Hintergrund

Das Jüngste Quoten-Gericht: Wo sind die jungen RTL-Zuschauer?

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Montags blickt Quotenmeter auf aktuelle Quoten-Highlights und Marktanteil-Flops und ordnet diese ein. Diesmal geht der Blick auf das Nachmittagsprogramm von RTL mit den Gerichtsshows von Barbara Salesch und Ulrich Wetzel.

Dass das deutsche Fernsehpublikum alt ist, ist kein Geheimnis. Die Zuschauer der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sind durchschnittlich weit über 60 Jahre alt. Vor zwei Jahren hatte nur ProSieben von den großen acht Vollprogrammen ein Publikum, das im Schnitt jünger als 50 Jahre alt war. Der Privatsender RTL versucht deshalb seit geraumer Zeit die Zielgruppe zu erweitern und statt der 14- bis 49-Jährigen auch die Personen zwischen 50 und 59 Jahren hinzuzuzählen. In Unterföhring kündigte der ProSiebenSat.1-CEO Bert Habets erst kürzlich an, die Gruppe der 20- bis 59-Jährigen als Zielgruppe auf Konzernebene zu betrachten – ohne jedoch die jeweiligen Relevanzzielgruppen der einzelnen Sender zu verändern. RTL forcierte in seinen Mitteilungen zuletzt stets die 14- bis 59-Jährigen.

Betrachtet man das RTL-Nachmittagsprogramm der vergangenen Woche, wird deutlich, warum eine Verschiebung der Skala gewünscht ist. Das dreistündige Mittagsmagazin «Punkt 12» lieferte einmal mehr eine gute Woche ab und verzeichnete in der klassischen Zielgruppe Werte zwischen 11,9 (Donnerstag) und 16,7 Prozent (Montag). Während die Quoten immens schwankten, langen aus Reichweitensicht gar nicht so viele Zuschauer dazwischen. Am Montag verzeichnete man 0,15 Millionen 14- bis 49-Jährige, am Donnerstag wurden 0,11 Millionen registriert. Am Dienstag und Freitag wies die AGF sogar jeweils 0,16 Millionen junge Zuschauer aus, die Marktanteile schwankten zwischen 16,6 Prozent am zweiten Tag der Woche und 15,0 Prozent zum Wochenende. Es sind theoretisch also gar nicht so viele junge Zuschauer nötig, um eine hohe Quote einzufahren.

Bei «Punkt 12» passte das Verhältnis zwischen Gesamtzuschauerzahl und werberelevantem Publikum. Rund ein Viertel der Zuschauer zählte zur Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, war also unter 50 Jahre alt. Damit war «Punkt 12» sowohl insgesamt als auch in der Zielgruppe sehr erfolgreich und bewegte sich stets über den durchschnittlichen Marktanteilen des Kölner Senders. Ganz anders verhielt es sich bei den Nachfolgeformaten.

Die Gerichtsshows mit Barbara Salesch und Ulrich Wetzel, die seit Herbst 2022 zum Programm gehören, lassen sich nach wie vor als Erfolg werten. Im März hatte «Barbara Salesch – Das Strafgericht» teils fantastische Quoten in der Zielgruppe und kam auf bis zu 14,1 Prozent. Auch «Ulrich Wetzel – Das Strafgericht» ist ab und an für einen Ausreißer nach oben gut – zuletzt Anfang April mit 13,5 Prozent Marktanteil. Deutlich konstanter sind die Leistungen aber beim Gesamtpublikum, wo beide Sendungen nahezu ausnahmslos oberhalb des Senderschnitts liegen. Während aber während des dreistündigen Mittagsmagazins 25 Prozent des Publikums aus der Zielgruppe stammt, liegt der Anteil bei «Barbara Salesch» nur noch bei rund elf Prozent. Bei «Ulrich Wetzel» sinkt der Quotient auf nur noch rund acht Prozent.

Im Schnitt verzeichnete «Ulrich Wetzel – Das Strafgericht» in der vergangenen Woche eine Million Zuschauer, nur 80.000 davon waren unter 50 Jahre alt. Am Montag lief es mit einem Gesamtsehbeteiligung von 0,95 Millionen und 11,6 Prozent Marktanteil richtig gut, in der Zielgruppe wurden allerdings nur 0,05 Millionen und 4,8 Prozent gemessen. Dies ergibt einen Zielgruppen-Anteil von nur fünf Prozent. Eine ähnliche Rechnung stellte die rothaarige Richterin im Vorlauf auf: in der 15-Uhr-Stunde schalteten 0,72 Millionen Zuschauer ab drei Jahren ein (10,1% MA), aber nur 50.000 zwischen 14 und 49 Jahren (6,4%). Das Verhältnis lag bei sieben Prozent. Das Problem besteht auch bei «Verklag mich doch!», das im Wochenschnitt nur auf ein Gesamtpublikum-Zielgruppen-Verhältnis von neun Prozent kam.

Nach den Gerichtsshows und der Scripted-Reality lassen sich diese Altersprobleme des Senders nicht so ausgeprägt finden. Bei «Unter Uns» und «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» lag der Anteil jeweils bei über 20 Prozent, bei «Alles was zählt» waren immerhin 16 Prozent des Publikums unter 50 Jahre alt. Die Magazine «Explosiv» und «Exclusiv» kamen werktags auf jeweils 17 Prozent, für das reichweitenstarke «RTL Aktuell» ließ sich für die gesamte Woche ein Wert von 16 Prozent errechnen. Bei den 20:15-Uhr-Programm der vergangenen sieben Tage – das Europa-League-Spiel am Donnerstag wird nicht berücksichtigt – belief sich der Anteil auf 24 Prozent. Am Samstag («Denn sie wissen nicht, was passiert») und Sonntag («The Lost City») standen 33 und 36 Prozent junge Zuschauer zu Buche.

Für das älterwerdende RTL, das in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feierte, sind Zuschauerzahlen am Nachmittag von über eine Million ein guter Wert. Marktanteile oftmals im zweistelligen Bereich beweisen das. Sorgen sollte man sich aber um das junge Publikum machen, das offensichtlich kein Interesse an günstigen Produktionen hat. Es stellt sich somit die Frage, wie lange Wirtschaftlichkeit noch über Perspektive steht, bevor der Nachmittag für das junge Publikum in der Irrelevanz verschwindet.

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