Die Kritiker

«Pilotinnen»

von

Eine der größten Leistungen in 60 Jahren "Kleines Fernsehspiel" wird Montagnacht im ZDF ausgestrahlt: ein deutsches «Thelma und Louise».

Stab

Darsteller: Eleonore Weisgerber, Nadeshda Brennicke, Udo Schenk, Barbara Frey
Drehbuch und Regie: Christian Petzold
Kamera: Hans Fromm und Christoph Krauß
In diesen Wochen feiert das ZDF eine seiner langlebigsten Institutionen – „Das kleine Fernsehspiel“, eine vor allem unter Brancheninsidern beliebte Reihe aus Fernsehfilmen, in denen sich insbesondere junge Autorinnen, Regisseurinnen und Künstler ausprobieren dürfen, etwas abseits der großen Leinwand und prominenten Sendeplätze, aber dafür mit umso größerer künstlerischer Freiheit.

Einer der bemerkenswertesten Einträge in dieser jahrzehntealten Reihe war sicherlich der Film «Pilotinnen» aus dem Jahr 1995, der nun zum 60-jährigen Jubiläum erneut ausgestrahlt wird. Die Handlung folgt den beiden Kosmetikverkäuferinnen Karin (Eleonore Weisberger) und Sophie (Nadeshda Brennicke), die von Konkurrentinnen zu Komplizinnen werden und einen gemeinsamen Traum verwirklichen. Dabei zeigt dieser Film einfühlsam und mit einer beeindruckenden Leidenschaft, wie die beiden Frauen in einer von Männern dominierten Welt ihre Stimme finden und versuchen, aus ihren Zwängen auszubrechen.

Zu Beginn spricht dagegen alles noch für eine Feindschaft der beiden Frauen: Karin ist Ende 40 und aus zwielichtigen Gründen auf ihren ekelhaften Job als Außendienstvertreterin einer Allerweltsmarke für Ramschkosmetik angewiesen. Weil sie schon zum alten Eisen gehört und nicht mehr die Verkaufszahlen bringt, die der neue junge Geschäftsführer von ihr erwartet, wird ihr die 20 Jahre jüngere Sophie zur Seite gestellt, die mit dem Chef schläft und sich davon Privilegien erhofft. Die beiden Frauen können sich zunächst nicht leiden, doch nachdem sie erkannt haben, dass sie beide von der Firma und ihrem Geschäftsführer, der natürlich stellvertretend für das Patriarchat steht, nur nach Strich und Faden ausgenutzt werden und dabei mehr als einmal in gefährliche Situationen geraten, entwickelt sich eine tiefe Solidarität zwischen ihnen.

Dabei sind die beiden Schauspielerinnen die wahren Stars des Films. Sie bringen eine beeindruckende Tiefe und Komplexität in ihre Rollen und spielen ihre Figuren so mitreißend, dass der Zuschauer sofort mit ihnen mitfühlt. Weisberger zeigt die Erfahrung und das Selbstbewusstsein von Karin, während Brennicke das unerschütterliche Vertrauen von Sophie in ihre Fähigkeiten und ihren Traum von Erfolg in der Welt der Kosmetikindustrie gekonnt zum Ausdruck bringt.

Der Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold gibt seinen Hauptdarstellerinnen dabei stets ausreichend Raum, um ihre Charaktere entsprechend zu entwickeln, und bringt ein beeindruckendes fragiles Feingefühl in den Film ein. Seine Inszenierung ist dabei zurückhaltend und unaufdringlich, was die Leistung der Schauspielerinnen nur noch gekonnter unterstreicht. Der Film konzentriert sich auf die Charaktere und ihre Beziehung zueinander, was den Zuschauer dazu bringt, sich emotional mit ihnen zu verbinden.

In gewisser Weise erinnert «Pilotinnen» dabei an den monumentalen amerikanischen Film «Thelma and Louise», der ebenfalls zwei Frauen folgt, die sich gegen patriarchale Strukturen auflehnen. Genau wie «Thelma and Louise» treibt auch dieser Film die Kompromisslosigkeit seiner Figuren bis zum Äußersten, und unterhält das Publikum gleichzeitig mit einer wilden und unterhaltsamen Geschichte; «Pilotinnen» gefällt dabei als etwas subtileres und realistischeres Drama, das auf einer ähnlich tiefen emotionalen Ebene wirkt.

Zum 60-jährigen Jubiläum des Kleinen Fernsehspiels wird «Pilotinnen» am Montag, den 27, März um 01:00 Uhr ausgestrahlt.

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