Die Kino-Kritiker

«Die fantastische Reise des Dr. Dolittle»: Was lange braucht, wird letztlich ... okay

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Robert Downey Jr. spielt in «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» den titelgebenden Tierarzt, der mit Tieren sprechen kann. Und das auf kauzige Weise.

Filmfacts «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle»

  • Regie: Stephen Gaghan
  • Produktion: Joe Roth, Jeff Kirschenbaum, Susan Downey
  • Drehbuch: Stephen Gaghan, Dan Gregor, Doug Mand
  • Story: Thomas Shepherd; basierend auf dem Kinderbuch von Hugh Lofting
  • Cast: Robert Downey Jr., Antonio Banderas, Michael Sheen, Harry Collett, Jim Broadbent, Jessie Buckley
  • Musik: Danny Elfman
  • Kamera: Guillermo Navarro
  • Schnitt: Craig Alpert, Nick Moore
  • Laufzeit: 102 Minuten
Was macht Robert Downey Jr. nach dem Ende der sogenannten Infinity-Saga des Marvel Cinematic Universe? Er lässt den ebenso sarkastischen wie genialen Tony Stark alias Iron Man hinter sich, und beginnt seine Post-Marvel-Ära mit der Hauptrolle in der Adaption eines Kinderbuchklassikers: In «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» spielt Downey Jr. den Tierarzt, dem die Pelz-, Feder- und Schuppenträger vertrauen – Dr. Dolittle, der die Fähigkeit hat, mit Tieren zu sprechen. Reibungslos lief Downeys Wechsel in seine neue Karrierephase allerdings nicht ab:

Das Budget des eh schon für eine Komödie über sprechende Tiere sehr kostspieligen Films schwoll nämlich noch einmal massiv an, als im Frühjahr 2019 beschlossen wurde, dem Film ausführliche Nachdrehs zu verpassen. Laut 'The Hollywood Reporter' waren Universal Pictures sowie die Produzenten Susan Downey, Joe Roth und Jeff Kirschenbaum unzufrieden damit, was «Syrania»-Regisseur Stephen Gaghan zuvor abgeliefert hat. Der Drama-Spezialist sei von seiner ersten komödiantischen Regiearbeit und seinem ersten Big-Buget-Projekt überfordert gewesen. Daher wurde «The LEGO Batman Movie»-Macher Chris McKay ins Boot geholt, um sich neues Material auszudenken, außerdem wurde rund ein Monat an Nachdrehs bewilligt, bei dem sich «Teenage Mutant Ninja Turtles»-Regisseur Jonathan Liebesman zu Gaghan gesellte, um einen neuen Tonfall zu ermöglichen und an die noch zu erledigende Effektarbeit zu denken.

Nun kommt «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» mit einem Budget von nunmehr 175 Millionen Dollar und als Produkt zweier Regisseure in die Kinos. Solch turbulente Produktionsgeschichten haben manche Filme gerettet (siehe etwa «Rogue One: A Star Wars Story» oder gar Klassiker wie «Der Zauberer von Oz»), andere Male dagegen sich anbahnende Katastrophen bloß noch weiter verschlimmbessert. «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» wiederum ist seine holpernde und polternde Produktionsgeschichte zwar anzumerken, dennoch ist diese Familien-Abenteuerkomödie (mit Schwerpunkt Kinderpublikum) schlussendlich viel harmloser, als dieses Vorwissen und die US-amerikanischen Verrisse vermuten lassen würden.

«Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» zeigt die Spuren seiner Entstehung unter anderem darin, dass in manchen Szenen der Titelheld nur mit dem Rücken im Bild zu sehen ist oder sein Gesicht verdeckt wird, was arg nach "Downey war kurz nicht verfügbar, aber man brauchte noch ein Anschlussbild" riecht. Oder, was noch schlimmer wäre: Downey war bei diesen Szenen am Set, aber Regieführung und Schnitt sind so holperig, dass das Endergebnis nach Notlösung aussieht. Außerdem sind Dolittles tierische Freunde zwar gemeinhin solide bis gut animiert und ebenso solide bis gut in die Szene integriert, doch ein Übermaß an Close-ups hält den Film davon ab, sich so groß anzufühlen wie es der erzählten, fantastischen Reise gebührt. Und in manchen Szenen stolpern unterdurchschnittlich Tiere außerhalb des Fokus eines Bildes durch bemühten Slapstick, so als seien sie Letzte-Minute-Einfälle, um die Gagfrequenz des Films zu pushen.

Darüber hinaus durchziehen diesen gemeinhin eher zeitlos gehaltenen, im viktorianischen Zeitalter spielenden Film sehr moderne, aber zugleich schon wieder veraltete Gags. Der stets fröstelnde Eisbär Yoshi labert Andere etwa dauernd als "Bro" an und nennt den Strauß Plimpton einen "Angry Bird". Und um kurz beim Negativen zu bleiben: Im Gegensatz zu den anderen Tieren sehen Großkatzen in «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» ziemlich scheußlich aus, manche Gags werden ein, zwei Beats zu lang bedient und die episodenhaft erzählte Geschichte mündet letztlich in ein lahmes, lustlos wirkendes Finale, das letztlich nur ein langer, langer Aufbau für eine sehr, sehr platte Pointe ist.

Aber: Das Kostüm- und Produktionsdesign des Films ist hübsch verspielt-verschnörkelt, Downey Jr. ist gefällig als kauziger, sich von Menschen abschottender Tierarzt (auch wenn die Performance nicht sehr originell ist: Man stelle sich Downeys Sherlock Holmes, gekreuzt mit Ace Ventura und Jack Sparrow vor), Michael Sheen hat wonnige Freude daran, einen schmierigen Schurken zu mimen und die Tiere verschießen viele gut sitzende Sprüche für Groß und Klein. Ein Running Gag über eine Ente, die Gemüse mit Werkzeug verwechselt, ist beispielsweise wahrlich keine intellektuelle Glanzleistung, aber in der Umsetzung in «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» charmant, unschuldig und mit gutem Timing versehen. Eine liebestolle, hibbelige Libelle ist das surrende, schwirrende Highlight des Mittelteils von «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle», und auch so manch gemeiner Dialogwitz mogelt sich in den Film, gerade so genug, um die sarkastische Ader des älteren Publikums zu bedienen, ohne unangebracht für die lieben Kleinen zu sein.

Selbst mit seinen knappen 100 Minuten ist «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» aufgrund des jegliche Luft aus der Nummer lassenden dritten Akts zwar noch immer eine Spur zu lang, aber Dr. Dolittles bunte, tierische Reise ist dank vieler kleiner Einfälle und des engagierten Downeys noch immer annehmbares Familienkino, das die Kleinen gezielt anspricht und die Erwachsenen nicht völlig ignoriert. Das ist kein großes Kompliment, aber angesichts dessen, wie viel Gift und Galle die US-Presse versprüht hat, ist «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» dennoch eine angenehme Überraschung.

Fazit: Hier und da holpert es und poltert es, was angesichts der schwierigen Produktionsgeschichte kein Wunder ist. So mancher Gag ist schon von Anfang an ausgereizt und ausgerechnet das große Finale ist der ärgste Schwachpunkt von «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle». Aber mit solidem Dialogwitz, verspieltem Produktionsdesign und einem einmal mehr charismatischen Robert Downey Jr. ist «Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» noch immer völlig akzeptabler Familienspaß, der mehr amüsiert als daneben haut.

«Die fantastische Reise des Dr. Dolittle» ist ab dem 30. Januar 2020 in vielen deutschen Kinos zu sehen.

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