Die Kritiker

«Bella Germania»

von

Mit diesem Herzkino-Dreiteiler will das ZDF siebzig Jahre deutsch-italienische Nachkriegsfreundschaft nachzeichnen. Das katastrophale Ergebnis: eine Klamotte voller Vorurteile.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Natalia Belitski als Julia
Kostja Ullmann und Stefan Kurt als Vincenzo
Marleen Lohse und Andrea Sawatzki als Tanja
Denis Moschitto und Alessandro Bressanello als Giovanni
Christoph Letkowski und Joachim Bißmeier als Alexander
Silvia Busuioc als Giulietta
Deniz Arora als Enzo

Vor der Kamera:
Produktion: Bavaria Fiction GmbH
Drehbuch: Daniel Speck
Regie: Gregor Schnitzler
Kamera: Wolfgang Aichholzer
Produzent: Ronald Mühlfellner
Klamottendesignerin Julia (Natalia Belitski) hat gerade bei der Präsentation ihrer neuen Kollektion die Nerven verloren und die Modenschau kurzfristig abgebrochen. Als sie wenig später einsam, verlassen und völlig desillusioniert in den leeren Stuhlreihen des Veranstaltungsortes sitzt, soll ihr Leben noch komplizierter werden: Ein alter Mann eilt zu ihr und spricht sie freundlich-gutväterlich an: Sie sei seine Enkelin und er bräuchte nun bitte ihre Hilfe, weil er seinen Sohn/ihren Vater kontaktieren möchte, mit dem er seit etlicher Zeit nicht mehr gesprochen hat. Kurz darauf kollabiert er: die Aufregung.

Julia hat ihren Vater nie (bewusst) gekannt, und ihre Mutter (Andrea Sawatzki, ihre jüngere Version wird später von Marleen Lohse gespielt), eine geschäftige Dokumentarfilmerin, blockt alle Fragen weiterhin ab. Also besucht sie Alexander (Joachim Bißmeier; in jüngeren Jahren: Christoph Letkowski), den alten Mann, in seiner Villa: Dort empfängt er sie freudig, und beginnt zu erzählen.

In den fünfziger Jahren war er bei einem Münchener Automobilhersteller als Ingenieur beschäftigt und ist zu dieser Zeit nach Mailand gereist, wo er die deutsche Lizenz für die Isetta erwerben sollte – und zugleich diesen rückständigen Italienern natürlich erst einmal beibringen musste, wie man ein Auto baut. Weil er damals noch kein Wort der Landessprache beherrschte, sprang die hübsche und bilinguale Giulietta (Silvia Busuioc) ein. Die Beiden verliebten sich ineinander, doch äußere Zwänge verhinderten eine offene Partnerschaft, geschweige denn Ehe. Giuliettas Familie stammte aus dem verarmten Sizilien und im Alter von fünfzehn Jahren hatte sie sich mit Enzo (Deniz Arora) verlobt, der den ganzen Clan aus dem Mezzogiorno befreite und nach Norden holte. Ihr „Schicksal“ ist ein Leben mit diesem Mann – obwohl sie von Alexander schwanger ist.

Der reiste bald darauf nach Deutschland zurück. Wenige Jahre später stand auf einmal Giuliettas Bruder Giovanni (erst Denis Moschitto, später Alessandro Bressanello) in seinem Büro und bittet um einen Job: Die Generation Gastarbeiter meldet sich in Deutschland zum Dienst.

Stück für Stück arbeiten sich Julia und der alt gewordene Alexander nun tiefer in diese Familienbiographie, nur unterbrochen durch des alten Mannes Herzinfarkte und mahnende Worte seiner Tochter, er müsse sich schonen. In dieser Geschichte soll sich natürlich die Entwicklung der deutsch-italienischen Beziehungen der letzten sieben Jahrzehnte spiegeln, wobei die Oberflächlichkeit und Fahrigkeit nicht selten die Grenze der Zumutung erreicht. Deutschland ist „das Wirtschaftswunderland“, und für eine junge Italienerin gibt es nach der Logik dieses Dreiteilers nichts Erstrebenswerteres, als es ins gelobte Land jenseits der Alpen zu schaffen. Einen Mann braucht sie da natürlich auch: nur dass es eben ein adretter, liebevoller blonder Deutscher ist und nicht mehr dieser rohe prügelnde Sizilianer. Kein Italien- oder Deutschlandklischee ist diesen Filmen zu doof.

Und so wird aus diesem herzkinohaften Dreiteiler eben keine seichte, aber harmlose und im besten Falle unterschwellig hintergründige Produktion zur deutsch-italienischen Freundschaft. Stattdessen haftet ihr eine gewisse Bräsigkeit an, wenn sie aus dem – stark überzeichneten – ökonomischen Gefälle zwischen den beiden Ländern auch ein unappetitlich sozialpsychologisches macht, in dessen Rahmen sich die romanischen Charaktere den germanischen anzubiedern haben, trotz punktueller growing pains, Missverständnissen und Rebellionen. Am Schluss muss in die Zweiländersymbiose Italien natürlich das Sinnliche und Deutschland das Verkopfte beisteuern, um die Klischeekleisterei perfekt zu machen. Scusi, Italia!

Das ZDF zeigt den ersten Teil von «Bella Germania» am Sonntag, den 10. März um 20.15 Uhr. Die beiden weiteren Teile folgen jeweils am Montag, den 11. März, und Mittwoch, den 13. März, ebenfalls um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/107795
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