Hingeschaut

Wenn Gummipömpel essbar sind

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«Die Gegenteilshow» auf Sat1: "Laufen Sie weg, kucken Sie nicht hin!"

Wenn das ein oder andere neue Format hier wie da mal nicht so läuft wie erhofft, dann hat das gewiss unterschiedliche Gründe. Also dachte sich Sat.1: Probieren wir´s doch mal mit dem Gegenteil in einer Show. Was dabei herauskam: Fernsehen auf den Kopf gestellt! Durchaus witzig.

"Laufen Sie weg, kucken Sie nicht hin!", wenn Moderator Daniel Boschmann so schon mal die Zuschauer begrüßt, dann weiß man gleich, woran man hier ist. Body & Brain-Show nennt der Sender das Konzept, kündigt es mit Zitaten an wie: "Einschalten lohnt sich auf gar keinen Fall. Das ist die komplizierteste, ödeste Sendung der Welt. Langweilige Gäste. Schnarchige Spiele."

Also dann, auf in das TV-Experiment, bei dem das Gegenteil der Fall ist. Mirja Boes, Felix Neureuther, Tom Beck und Uwe Ochsenknecht heißen die vier Versuchskaninchen, die sich den Quiz- und Actionspielen jeweils als Duo stellen müssen. Für 30.000 Euro für einen guten Zweck. Für den Sieger. Wer Spiele gewinnt, bekommt Punkte abgezogen. So einfach ist das also.

Aufgabe eins: Rückwärts gehörte Musiktitel erkennen! Hat schon immer Spaß gemacht. Bei "It‘s Raining Men" ist´s einfach, "Rolling in the Deep" von Adele erlauscht man auch schnell. "Walk Like an Egyptian" und "Toxic" von Britney Spears ebenso. "Valerie" von Amy Winehouse könnte auch "Rehab" sein, bei Michael Jacksons "They Don't Care About Us" kennt man den Titel eigentlich nicht, auch wenn der Song hinlänglich geläufig ist. Erstes Zwischenfazit: Warum nicht eine ganze Show mit rückwärts gespielter Musik?

Weiter geht´s mit "Essbar oder nicht": Ein Schuh, eine Zange, sogar ein Klostopfer und viele andere Dinge liegen serviert auf Tellern. Ein Teil davon ist echt, ein anderer genießbar. In den blauen Locher beißt Uwe Ochsenknecht und bricht sich fast die Zähne. Der goldene Armreifen entpuppt sich als Zuckergeschöpf, ebenso der Aschenbecher. Das unterhält gut. Und auch den Gummipömpel kann man essen.

Dann erklären Senioren zu findende, moderne und aktuelle Begriffe und Personen wie "Smartphonezombie", "Duckface" oder Rezo. Nun ja, mäßig witzig. Kopfüber Tischtennisbälle über einer Platte hängend in Netze schlagen zu müssen, ist als Spiel an Einfallsreichtum sicher genauso zu überbieten. Felix Neureuther kann das freilich. Fast besser als Skifahren, möchte man meinen. Zumindest darf man das in einer Gegenteilshow behaupten. Tom Beck schlägt ihn!

Von hinten fotografierte Stars erkennen: Dalli Klick war einst ein Kinderspiel dagegen. Jogi Löw, Will Smith, Heidi Klum, Brad Pitt, Barbara Schöneberger oder Justin Timberlake sind dennoch recht fix zu erahnen. Michelle Hunziker dagegen nicht. Nächstes Spiel: "Pump die Marmelade auf!" Johann König liest Texte von Superhits in englischer Sprache übersetzt auf Deutsch vor. Wieder Musik, wieder lustig. Unfassbar, wie banal bis peinlich die Lyrics von Rihannas "Umbrella" oder von "Kirsche Kirsche Dame" von den Modernen Gesprächen sind. Mach´ die Schüssel sauber, was kostet der Fisch? Oh Säugling! Genial! Hyper, Hyper!

Geräuschlos geht´s weiter. Mit Geschirr einen Tisch eindecken, ohne Lärm zu verursachen, Einfach ist das nicht, aber genauso mäßig spannend. Nach über einer Stunde Netto-Sendezeit ist das der Moment, wo man am ehesten aus- oder umschaltet. Runde acht heißt "Ja ist Nein", laut Moderator "so simpel wie schrecklich". Ziel: Fragen korrekt falsch zu beantworten. So wie: Steht das Brandenburger Tor in Berlin? Nein! Oder: Findet Fridays for Future meistens donnerstags statt? Ja! Nette Idee. War ABBA ein Quartett? Nein!

Dann das Finale, ein optischer Leckerbissen: Eine Bibliothek als drehender Raum, als "Escape Room" mit zu lösenden Aufgaben auf Zetteln. Wer zuerst einen fünfstelligen Zahlencode ermittelt, gewinnt die Show. Mit Mona Lisa geht´s los, die Bewegung wie bei Christopher Nolans «Inception» macht die Sache aufregend. Viel kreativer kann ein Spiel kaum sein. Dass zwei Duos nacheinander die selben Rätsel entkniffeln müssen, sorgt leider für etwas Langatmigkeit.

Am Ende gewinnen Mirja Boes und Tom Beck die Kohle. Tierheim, Afrika, Weißer Ring, Bewegung für Kinder - sie alle profitieren. Felix Neureuther und Uwe Ochsenknecht als Verlierer müssen sich selbst würdigen. Mit vorgegebenen, bös-witzigen Sätzen. Ochsenknecht nennt sich "Mundwinkel-Double von Angela Merkel" und bekommt von seinem Grundschullehrer noch immer Geld überwiesen, damit er nicht verrät, in seiner Klasse gewesen zu sein. Schöner Schluss!

Mit 0,61 Millionen Zuschauern und 8,5 Prozent in der Hauptzielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kam die Gegenteilshow allerdings nicht wirklich richtig gut an. In den Top-25 beim Gesamtpublikum am Mittwoch taucht Sat1 überhaupt nicht auf. Unverdient, eigentlich.

Die eine Stunde, 46 Minuten und 47 Sekunden der ersten Gegenteilshow sind im Stream auf Joyn nach wie vor verfügbar. Und im TV am Sonntag ab 9.25 Uhr als Wiederholung. Zwei weitere Folgen kommen noch. Jeweils Mittwoch auf Sat1. Dann mit mehr Begeisterung auch vor den Bildschirmen?

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