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«Ninja Warrior Germany»: Fluch und Segen des großen Show-Hypes

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Stark gestartet, grandios geendet: Nach der tollen und im Nachhinein viel zu kurz geratenen ersten Staffel sind die Erwartungen an die Show riesig - und auch die damit verbundene Fallhöhe. Kann Buschi nach dem durchwachsenen «The Wall» seine Stellung als neues großes Sendergesicht festigen oder droht dem Format eine ähnliche Enttäuschung wie zuletzt «500»?

Zahlen und Fakten zu «Ninja Warrior»

  • stammt ursprünglich aus Japan und heißt dort «Sasuke»
  • hat mittlerweile neben Deutschland auch die USA, Spanien, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, Schweden, die Türkei, China, Vietnam, Malaysia und Singapur erreicht
  • «NWG» steigerte sich im Vorjahr kontinuierlich von 2,20 auf 3,11 Mio. bzw. von 17,7% auf 22,9% der 14- bis 49-Jährigen
  • rund 13.000 Bewerbungen sind in diesem Jahr eingegangen - 2.000 Menschen wurden gecastet, 350 sind in der Show zu sehen
Blickt man auf die großen Show-Erfolge von RTL in den vergangenen Jahre, finden sich dort vor allem altbekannte Namen: Ob Dschungelcamp, «Das Supertalent», «Wer wird Millionär?», «Let's Dance» oder wie sie alle heißen, die Verhinderer eines noch größeren Quotencrashs für den merklich unter Druck geratenen Zielgruppen-Marktführer, sie alle einen latente Abnutzungserscheinungen auf sehr hohem Niveau. Angesichts dessen war die Freude in Köln riesig, als im Juli vergangenen Jahres «Ninja Warrior Germany» nicht bloß mit rund 20 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe einen echten Superhit markierte, sondern im Laufe der nur fünf Folgen umfassenden Staffel beinahe kontinuierlich zuzulegen wusste. Die am Samstag anlaufende zweite Staffel kommt mit neun Ausgaben entsprechend deutlich üppiger daher und soll sogar zeitweise den schwierigen Sonntagabend bestücken. Wenn der Plan aufgeht, hat der Sender nach Jahren endlich mal wieder einen potenziell nachhaltigen Superhit kreiert - ungefährlich ist das Kalkül jedoch keineswegs.


Die Chancen: Stärkere Personalisierung, direkte Publikumseinbindung


Von großen Neuerungen fernab des deutlich üppigeren Ausstrahlungsvolumens sieht RTL dabei weitgehend ab und rührt stattdessen eifrig die Werbetrommel, um möglichst große Vorfreude bei möglichst vielen Menschen aufkommen zu lassen. Neben Programmtrailern setzt man unter anderem auf eine umfangreiche Plakat-Kampagne, die vor allem an sportaffinen Orten wie Freibädern, Fitness-Studios oder Sportbars zu finden sind, während die mittlerweile immerhin deutlich mehr als 40.000 Fans zählende Facebook-Präsenz mit Hilfe kurzer Vorstellungsvideos die Athleten in den Fokus des Interesses rückt. Von Relevanz ist dieser personalisierte Teil der Werbebemühungen vor allem dahingehend, den Hype «Ninja Warrior» sukzessive auch auf die "Ninjas" selbst zu übertragen, was im Zuge der kurzen Ausprobierphase 2016 schlichtweg noch kaum zu leisten war - mittelfristig aber Kernbestandteil einer nachhaltigen Identifikation zwischen Zuschauer, Athlet und Format ist.

In eine ähnliche Richtung dürfte auch die frisch entwickelte App zur Show zeigen, mit deren Hilfe der Zuschauer selbst zum Ninja Warriror werden soll und nicht nur insgesamt vier Hindernisse des Original-Parcours bewältigen darf, sondern auch in einer virtuellen Videolounge die Highlights der jüngsten Sendung mitsamt exklusiver 360-Grad-Videos der jeweiligen Durchläufe zu Gemüte führen kann. Die App steht ab Samstag im Apple App Store, im Google Play Store sowie im Oculus Store zum Download bereit. Nicht mehr als ein nettes Gimmick, das aber verdeutlicht, welch Potenzial mittlerweile in dieser Marke und ihrer Strahlkraft über die TV-Berieselung hinaus gesehen wird.

Überdies dürften sich alle Beteiligten sehr gefreut haben, dass unter den 350 Teilnehmern dieses Jahres auch immerhin 38 Wiederholungstäter zu finden sind, allen voran natürlich der "Last Man Standing" Oliver Edelmann. Für ihn geht es übrigens nicht nur um die Titelverteidigung, sondern auch darum, den eigentlichen Endgegner im «Ninja Warrior»-Franchise zu bezwingen: den Mount Midoriyama, der in den extremsportbekloppten USA erst nach sieben Jahren erstmals gezähmt werden konnte. Potenzial für ganz neue Erfolgsgeschichten, die sieben Vorrunden, ein Halbfinale sowie ein letztlich 28 Top-Athleten umfassendes Finale zu tragen imstande sind, ist also zweifellos vorhanden - in den Vereinigten Staaten etwa läuft die Sendung seit Jahren mit mindestens zwölf Ausgaben pro Staffel, ist dort allerdings auch weitaus stärker auf regionale Wettkämpfe mit mehr Sportlern ausgerichtet als bei uns.


