Die Kritiker

«Helen Dorn – Gnadenlos»

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Im siebten Teil der Reihe zeigt die Hauptfigur so viel Gefühl wie nie. Auch in der Story um einen knallharten Jugendrichter setzen die Macher ihren Langzeitplan konsequent um.

Cast und Crew «Helen Dorn - Gnadenlos»

Vor der Kamera:
Anna Loos als Helen Dorn
Heino Ferch als Dr. Werner Kleinert
Ernst Stötzner als Richard Dorn
Christina Hecke als Christina Behrens
Daniel Friedrich als Falk Mattheisen
Tristan Seith als KTU Weyer
Nele Mueller-Stöfen als Johanna Kleinert
Caroline Hartig als Lisa Kleinert
Lilly Wagner als Marie Kleinert
Sebastian Urzendowsky als Marek Kurth
Jonathan Berlin als Tristan
Peter Schneider als Thomczyk

Hinter der Kamera:
Regie: Alexander Dierbach
Drehbuch: Mathias Schnelting
Kamera: Markus Schott
Im Umgang mit jugendlichen Straftätern gibt es seit jeher zwei konkurrierende Ansätze. Der eine fordert eine harte Hand, durch die die Jugendlichen die Konsequenzen ihres Handelns zu spüren bekommen sollen. Durch rigorose Strafen soll ein Abschreckungseffekt erzielt werden, der die jungen Menschen von weiteren Straftaten abhält. Der gegenteilige Ansatz sieht eine milde Bestrafung vor, um die Zukunft der Jugendlichen nicht zu verbauen. Zukunftslose Heranwachsende würden hiernach eher dazu neigen, eine weiterführende kriminelle Karriere anzustreben. Jugendrichter Dr. Kleinert (Heino Ferch) ist ein klarer Befürworter des erstgenannten Ansatzes und wird so zum Opfer in Helen Dorns aktuellem Fall.

Denn seine ebenso harten wie unbestechlichen Urteile versetzen kleinkriminelle Jugendliche sowie Verfechter der milden Bestrafung gleichermaßen in Aufruhr. Zwar ist Kleinert gewohnt, den Zorn seiner Klientel zu ertragen, nun wurden jedoch aus Hassmails akute Bedrohungen: In der Wohnung des geflohenen Intensivstraftäters Marek Kurth (Sebastian Urzendowsky) wird die Polizei auf dessen krankhaften Hass gegen Kleinert aufmerksam. Das LKA wird informiert und Helen Dorn (Anna Loos) beginnt zu ermitteln. Während der Richter das hinzunehmen bereit ist, ist seine Frau Johanna (Nele Mueller-Stöfen) aufgrund der Kinder aufs Höchste alarmiert.

Dorn findet heraus, dass auch der Krankenpfleger Thomczyk (Peter Schneider) ein Motiv hätte, dem Richter zu schaden. Nach dem plötzlichen Krebstod seiner Ehefrau entzog Kleinert ihm das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Nach deren Unfalltod liegt Thomczyks Welt in Trümmern. Schließlich wird sogar ein Brandanschlag auf das Haus des Richters verübt. Doch Kleinert wehrt sich, entgegen den Beteuerungen seiner Frau, vehement gegen den Polizeischutz. Die Lage spitzt sich zu, als Marek Kurth tot aufgefunden wird und an dessen Kleidung Spuren des gleichen Brandbeschleunigers sichergestellt werden, der auch beim Brandanschlag auf das Haus verwendet wurde.

Nachdem bereits die vorangegangenen Teile der Fernsehfilm-Reihe sachte versuchten, nach und nach die Hüllen des grantigen, verschlossenen Charakters Dorns freizulegen, verfolgt auch der siebte Teil diesen Weg konsequent. Beeindruckend gelingt es Anna Loos, die Kühle ihrer Rolle aufrechtzuerhalten und gleichzeitig auf subtile Weise Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Besonders gut gelingt ihr das im Zusammenspiel mit Helens Vater, gespielt von Ernst Stötzner, mit dem sie ebenso trockene wie liebevolle Neckereien austauscht. Speziell nachdem ihr Vater aufgrund einer leichten Hirnblutung im Krankenhaus landet, gelingt es Loos, ihrer Figur glaubwürdige Emotionen einzuhauchen. Sogar ein Lächeln huscht über das sonst so regungslose Gesicht von Helen Dorn. Außerdem gibt sie sich Kleinerts Tochter Lisa (Caroline Hartig) gegenüber fürsorglich und spricht sogar mit einem Tatverdächtigen über ihre Familiengeschichte. In solchen Momenten beginnt der Zuschauer jedoch etwas mit der „neuen“ Helen Dorn zu fremdeln, weicht ihr Verhalten doch sehr stark von der Ermittlerin ab, die man zu Beginn der Reihe kannte.

Generell weist der ZDF-Krimi durchaus Merkmale eines Dramas auf. Auch innerhalb der Familie Kleinert kommt es zu zwischenmenschlichen Konflikten, insbesondere zwischen dem Richter und seiner Teenager-Tochter, die mit dem harten Vorgehen ihres Vaters vor Gericht überhaupt nicht einverstanden ist. Heino Ferch setzt den knallharten Verfechter von „Law and Order“, der stur seinen Prinzipien folgt, gekonnt in Szene und bringt die Zerrissenheit seiner Figur glaubwürdig zum Ausdruck. Zudem weiß Jonathan Berlin in der Rolle des melancholischen Strichers Tristan zu überzeugen, der zwischen Pragmatismus und Liebe schwankt.

Gegenüber dieser absolut überzeugenden Charakterdynamik muss die Spannung jedoch deutlich zurückstecken. Erst gegen Ende, als die clever durchdachten Handlungsstränge zusammenlaufen, entfaltet sich die Suspense der Geschichte. Für zusätzliche Abwechslung sorgt hingegen das wechselhafte Setting, sowie die verschiedenen Milieus, in denen das LKA ermittelt. Helen Dorn begibt sich in Düsseldorf, Köln und dem Bergischen Land auf Spurensuche und fahndet sowohl in der Stricher-Szene, als auch im Krankenhaus nach dem vermeintlichen Täter.

Regisseur Alexander Dierbach, der bereits für die beiden zurückliegenden Teile verantwortlich zeichnete, gelingt es, die unterkühlte Atmosphäre in dunklen, teils trüben Bildern einzufangen. Die akzentuiert eingesetzte Musik unterstreicht die typisch-reservierte Stimmung nachdrücklich.

Fazit: Durch eine weitere Scharfzeichnung des Charakters gelingt es der Reihe, ihre Ermittlerin noch stärker von konkurrierenden TV-Krimis abzugrenzen. Leider funktioniert die gelungene Dramaturgie nur zulasten der Spannung, die erst gegen Ende wirkungsvoll zur Geltung kommt.

«Helen Dorn – Gnadenlos» ist am Samstag, dem 28. Januar 2017 ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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