Filme des Grauens

«I Know What You Did Last Summer»

von

Ein Kult-Slasher kehrt zurück, doch statt frischer Ideen gibt es vor allem Nostalgie und das Gefühl, dass diese Reihe eigentlich längst erledigt war.

Hollywood liebt es, alte Marken wiederzubeleben. Wenn es noch irgendwo eine bekannte Titelzeile gibt, wird sie ausgegraben, poliert und mit neuen Gesichtern versehen. «I Know What You Did Last Summer» aus dem Jahr 2025 ist ein Paradebeispiel dafür. Fast drei Jahrzehnte nach den Ereignissen der ersten Filme kehrt der Killer mit dem Haken zurück und bringt eine neue Generation junger, schöner Menschen in Gefahr. Das Problem: Der Film weiß selbst nicht so recht, warum er existiert.

Die Grundidee bleibt vertraut: Eine Gruppe junger Leute verursacht einen tödlichen Unfall und vertuscht ihn. Ein Jahr später beginnt jemand, sie dafür zu bestrafen. Diese simple Prämisse funktionierte bereits 1997, weil sie eine klare moralische Struktur hatte: Schuld, Verdrängung und Konsequenzen. Die neue Version übernimmt dieses Gerüst – fügt aber kaum etwas Eigenes hinzu.

Stattdessen setzt der Film stark auf Nostalgie. Mit Jennifer Love Hewitt und Freddie Prinze Jr. kehren zwei zentrale Figuren der Originalfilme zurück. Ihre Präsenz sorgt für kurze Momente von Gewicht und erinnert daran, warum die Reihe einst funktionierte. Doch gleichzeitig wird dadurch das Problem umso deutlicher: Die neuen Figuren können da nicht mithalten. Madelyn Cline und Chase Sui Wonders führen das Ensemble an, liefern solide, aber wenig erinnerungswürdige Leistungen. Ihre Figuren bleiben austauschbar – sie sind weniger Charaktere als funktionale Opfer im nächsten Kill-Zyklus. Man erfährt gerade genug über sie, um die Handlung voranzutreiben, aber zu wenig, um wirklich mitzufiebern.

Das ist besonders problematisch für einen Slasher. Denn das Genre lebt davon, dass man entweder Angst um die Figuren hat oder zumindest Spaß daran, ihnen beim Überleben zuzusehen. «I Know What You Did Last Summer» schafft beides nur bedingt. Die Mordsequenzen sind handwerklich okay, teilweise sogar unterhaltsam, doch ihnen fehlt die kreative Handschrift. Der Killer wirkt weniger bedrohlich als routiniert – wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Hinzu kommt ein Drehbuch, das sich selbst im Weg steht. Der Film versucht, moderne Elemente einzubauen – Social Media, True-Crime-Podcasts, politische Einflüsse. Doch diese Ansätze bleiben oberflächlich. Sie wirken wie Stichworte, die man abhakt, ohne sie wirklich zu durchdringen. Statt den Stoff ins Hier und Jetzt zu holen, entsteht ein merkwürdiger Hybrid: halb 90er-Nostalgie, halb Gegenwart, aber nie ganz stimmig. Auch die Struktur des Films ist unausgewogen. Die erste Hälfte setzt noch auf klassische Spannung, baut Bedrohung auf und spielt mit Erwartungen. Doch im weiteren Verlauf verliert sich der Film in Wendungen, die eher konstruiert als überraschend wirken. Gerade die Enthüllung der Täter wirkt weniger wie ein cleverer Twist, sondern eher wie ein Versuch, noch irgendwie Originalität zu simulieren.

Dabei hätte es durchaus Ansätze gegeben, die Geschichte neu zu denken. Die Idee, dass die Vergangenheit einer ganzen Stadt verdrängt wird, dass Schuld kollektiv verschleiert wird, ist interessant. Doch statt diese Ebene auszubauen, bleibt der Film bei individuellen Rachemotiven. Das ist einfacher – aber auch deutlich weniger spannend. Visuell ist der Film solide inszeniert. Die Küstenkulisse von North Carolina sorgt für stimmungsvolle Bilder, die nächtlichen Szenen haben eine gewisse Atmosphäre. Doch auch hier fehlt der letzte Schliff. Es gibt keine ikonischen Momente, keine Bilder, die sich einbrennen. Alles wirkt kompetent, aber austauschbar – wie so vieles in diesem Film.

Immerhin: An den Kinokassen funktionierte das Comeback halbwegs. Mit rund 65 Millionen Dollar weltweit spielte der Film sein Budget locker ein. Für das Studio dürfte das reichen, um über weitere Teile nachzudenken. Für das Publikum bleibt hingegen die Frage, ob es das wirklich braucht. Denn letztlich fühlt sich «I Know What You Did Last Summer» wie ein Film an, der aus Pflichtgefühl entstanden ist. Man kennt die Marke, man kennt die Formel – also setzt man sie noch einmal um. Doch ohne echte kreative Idee bleibt nur ein solides, aber belangloses Ergebnis. Vielleicht ist das das größte Problem dieses Sequels: Es ist nicht schlecht genug, um zu schockieren, und nicht gut genug, um zu überzeugen.

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