Die Kritiker

«Superman & Lois»-Kritik: Clark Kent ist erwachsen geworden

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Rund 10 Jahre nachdem «Smallville» beim US-Sender The CW zu Ende ging, ist der erste Superheld der Comicgeschichte mit seiner eigenen Serie zurück auf dem kleinen Bildschirm.

Nach etlichen Querelen um eine Superman Serie, die gleichzeitig und erzählerisch unabhängig zum Filmuniversum laufen sollte und so einigen Gastauftritten im Arrowverse, hat Tyler Hoechlins Superman nun doch noch seine eigene Serie gewährt bekommen, wohl insbesondere aufgrund der Ungewissheit des Filmuniversums mit Henry Cavill gegenüber. Im Gegensatz zu «Smallville», dass sich auf die Jugendjahre des Mannes aus Stahl konzentrierte und diesen selbst im Finale nicht eindeutig im Kostüm zeigte, fokussiert sich «Superman & Lois» auf einen erwachsenen Superman, der bereits verheiratet ist und zwei Teenagersöhne hat.

Während die Serie initial gar nicht erst versucht die «Smallville» Analogien zu verbergen, die ersten Szenen der Serie, die in Flashbacks die Ankunft des späteren Superhelden auf der Erde zeigen, können aufgrund ihrer Ähnlichkeit zur Pilotfolge «Smallvilles» durchaus als Fanservice par excellence bezeichnet werden, ebenso wie die an die Mutterserie angelehnte Kent Farm und die Kleinstadt Smallville, wird recht schnell klar, dass Superman & Lois einem völlig anderen Ansatz folgt. Die Geschichten und die Erzfeinde, die für den jungen Clark Kent noch in ferner Zukunft lagen, hat dieser Superman schon erlebt und besiegt. Während der eine im Verlauf der Serie aus Smallville fortging, kehrt der andere nun in seine Heimatstadt zurück.

Superman & Lois spannt nun einen nicht ganz ungefährlichen Bogen. Einerseits wird eine weitaus erwachsenere Geschichte, für ein erwachseneres Publikum, dass wahrscheinlich in Teenagerjahren mit der Vorgängerserie «Smallville» aufgewachsen ist und sich mittlerweile mindestens in den späten Zwanzigern bis Mittdreißigern befindet, erzählt. Andererseits wird mit den beiden Teenagersöhnen wieder dieselbe Coming of Age High-School-Geschichte erzählt, die getreu nach der The CW Formel abläuft und für ein sehr junges Publikum attraktiv sein soll. So wirklich gelingen mag zumindest letzteres allerdings nicht. Während die Erwachsenengeschichte noch einen guten Mittelweg zwischen dem düsteren Filmuniversum und dem allzu bunten Arrowverse zu finden scheint, dürfte der Teenagerpart aufgrund seiner repetitiven und letztlich schon unzähligen Male dagewesenen Erzählung, gerade beim Erwachsenenpublikum schnell für Augenrollen sorgen. Die Pilotfolge konnte die Problematik aufgrund ihrer überlang-filmischen Umsetzung noch gekonnt überspielen, doch die zweite Folge offenbart diese dafür umso deutlicher.

Als ebenfalls heikel ist das Casting zu bewerten. Dass bei The CW schauspielerisch häufig geballtes Mittelmaß herrscht ist nichts Neues, die fehlende Chemie insbesondere zwischen den beiden Hauptdarstellern Tyler Hoechlin (Clark Kent) und Bitsie Tulloch (Lois Lane) aber auch dem restlichen Cast, hingegen schon. Ob Clark Kent nun seiner Frau Lois Lane oder seiner Jugendliebe Lana Lang (Emmanuelle Chriqui) gegenübersteht, scheint relativ unbedeutend, denn bei beiden will bisher nicht der Hauch eines Funkens überschlagen. Etwas besser funktioniert das bei den Jungdarstellern Jordan Elsass (Jonathan Kent) und Alexander Garfin (Jordan Kent), denen man die ungleichen Zwillingsbrüder durchaus abnimmt.

Die erzählerischen Schwächen können zumindest teilweise von der Einführung einer unverbrauchten Schurkenfigur sowie der überzeugenden visuellen Umsetzung der Serie kaschiert werden. Es überrascht nicht, dass Showrunner Todd Helbing in einem Interview mit dem Branchenmagazin Deadline jüngst erläuterte, man wolle die Serie möglichst filmisch umsetzen, mit einer zugrundliegenden Qualität, die der von Streaming- und Kabelserien ebenbürtig ist. Das Budget, das für ein solches Vorhaben nötig ist, wäre sicherlich nicht für den kleinen Sender The CW investiert worden, sondern schon mit der Voraussicht die Serie letztlich auch beim hauseigenen Streaminganbieter HBO Max oder je nach Lizenzdeal bei Netflix unterzubringen. Offensichtlich hat man sich das Aushängeschild Superman daher einiges kosten lassen, denn was Spezialeffekte und CGI betrifft, setzt sich Superman & Lois von den restlichen Arrowverse Vertretern weit ab und lässt kaum Wünsche offen.

Ob dieses Budget über die gesamte Laufzeit von aktuell geplanten 15 Folgen der ersten Staffel gehalten werden kann, bleibt hingegen genauso fraglich, wie die inhaltliche Ausrichtung der Serie. Es ist davon auszugehen, dass bei dieser Lauflänge, die eher konsekutiv angelegte Serie, wieder von so einigen Füllepisoden unterbrochen wird und sich damit die in Folge zwei bereits angekündigten Pacing Probleme noch verschärfen dürften. Trotz der aufgezeigten Schwächen ist «Superman & Lois» aktuell die The CW Serie mit dem größten Potenzial, da sie sich bisher zumindest teilweise von der generischen CW-Formel emanzipieren und eine noch unverbrauchte Geschichte erzählen kann.

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