Leichter Druck für Buschi, stärkerer für RTL


Profitiert Nitro abermals vom Hype?

Schon vor der deutschen Version brachte Nitro 2016 das US-Pendant auf die Mattscheibe - fuhr damit allerdings erst im Juli wirklich erfolgreich, als auch RTL auf das Franchise setzte. Diesmal zeigt der Spartensender das noch junge US-Spinoff «Team Ninja Warrior» und könnte damit einen echten Hit hinlegen, immerhin lagen schon «American Ninja Warrior»-Folgen ganz ohne Schützenhilfe zuletzt immer öfter oberhalb der Norm (mehr dazu in unserem heutigen Quotencheck).
Gleichwohl müssen sich alle Beteiligten auch des Umstands bewusst sein, dass in der Medienbranche nicht weniger als ein Riesenerfolg erwartet wird. Die damit verbundenen Gefahren lauern gleich an zwei Stellen: Einerseits geht es in diesen Wochen darum, den streitbaren Frank Buschmann nach seinem ersten Sommerflirt im vergangenen Jahr als neues, charismatisches Sendergesicht aufzubauen, dem man die ganz große Showbühne ohne weitere Bedenken überlassen kann. Dazu hat «The Wall» zuletzt nur bedingt beitragen können. Inhaltlich, weil Buschi selbst zwar überzeugte, dabei aber mitunter eher Kandidaten-Karikaturen mit zum Teil wenig authentisch wirkenden, pathosüberladenen Schwulstdialogen zum großen Geldgewinn brüllen musste. Aus Sicht der Einschaltquoten, weil die Gesamtbilanz zwar stimmte, die Formkurve jedoch deutlich nach unten zeigte und vor allem das ältere Publikum kaum Gefallen an der Drama-Wand fand.

Darüber hinaus ist es aber auch an Buschmann, das RTL-Narrativ von den erfolgreichen Sommer-Shows zu retten. Günther Jauchs «500 - Die Quiz-Arena» vermochte dies nämlich zuletzt nicht mehr und wird seine zweite Staffel aller Voraussicht nach mit einem Verlust von rund einer Million Zuschauer sowie enttäuschenden etwa elf Prozent Zielgruppen-Marktanteil beenden. Einmal große Enttäuschung mit Jauch, einmal viel Pro und viel Contra mit Buschi heißt: RTL braucht noch seinen fußnotenlosen Sommer-Erfolg und für den soll nun eben wieder «Ninja Warrior» garantieren. Auch für das Gespann Buschmann und Jan Köppen wäre das sehr zum Vorteil, immerhin sollen die beiden ja schon bald in einer Art Duell um die Welt gegeneinander antreten. Heißt «Buschi vs. Köppen», liest sich aber halt in der Programmankündigung erst einmal stark wie ein Abklatsch des ProSieben-Quotenhits, was natürlich auch den kritischen Buschi-Fans nicht verborgen blieb.


Der Ninja kämpft - bald auch sonntags


Ob diese Quervergleiche zu «The Wall» und «500» allerdings so sinnig und stimmig sind, darf durchaus in Frage gestellt werden, schließlich bedient «Ninja Warrior Germany» als Action-Sportshow ein komplett anderes Genre und hat dieses gewissermaßen (wieder) salonfähig gemacht. Diese Einmaligkeit geht insbesondere Jauchs «Quiz-Arena» weitgehend ab, während Buschis zweiter großer Primetime-Show durchaus ein gewisses Potenzial zu bescheinigen war, einen weiteren Trend oder zumindest eine große Duftmarke zu setzen - das jedoch wurde in einigen Punkten nicht genutzt. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen von Norddeich TV nicht ganz so hart an der Drama-Schraube drehen wollen wie ihre Kollegen von Endemol Shine Germany und ihre Kandidaten ebenso "leben" lassen wie es im Vorjahr der Fall war.

Dass sich die Verantwortlichen bei der übrigens schon im Juni durchgeführten Sammlung des neuen Sendematerials an allzu viele Experimente herangewagt haben, erscheint jedoch angesichts der kaum beworbenen konzeptionellen Veränderungen eher als unwahrscheinlich - das Mehr der Fans wird sagen: zum Glück. Da sich innerhalb des ersten Durchgangs nicht einmal der Hauch einer Abnutzungserscheinung erkennen ließ, dürfte «Ninja Warrior Germany» also im Normalfall auch neun Ausgaben problemlos tragen können. Vielleicht sogar den Sonntagabend, an dem RTL bislang mit Shows quasi durchweg glücklos agiert hatte, ab dem 10. September aber unter Beweis stellen will, dass es bei den Kölnern auch an diesem Abend keinen Versagensautomatismus gibt. Man wüsste aktuell nicht mehr allzu viele Sendungen jüngeren Semesters, denen man Punktgewinne gegen den «Tatort» eher zutrauen würde als dieser.

RTL zeigt neun Folgen von «Ninja Warrior Germany» ab sofort zunächst immer samstags und ab dem 10. September schließlich sonntags um 20:15 Uhr.

Eure Prognose: Wie wird sich die zweite «Ninja Warrior Germany»-Staffel schlagen?
Herausragend, sie wird noch besser laufen als die erste.
24,9%
Auf ähnlich starkem Niveau wie die erste.
38,9%
Anfangs richtig gut, hinten raus könnte es aber schwierig werden.
20,0%
Ich glaube, der Hype ist schon vorbei. Wird eine Enttäuschung.
16,2%

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