sich vom herkömmlichen Fernsehen verabschiedet haben, zurückholen und neue Zuschauer gewinnen könnte.
Trotz dem Negativ-Trend im Pay-TV und den durchaus vielversprechenden Erfolgschancen im Internet, kommen HBOs Pläne einer Gratwanderung gleich, denn das Unternemen könnte zwar seinen eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen, indem es jährlich sinkenden Abonnement- und damit auch sinkenden Zuschauerzahlen zuvorkommt, gleichzeitig befeuert der Kabelsender aber auch den Trend in den USA, auf Pay-TV zu verzichten. Dies wird den Pay-TV-Anbietern, mit denen HBO Verträge unterhält und die sich einen Stopp dieser Entwicklungen erhoffen, nicht schmecken. Während HBO dann ein Angebot auf die Beine stellt, das laut Aussagen „mehrere hundert Millionen Dollar wert“ ist, leiden die Pay-TV-Anbieter nur noch mehr durch einen weiteren Big Player bei den kabellosen Services und können HBO nicht mehr exklusiv anbieten. Zumindest steht HBO entsprechenden Aussagen zufolge vor Nachverhandlungen mit den wichtigsten Anbietern im Bezahlfernsehen, von denen sich der Kabelsender erhofft, bessere Bezüge zu erhalten und vier Millionen Abonnements ohne Ertrag in zahlende Kundschaft umzuwandeln, was auch die Pay-TV-Anbieter milde stimmen dürfte. Gegenüber Netflix machte Richard Plepler zuletzt eine Kampfansage. Zwar sei Netflix „ein wunderbarer Zusatz mit wundervollen Optionen, um bei Serien auf dem Laufen zu bleiben oder neue Formate zu schauen, die einen guten Job machen“, das „aber“ folgte jedoch auf dem Fuß: HBO haben einen großen Vorteil gegenüber Netflix in Bezug auf Hollywoodfilme. Nachweislich sähen 78 Prozent aller Interessierten Produktionen aus USAs Filmfabrik bei HBO und 40 Prozent aller HBO-Abonnenten beschränkten sich in ihrer HBO-Nutzung ausschließlich auf Filme – ein Bereich, in dem Netflix noch aufholen muss. Darüber hinaus könne HBO auf ein sehr viel größeres Archiv zurückgreifen, das 2.700 Stunden umfasst.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
29.11.2014 12:37 Uhr 1
Ich bin auch gespannt, wie lange man mit den Streamingdiensten so weiter machen will. Denke, es sollte klar sein, dass sich die Dienste ab einem gewissen Punkt wohl weder für die Unternehmen, noch für die Kunden rentieren werden.
29.11.2014 14:17 Uhr 2
Ich hätte echt gedacht, dass da auch amazon mitmischt, aber denkste!! Da kann man mal sehen, wie das so ist, amazon in Deutschland weit vorne, in den USA mitnichten....