Hingeschaut

«Studio Schmitt»: Vergiftete Nudeln am Donnerstagabend

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Quotenmeter hat den Start der Tommi Schmitt-Show angeschaut. Die Vorschusslorbeeren waren groß, immerhin moderiert Schmitt mit Felix Lobrecht «Gemischtes Hack».

Nun hat also auch Tommi Schmitt seine eigene Show, bei ZDFneo. Der Comedy-Preisträger, «Gemischtes Hack»-Mann, frühere «TV Total»-Autor und künftig berühmteste Detmolder ist einer der neuen Hoffnungsträger der Öffentlich-Rechtlichen. Jetzt, wo doch alle den Abgesang auf das «Traumschiff» üben.

Donnerstagabend der Start von «Studio Schmitt». Schon das drei Minuten lange Filmchen vorab im Internet, wie der 32-Jährige zu der Show kam: Klasse! Damit startet Folge eins, kurzweilige 27 Minuten und 54 Sekunden lang. Um 22.15 Uhr genau zu der Zeit, als man früher bei Stefan Raab nochmal vor der Glotze aufwachen konnte. Und die ideale Alternative zur 124. Lockdown-Diskussion bei «Maybrit Illner» beim großen Bruder. Schmitt bietet laut Ankündigung die Themen von Popkultur und Politik über Populismus und Prominenz bis zu Popcorn und Pommes. Fehlen eigentlich nur Pferde und Pornos.

Wer gleich zu Beginn zugibt, dass er eigentlich kein Konzept hat, kann ja nur gewinnen. Natürlich will der Podcast-Thomas über aktuelle Themen reden. Über das, worüber Deutschland diskutiert. Also weniger über Corona, mehr über Florian Silbereisen oben ohne oder so. Klar ist das Virus ein Thema. Dass in den USA viel schneller geimpft wird als bei uns. Gut sei das, denn dann sind die meisten Schüler in Amerika immun, bevor sie erschossen werden. Und ohne Maskenpflicht hätten es die Polizisten dort einfacher zu entscheiden, ob sie Personen nun töten können oder ob die weiß sind.

Gartenmöbel und DVD-Player würde Putin impfen, wenn in Deutschland die jungen Menschen dran sind. «Sommerhaus des Sars» wäre für RTL ein ideales Format, gedreht auf Mallorca im Quarantäne-Hotel für Infizierte. Kurz zum Nachdenken noch das "Gaga-Kompositum der Woche": Es lautet "Po-Schock". Nach elf Minuten ist es vorbei mit dem Rückblick auf die letzten Tage, ohne eingespielte Studio-Lacher und nervende Liveband, das ist angenehm. Tommy Schmitt setzt sich nun an seinen Schreibtisch. Irgendwie haben diese Late Night-Shows alle das gleiche Konzept.

Ja, die Gender-Diskussion fiel ein wenig langatmig aus. Und schon musste Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der „Zeit“, ein paar Fragen im Stehen beantworten. Um sich für den «Quiz Champion» bei Johannes B. Kerner zu qualifizieren? Nein: Fragen nach dem Lieblingsgericht ("Vergiftete Nudeln") oder die Farbe des Windes ("manchmal grau, manchmal blau") und was nach dem Tod passiert ("Da wachsen aus mir Gänseblümchen") gab es zu beantworten. Das reichte für einen Platz auf alten Sesseln, gekauft für wenig Bares, weil nichts Rares.

Doch im Gespräch dann: Wenig Erhellendes von der bekannten Gerichtsreporterin, mit dem True/Fake-Crime dann aber ein einfallsreiches Spiel. Schnell noch ein bisschen über Morde und Trampen geredet - und schon sind die nicht ganz 30 Minuten vorbei. Unterm Strich: Die Fernsehwelt wird Tommy Schmitt nicht verändern. Aber der späte Donnerstagabend hat mit ihm eine Perspektive abseits des Polit-Talks. Und die Frage an das ZDF: Warum hat man nicht den Mut und sendet sowas im Hauptprogramm? Warum Nischenfernsehen?

«Studio Schmitt» ist in der ZDF-Mediathek verfügbar.

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