Interview

Aylin Tezel: ‚Diese Form der Rezeption ist ein intensives Erlebnis‘

von   |  1 Kommentar

In der kommenden Woche strahlt ZDFneo innerhalb von zwei Tagen die gesamte «Unbroken»-Serie aus, gleichzeitig wandert das Format mit Aylin Tezel in der Hauptrolle in die Mediathek. Quotenmeter sprach mit der Schauspielerin über die neue Serie.

Sie durften schon in zahlreichen internationalen Produktionen mitwirken, waren an der Seite vieler Schauspieler und Schauspielerinnen zu sehen. Von welchem namhaften Star konnten Sie bislang am meisten lernen?
Man lernt tatsächlich bei jedem Dreh etwas Neues, übers Schauspiel, übers Filmemachen und über die Zusammenarbeit in verschiedenen Teams. Oft ist mir aufgefallen, dass die Kollegen, die ich auch als Zuschauerin sehr gerne spielen sehe, mit großem Commitment und viel Freude an ihre Arbeit gehen. Das empfinde ich als inspirierend.

Sie gehörten zum Ensemble des Films «7500», spielten also neben Joseph Gordon-Levitt. Haben Sie kulturelle Unterschiede der Produktionsarbeiten kennen gelernt?
Unser Film «7500» war zwar mit Joseph Gordon Levitt in der Hauptrolle international besetzt, wurde aber von der Kölner Produktionsfirma Augenschein produziert, und unser Dreh fand im Studio in Köln statt, daher haben wir mit einem größtenteils deutschen Team gearbeitet.

In der sechsteiligen Serie «Unbroken» verschwinden Sie als hochschwangere Kriminalkommissarin Alex zunächst spurlos. Dann tauchen Sie ohne Kind auf. Spannende Geschichte, waren Sie vom Plot sofort begeistert?
Die Figur der Alex hat mich sofort gepackt. Die Kraft, die Verzweiflung und der Kampfgeist dieser Frau geben ein hohes Tempo vor und sind die Energie, die sich durch alle sechs Folgen zieht. Für mich ist es endlich mal wieder eine spannende und komplexe Frauenfigur.

Die Prämisse ist ungewöhnlich: Wie fühlt es sich für Alex an, im neunten Monat schwanger zu sein, aber eigentlich nicht zu wissen, ob sie dieses Kind eigentlich will? Und was ist da passiert, als sie spurlos verschwindet und nach sechs Tagen wieder auftaucht - ohne das Baby im Bauch - und alles, was man weiß, ist: dieses Kind wurde geboren; aber man weiß nicht wo es ist und was Alex zugestoßen ist.

Wurde Ihnen vor den Dreharbeiten verraten, wie der Plot endet?
Es gibt Serien, vor allem im internationalen Bereich, wo die Autoren noch weiterschreiben während bereits gedreht wird. Oft entwickelt sich dort also die Geschichte parallel zum Dreh: die Erkenntnisse die man beim Dreh bezüglich der Storyline und der Figuren hat, können die Autoren in der Gestaltung des Inhalts beeinflussen. Oft wissen in so einem Fall die Schauspieler also gar nicht, wie es um das Schicksal ihrer zu spielenden Rollen aussieht und müssen (oder dürfen) sich überraschen lassen.

Bei uns war es anders. Ich habe schon ein paar Monate vor Drehbeginn alle sechs Folgen lesen dürfen, daher wusste ich immer welchen Weg die Geschichte nimmt. Das war in diesem Fall aber auch nicht anders möglich, denn wir haben nicht chronologisch gedreht. Es gab also meistens Drehtage, da habe ich aus drei, vier verschiedenen Folgen Szenen gespielt. Ich musste zu jedem Zeitpunkt genau wissen, in welcher emotionalen Situation meine Rolle sich gerade befindet.

Wie muss man sich die Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen vorstellen?
Eigentlich sind alle Prozesse wie immer, außer dass man als Schauspieler sehr regelmäßig, also zwei bis drei Mal pro Woche getestet wird, das komplette Team konstant Maske trägt und wo es geht Abstand hält und ansonsten natürlich alle gängigen Hygiene- Maßnahmen streng eingehalten werden. Auch wird versucht weitestgehend auf An- und Abreisen im Drehzeitraum zu verzichten.

ZDFneo strahlt die neue Serie am Dienstag, 23. Februar, aus. Am Mittwoch läuft der zweite Teil. Spielen beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch Einschaltquoten eine Rolle? Immerhin sind alle Folgen auch in der Mediathek zu sehen.
Am 23. Februar laufen die ersten drei Folgen am Stück und am 24. Februar Folge vier bis sechs. Gleichzeitig geht die komplette Serie online. Ich finde das einen sehr modernen Ansatz mit dem Sender versuchen, der inzwischen etablierten Gewohnheit eines Publikums entgegen zu kommen, welches jederzeit und im eigenen Rhythmus Serien konsumieren möchte. Es geht bei den meisten- vor allem jüngeren- Zuschauern nicht mehr darum, um eine bestimmte Uhrzeit vor dem Fernseher sitzen zu müssen. Zuschauer wollen heutzutage selbst entscheiden, wann sie welche Filme oder Serien schauen. So werden Miniserien oft komplett am Stück geschaut. Das ist eine neue Art des Schauens, man hat die Möglichkeit sich am Wochenende für fünf bis sechs Stunden komplett in die fiktive Welt einer Serie fallen zu lassen. Diese Form der Rezeption ist ein intensives Erlebnis. Daher freue ich mich, dass «Unbroken» sein Zuhause bei ZDFneo gefunden hat, denn dort ist die Streamingtradition absolut etabliert.

Die Drehbücher stammten von Marc O. Seng und Andreas Linke, die Regie übernahm Andreas Senn. Kann man die Zusammenarbeit als Dreamteam bezeichnen?
Marc O. Seng war mir durch seine Arbeit als Drehbuchautor bei «Dark» bekannt. Ich habe ihn und Andreas Linke sowie unseren Regisseur Andreas Senn zirka ein halbes Jahr vor Drehbeginn kennengelernt und wurde von allen dreien immer wieder in die Entwicklung der Figur Alex mit einbezogen. Für mich war es eine wunderbare Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Welche Projekte stehen als nächstes an?
Ich habe gerade den Kinofilm «Der Russe ist einer der Birken liebt» abgedreht, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Olga Grjasnowa. In diesem Film, den wir unter der Regie von Pola Beck in Deutschland und Israel gedreht haben, spiele ich die Hauptrolle Mascha in einer Geschichte über das Suchen und Finden von Heimat.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Sentinel2003
22.02.2021 14:50 Uhr 1
Schade, dass Sie im Dortmunder tatort ausgestiegen ist!

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