Stab
Darsteller: Stefanie Reinsperger, Golo Euler, Eva Bay, Johannes Dullin, Pheline Roggan, Serafine GarbeSchnitt: Trevor Holland
Musik: Tim Neuhaus
Kamera: Martin Langer
Drehbuch: Sophia Krapoth
Regie: Christina Adler
Im Kern geht es um Jenny (Stefanie Reinsperger), eine Hobbytänzerin, die nach einem Unfall in einem Reha-Zentrum landet und dort auf Timo (Golo Euler) trifft, einen Fitness-Influencer, der seinen Körper wie ein Projekt betrachtet, an dem es unermüdlich weiterzuoptimieren gilt. Dass beide zunächst aus „verschiedenen Universen“ stammen sollen, wird uns von der ersten Minute an mit der filmischen Holzhammermethode eingebläut: Sie lacht, er posiert; sie lebt, er zählt Schritte. Diese klischeehafte Gegenüberstellung wäre vielleicht erträglich, würde das Drehbuch von Sophia Krapoth nicht derart beharrlich auf dem Gegensatz herumreiten.
Die Reha-Szenen, in denen sich die beiden annähern, gehören noch zu den stärkeren Momenten des Films – was nicht zuletzt der unprätentiösen Kameraführung von Martin Langer zu verdanken ist. Sie fängt die vorsichtige Nähe zweier Menschen ein, ohne übermäßige Sentimentalität, mit einem Gespür für leise Blicke und unbeholfene Gesten. Doch kaum hat sich eine glaubhafte Intimität aufgebaut, zerrt die Handlung Timo durch seine ehrgeizige Managerin Alessia (Pheline Roggan) zurück in die Welt der Werbedeals, während Jenny ihrerseits aufgefordert wird, an einer Schule über Body Positivity zu sprechen.
Spätestens hier kippt der Film endgültig in pädagogisches Wohlfühlkino: Ein Klassenzimmer, das als Bühne für Dysmorphie-Didaktik dient, ist selten ein guter Ort für differenziertes Erzählen. Die Szenen mit den Schülern wirken – trotz der Bemühungen der jungen Darsteller – wie aus einem Ratgebervideo entnommen, das man zur Sensibilisierung in pädagogischen Seminaren zeigt: nobel in der Absicht, aber dramaturgisch lähmend. Dass Jenny dabei traumatische Erlebnisse aus ihrer Jugend teilt, wird ohne dramaturgischen Widerstand in die Story gefaltet, als müsse man nur ein paar ernste Worte einwerfen, um den Film moralisch abzusichern.
Problematisch bleibt zudem die Figur Timo. Golo Euler bemüht sich sichtbar, mehr zu spielen als einen glatt gebügelten Social-Media-Adonis, doch das Drehbuch gönnt ihm kaum echte Tiefe. Seine Wandlung vom körperfixierten Influencer zum geläuterten Liebenden wirkt weniger wie die Entwicklung eines Charakters als vielmehr wie eine dramaturgische Pflichtaufgabe. Der Film will unbedingt versöhnen, unbedingt heilen – und beraubt sich genau dadurch der Möglichkeit, die Konflikte seiner Figuren ernst zu nehmen.Wenn Jenny später mit der Meinung von Millionen Followern konfrontiert wird, die den Körper einer Frau in Frage stellen, die sich mühsam Selbstakzeptanz erarbeitet hat, scheint der Film kurz zu ahnen, welch gesellschaftliche Härte sich hinter digitalen Scharmützeln verbirgt. Doch statt diese Reibung auszuhalten, flüchtet er in eine Abfolge erwartbarer emotionaler Höhepunkte.
Stefanie Reinsperger stemmt den Film als liebenswerte Jenny dann auch nahezu im Alleingang, balanciert zwischen Humor, Verletzlichkeit und lauter Lebensfreude. Ihre Präsenz ist warm, glaubwürdig, manchmal sogar berührend. Doch auch sie kann nicht kaschieren, dass «Liebesbrief an Jenny» sich im Kern scheut, die Ambivalenzen auszuhalten, die der Film selbst so großspurig ankündigt.
Am Ende bleibt ein Film, der vieles will, wenig riskiert und seine besten Momente in jenen Szenen hat, in denen er seine Botschaft für einen Augenblick vergisst und einfach erzählt. Ein echter Liebesbrief ist «Liebesbrief an Jenny» durchaus – nur leider einer, der so bemüht gefühlvoll formuliert ist, dass er die Wahrheit über die eigenen Figuren lieber in Watte packt, als sie zu entfalten.
Der Film «Liebesbrief an Jenny» wird am Sonntag, den 30. November um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.







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