Interview

Manuel Rubey zwischen Zynismus und Verlorenheit

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Nach zehn Jahren Haft kehrt Gloria Almeda in ihre Wiener Familienvilla zurück – und bringt ein Netz aus Lügen, Intrigen und alten Verletzungen ins Wanken. Manuel Rubey spricht über seine zynische Figur Severin, familiäre Abgründe und die besondere Mischung aus schwarzem Humor und emotionalem Drama in «Mama ist die Best(i)e».

Mit «Mama ist die Best(i)e» setzen das ZDF und ServusTV auf einen Zweiteiler, der schwarzhumorige Familiengeschichte, Krimi und Drama miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht die exzentrische Gloria Almeda, gespielt von Adele Neuhauser, die nach zehn Jahren Haft in ihre Wiener Familienvilla zurückkehrt und dort ein Netz aus Intrigen, Lügen und verdrängten Konflikten vorfindet. Besonders im Fokus steht dabei auch Manuel Rubey als Severin Almeda – ein Mann, der sich hinter Zynismus und Kontrolle versteckt.

Rubey beschreibt seine Figur als jemanden, dessen „große Verlorenheit“ ihn gereizt habe. Tatsächlich wirkt Severin zunächst wie der kühlste und abgeklärteste Charakter der dysfunktionalen Familie. Doch hinter der Fassade steckt ein Mann, der seine Verletzlichkeit mit Härte kaschiert. „Er hat sich das antrainiert, um die Verletzlichkeit nicht zu zeigen“, erklärt Rubey. Gerade dieses Unterdrücken von Emotionen sei für ihn als Schauspieler besonders spannend gewesen. Statt große Gefühlsausbrüche zu spielen, habe ihn vielmehr interessiert, wie Menschen Traurigkeit oder Unsicherheit verstecken.

Der Zweiteiler lebt stark von familiären Spannungen. Gloria Almeda kehrt nach einer Haftstrafe wegen des angeblichen Mordes an ihrem Ehemann Viktor zurück in die Villa der Familie. Dort beschäftigen sich ihre Kinder und Verwandten bereits mit der Verteilung des Vermögens. Gloria glaubt allerdings nicht an ihre eigene Schuld und ist überzeugt davon, dass der wahre Täter aus den eigenen Reihen stammt. Autor Uli Brée erzählt daraus eine Geschichte über Verrat, Machtspiele und verdrängte Verletzungen.

Vor allem Severin gerät dabei zunehmend unter Druck. Seine Beziehung zu seiner Frau Stella, gespielt von Stefanie Stappenbeck, ist ebenso belastet wie das Verhältnis zu seiner Schwester Leonie, die von Fanny Krausz verkörpert wird. Rubey beschreibt beide Frauen als stärker als seine Figur. „Das will er sich natürlich nicht eingestehen. Aber er fühlt es in jeder Sekunde“, sagt der Schauspieler über Severins innere Unsicherheit.

Hinzu kommt die komplizierte Beziehung zur Mutterfigur Gloria. Sobald diese im Raum sei, verschwinde Severins Selbstbewusstsein vollständig, erklärt Rubey. „Es bleibt ihm dann nur noch Angriff und Zynismus.“ Genau daraus entwickelt sich ein großer Teil der Dynamik des Zweiteilers. Gloria konfrontiert ihre Familie mit alten Verletzungen und bringt ein ohnehin fragiles Gefüge endgültig ins Wanken.

Regisseurin Ute Wieland arbeitete laut eigener Aussage intensiv an den Familienkonstellationen. Vor Beginn der Dreharbeiten fanden gemeinsame Probentage und sogar eine „Familienaufstellung“ statt, um die Beziehungen innerhalb der Almedas körperlich und emotional erfahrbar zu machen. Auch Rubey erinnert sich daran, dass dabei bei einigen Ensemblemitgliedern „große Emotionen aufgepoppt“ seien. Die spätere Arbeit am Set habe dadurch eine besondere Intensität erhalten.

Gedreht wurde überwiegend in einem abgeschlossenen Villensetting, das laut Rubey beinahe wie ein weiterer Charakter wirkte. Der Schauspieler schätzt solche konzentrierten Dreharbeiten: „Wenn die vielen Umzüge wegfallen, hat man mehr Zeit für die Situationen.“ Gerade die räumliche Enge verstärkt die klaustrophobische Stimmung der Geschichte, in der sich die Figuren gegenseitig beobachten, manipulieren und belauern.

Dabei bewegt sich «Mama ist die Best(i)e» ständig zwischen Überzeichnung und Ernsthaftigkeit. Uli Brée beschreibt die Serie selbst als Geschichte über Schuld, Verantwortung und die Möglichkeit von Veränderung. Gleichzeitig spielt der Stoff bewusst mit schwarzem Humor und grotesken Zuspitzungen. Für Rubey macht genau diese Mischung den Reiz aus: „Genau diese Mischung macht es, denke ich.“

Auch Adele Neuhauser betont, dass Gloria zunächst alles andere als eine sympathische Figur sei. Die frühere Society-Lady habe als Mutter versagt und müsse sich nach ihrer Haft erstmals ehrlich mit sich selbst auseinandersetzen. Im Gefängnis beginne ein Wandel, den Gloria nach ihrer Rückkehr allerdings zunächst hinter einer alten Fassade verstecke.

Neben Neuhauser und Rubey gehören unter anderem Stefanie Stappenbeck, Andreas Lust, Elena Uhlig, Aglaia Szyszkowitz, Roland Koch und Lara Mandoki zur Besetzung. Produziert wurde der Zweiteiler von Mona Film und Tivoli Film in Koproduktion mit ZDF und ServusTV. Regie führte Ute Wieland nach einem Drehbuch von Uli Brée, der bereits mit «Vorstadtweiber» Erfahrungen mit bissigen Geschichten über toxische Beziehungen und gesellschaftliche Fassaden gesammelt hat.

Am Ende stellt «Mama ist die Best(i)e» weniger die Frage nach dem klassischen Täter, sondern vielmehr danach, wie viel Schaden Familien einander zufügen können – und ob Versöhnung überhaupt noch möglich ist. Gerade Manuel Rubeys Figur Severin steht exemplarisch für diesen inneren Konflikt zwischen Opferrolle, Selbstschutz und eigener Schuld.

«Mama ist die Best(i)e» ist am Montag, 18. Mai, im ZDF zu sehen. Der Film ist bereits seit 10. Mai in der Mediathek.

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