Die Kritiker

«Nord Nord Mord: Sievers und der schwarze Engel»

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Ein Mann wird erschlagen in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Die Mordwaffe ist auch schnell gefunden. Es handelt sich um eine Engelsstatue. Der Fall bekommt für Kriminalhauptkommissar Sievers eine persönliche Note, da er eine Verdächtige persönlich kennt. Etwas zu gut, um ganz genau zu sein.

Stab

STAB
REGIE: Benno Kürten
DREHBUCH: Jan Hinter, Stefan Cantz
SCHNITT: Sanjeef Hathiramani
KAMERA: Friederike Heß
MUSIK: Jessica de Rooij
DARSTELLER: Paul Heinrich Brix, Julia Brendler, Oliver Wnuk, Victoria Trauttmansdorff, Stephan A. Tölle, Anna Herrmann, Lutz Blochberg, Lisa Marie Jake, Jule Ronstedt
Der bereits 15. Spielfilm der Reihe «Nord Nord Mord» ist ein biederes Kriminalstück, das wenig Überraschendes zu bieten hat. Die Geschichte verläuft in ruhigen Bahnen, unaufgeregt, aber auch ein bisschen langweilig. Tatsächlich lässt sich sehr bald erahnen, wer wohl zugeschlagen haben mag und eine echte Spannungskurve, die den Film bis zum Ende tragen würde, findet die Inszenierung nicht.

Da liegt also ein Toter in seinem Hotelzimmer. Auf seinem Bett. Der Mörder, oder die Mörderin, hat mit brachialer Gewalt auf seinen Schädel eingeschlagen. Von hinten. Das Opfer hatte keine Chance. Klaus Burger heißt der Tote. Sein Urlaub auf Sylt hatte selbst für die erfahrenen Ermittler einen überraschenden Hintergrund: Burger hat an einem Engelsseminar teilgenommen. Tatsächlich bietet solche Seminare ein gewisser Gabriel Sommer an. Der behauptet, vor vielen Jahren nach einer tiefen Meditation mit einem Engel Kontakt aufgenommen zu haben. Inzwischen ist er in der Lage, jederzeit mit Engeln kommunizieren zu können. Sagt er zumindest und Gabriel Sommer ist durchaus ein Mann, er sich zu verkaufen versteht. Er hat unzweifelhaft Charisma.

Für Kommissar Carl Sievers ist der Fall pikant, denn eine der Kursteilnehmerinnen, Hanne Wegener, ist ihm bekannt. Er unterhielt zu ihr eine Beziehung. Und als die zerbracht, hat sie ihn gestalkt. Das ist aber nicht alles. Er wurde beschuldigt, sie geschlagen zu haben. Das ist auch der Grund, warum Sievers Kiel verlassen hat. Nachdem er beschuldigt wurde, Hanne geschlagen zu haben, stand Aussage gegen Aussage. Verurteilt wurde er nicht. Aber auch nicht wirklich entlastet. Aus diesem Grund hat er auf der Nordseeinsel einen Neuanfang gestartet.

Trotz dieser Vorgeschichte müssen er und seine Kollegin Ina Behrendsen unvoreingenommen an die Ermittlungen herangehen; Sievers darf sich nicht von persönlichen Gefühlen leiten lassen. Zugutekommt den beiden, dass bei einer ersten Befragung der Seminarteilnehmer ihr Kollege Hinnerk Feldmann nicht anwesend gewesen ist. Der ist für die Seminarteilnehmer demnach ein Unbekannter. Folglich kann er nun undercover in der Gruppe ermitteln.

Was folgt, das ist ein nettes Mörderraten. Da hatte das Mordopfer eine kleine Affäre mit einer verheirateten Frau. Deren Ehemann steht demnach auf der Verdächtigenliste erst einmal ganz oben. Aber auch Seminarleiter Gabriel Sommer könnte ein Motiv haben, denn trotz der Tatsache, dass er mit seinen Seminaren gutes Geld verdient, musste er sich vor gar nicht langer Zeit etwas Geld leihen. Dreimal darf man raten, von wem er sich das Geld wohl geliehen haben mag?

«Nord Nord Mord – Sievers und der schwarze Engel» tut nicht weh. So darf Oliver Wnuk in der Rolle des Hinnerk Feldmann einige Male den Fokus auf sich lenken: Weil sich seine Figur über die Teilnehmer des Seminars nicht lustig macht. Die Inszenierung lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass hier ein Scharlatan am Werke ist. Wnuk aber gelingt es, etwas Menschliches in den Figuren sichtbar zu machen. Weniger gelungen ist allerdings die Backstory, die der Figur des Carl Sievers verpasst wird. Paul Heinrich Brix stellt diesen Kommissar seit 2018 dar. Er übernahm die Hauptrolle nach dem Ausscheiden von Robert Atzorn im Januar 2018. War Atzorns Figur Theo Clüver eher ein einfühlsamer, geduldiger Charakter, ist Brix ein eher mürrischer Typ, der von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht hat, nicht unbedingt der steifen Nordseebrise nach Sylt gekommen zu sein.

So macht die Backstory erst einmal Sinn. Schade nur, dass sie wie ein Zeitschinder in diesem Film wirkt, mit dem die Tatsache übertüncht werden soll, dass der reine Kriminalfall auch in einer Vorabend-Kriminalfilmserie hätte abgearbeitet werden können. Denn für allzu viele Wendungen bietet die Story einfach kein Futter. So braucht es eine zweite Handlung, um Spielzeit zu schinden. Eine Story, die für eine der Hauptfiguren und ihre Charakterisierung aber eigentlich sehr wichtig ist. Eine zweite Handlung, die am Ende jedoch nur aus zusammengefügten, hinlänglich bekannten Bausteinen besteht. Die Hauptfigur braucht ein Trauma? Bitte, da ist es. Tatsächlich hätte die Geschichte viel mehr Platz verdient gehabt, um sie in ihrer gesamten Tragik und Tragweite spürbar zu machen.

Fazit: Egal, wie man zu diesem Film stehen mag: Der letzte Fall der Sylter Fernsehkommissar, «Nord Nord Mord – Sievers und der schönste Tag», konnte mit 9,91 Millionen Zuschauer ordentlich punkten. Es ist somit wenig überraschend, dass das ZDF bereits vier weitere Spielfilme angekündigt hat.

Am Montag, 18. Oktober 2021, im ZDF (20.15 Uhr)

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