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«Moni’s Grill»: Starker Talk trifft auf schwache Serie

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Mit «Moni’s Grill» versucht sich der BR an der Vermischung von Talk und Comedyserie. Monika Gruber zeigt sich in den Gesprächen von ihrer besten Seite, doch leider ist der fiktionale Teil der Sendung zu schwach.

Gäste in «Moni's Grill»

  1. Hella von Sinnen
  2. Sonya Kraus
  3. Georg Hackl und Felix Loch
  4. Fritz und Elmar Wepper
  5. Wigald Boning
  6. Regina Halmich
  7. Harry G.
«München 7»-Erfinder Franz Xaver Bogner wollte mal was ganz Neues versuchen: die Hybridisierung zweier erfolgreicher TV-Genres, die Comedyserie und der Talk. Beides zusammen mündet in «Moni’s Grill», einer Produktion des Bayerischen Rundfunks. Im Herzen von München betreiben Moni (Monika Gruber) und Toni Schweiger (Christine Neubauer) gemeinsam mit ihrer Mutter (Sarah Camp) eine Gastwirtschaft, in der regelmäßig prominente Bekannte zum Essen vorbeischauen. Moni, die mit den Berühmtheiten per Du ist, setzt sich gemeinsam mit den Gästen an den Tisch und sie plaudern über alles Mögliche. Diese Talks sind nicht gestellt, sondern ergaben sich beim Dreh aus der Situation heraus. Der Rest der Serie folgt klassisch einem Drehbuch.

Kein klassischer Talk


Das mittlerweile etwas überstrapazierte Prinzip hinter Talkshows in eine fiktionalisierte Umgebung hineinzuversetzen, eine wirklich gute Idee. So sind die Gespräche, die Monika Gruber mit den prominenten Gästen führt, zwar nicht mit bahnbrechend neuen Erkenntnissen gefüllt, jedoch ziemlich unterhaltsam. In der ersten Sendung sprechen die bayerische Komikerin und Hella von Sinnen über alle möglichen Themen – von Freundschaften im Showbusiness über Homosexualität bis hin zu aktueller Politik.

Dabei entsteht keine klassische Interview-Situation, sondern ein sich ergänzendes Gespräch, in dem die Gäste viel von alleine plaudern (wobei Hella von Sinnen diesbezüglich ein sehr dankbarer Gast ist). Die Gruberin erzählt auch einiges aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz, bekommt selbst Fragen gestellt und lässt ihren typischen Humor in das Gespräch einfließen. Für diese Art von Talk ist Monika Gruber mehr als geeignet.

Das Problem: Die Serie


Doch leider endet der hybride Charakter von «Moni’s Grill» nicht bei einer fiktionalisierten Atmosphäre, sondern geht noch einen Schritt weiter. Ein Drittel der jeweils 30-minütigen Folgen folgt einem Comedy-Drehbuch, in dem dann auch Christine Neubauer und Sarah Camp eine wichtigere Rolle spielen. Für Franz Xaver Bogner stand die Konstellation aus diesen drei Schauspielerinnen bereits vor der Idee fest. „Ich wollte eine Serie nur für Monika Gruber, Christine Neubauer und Sarah Camp machen, weil die drei so gut harmonieren und sich ergänzen. […] Und weil ich die Drei ja sehr gut kenne, kann ich für sie – wie man so schön sagt – ‚auf’s Maul schreiben‘.“

Doch auch wenn Gruber, Neubauer und Camp eine gute Performance abliefern, so kann die auf zehn Minuten angelegte Handlung kein befriedigendes Ergebnis liefern. Dabei hat der fiktionale Teil der Serie gleich zwei Probleme. Auf der einen Seite sind die kleinen Geschichten entsprechend der verfügbaren Zeit zu oberflächlich. Darüber hinaus bekommen die Storys in den ersten beiden Folgen, die dieser Kritik zugrunde liegen, ziemlich abstruse Auflösungen verpasst. Wenngleich die vorhersehbaren Geschichten ab und an durchaus einen kleinen Lacher wert sind, so ist der Humor in «Moni’s Grill» weitestgehend seicht – leider passen manche Gags nicht mal in die Situation und werden nur um ihrer selbst willen gemacht.

Marginalisierte Promis


Zu jeder Folge gibt es ein Drehbuch, in das ich Auslassungen für den Talk eingebaut habe, wobei das Verhältnis von Talk und Handlung immer zwei zu eins ist. Das Thema der Folge spiegelt sich dabei nicht zwingend im Gespräch wider. Die Talk-Themen waren eher frei, nur manchmal gab es eine kleine Führung meinerseits.
Franz Xaver Bogner
Auf der anderen Seite nimmt der fiktionale Anteil der Serie angesichts der guten Gespräche mit den Prominenten einen deutlich zu großen Teil ein. Die letzten zehn Minuten der ersten Folge verbringt Hella von Sinnen nur noch damit, dem Adoptivsohn von Moni bei seinen Hausaufgaben zu helfen. Noch auffälliger ist das Problem in der zweiten Episode: das Gespräch mit Sonya Kraus wird in dieser Folge durch die Handlung beinahe marginalisiert und ständig im Fluss unterbrochen.

So muss man «Moni’s Grill» letztlich eine hybride Kritik ausstellen. Die Gespräche sind dank einer gut aufgelegten, sympathischen und offenen Monika Gruber wirklich unterhaltsam, während der fiktionale Teil trotz einer guten Leistung aller drei Hauptdarstellerinnen nicht überzeugen kann. Die Einbettung eines Talks mit einem realen Prominenten in eine erfundene Welt ist gut umgesetzt, leidet aber unter der dürftigen Comedyserie. «Moni’s Grill» hat uns gezeigt, dass ein Hybrid aus beiden Genres durchaus möglich ist, jedoch nur in den Gesprächssituationen zwischen den Gästen und Moni Schweiger.

«Moni’s Grill» läuft ab dem 22. September donnerstags um 23:30 Uhr im Ersten und freitags um 19.30 Uhr im BR. Vorab sind alle Folgen in der ARD-Mediathek abrufbar.

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