Serientäter

«Völlig zerstört»-Kritik: Die dümmste Serie des Jahres?

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Eine Actioncomedyserie, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt, kann durchaus unterhalten. Doch je infantiler die Autoren agieren, desto eingeschränkter wird das Zielpublikum.

Josh Heald, Jon Hurwitz, und Hayden Schlossberg, das Kreativteam, welches sich bei Netflix für die Hitserie «Cobra Kai» verantwortlich zeichnet, muss sich bei dem Pitch zu ihrer neuen Serie überlegt haben, wie schlecht geschrieben, geschauspielert und choreographiert eine Serie letztendlich sein kann, um dennoch vom durchschnittlichen Netflix-Pöbel in Massen geschaut zu werden.

In «Völlig zerstört» soll ein Team aus Spezialagenten eine Atomwaffe in Las Vegas sicherstellen. Als die Mission scheinbar erfüllt ist, dröhnt sich das gesamte Team mit Alkohol und Drogen zu, nur um dann zu erfahren, dass die Atombombe doch noch in den Händen der Terroristen ist. Mit Schauspielern aus der C-Klasse, von denen die aus «Teen Wolf» bekannte Shelley Hennig noch zu den größeren Namen gehört, stellt das «Cobra Kai»-Team ein Ensemble aus klischeehaften Figuren zusammen, die wirken als seien sie gerade einem Videospiel für Teenager entflohen.

Fürchterliche Dialoge, Witze, die so schlecht sind, dass sie im nüchternen Zustand nicht einmal ein Schmunzeln entlocken können, gepaart mit Waffen und Kämpfen, die so wie die Figuren selbst mehr an Videospiele als an das Format Film angelehnt sind, bilden kombiniert die Resterampe des guten Geschmacks. Trotz dessen findet sich für billige Action, flache Witze und nackte Tatsachen letztlich immer ein Markt, wie es zahlreiche Collegefilme der frühen 2000er Jahre schon bewiesen haben. Für vollgedröhnte Studenten oder hormongesteuerte Teenager dürften schon das wohlgeformte Hinterteil Shelley Hennigs oder das Sixpack Nick Zanos ausreichen, um zum Dranbleiben zu animieren.

Der Mix aus «The Hangover» und «Mission Impossible» mag auf einem Blatt Papier sicherlich gar nicht so uninteressant gewirkt haben, doch statt einer gelungenen Actioncomedy, die auch nur ansatzweise humoristisch mit «The Hangover» oder actiontechnisch mit «Mission Impossible» konkurriert, tendiert in «Völlig Zerstört» leider alles in Richtung der Kategorie „Trash“. Wenn selbst der Spruch „dumm aber wumm“ nicht mehr funktioniert, weil auch die Actionszenen so billig sind, dass Fremdschämen angesagt ist, wird es immer schwieriger, dem gesamten Projekt etwas positives abzugewinnen.

«Völlig zerstört» wird ein gewisses Klientel für sich begeistern können und mit einigen Flaschen Bier intus mag die Serie durchaus für das berüchtigte Netflix’sche Hintergrundrauschen geeignet sein, doch objektiv gesehen unterschreitet Netflix hier das mittlerweile gewohnte Mittelmaß deutlich, womit sich «Völlig zerstört» im Ranking um die schlechtesten Serie des Jahres ganz weit oben einreiht.

«Obliterated» (dt. «Völlig zerstört») ist seit dem 30. November 2023 bei Netflix abrufbar.

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