US-Check

John Oliver erwischt trotz Kritik einen guten Start

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HBOs etwas andere Late Night-Show mit John Oliver schlägt sich in ihrer Anfangszeit wacker, jedoch muss sich das Format inhaltlich individueller präsentieren.

Die bekanntesten Late Night-Shows in den USA

  • Jimmy Kimmel Live! (ABC)
  • Late Show with David Letterman (CBS)
  • The Tonight Show Starring Jimmy Fallon (NBC)
  • Saturday Night Live (NBC)
  • Conan (TBS)
  • The Daily Show with Jon Stewart (Comedy Central)
  • The Colbert Report (Comedy Central)
  • Nightline (ABC)
USA – Late Night-Land. Die Late Night-Shows machen einen großen Teil der US-amerikanischen Fernsehkultur aus und sorgen für ständigen Gesprächsstoff. Aus ihnen gingen Charaktere wie Jay Leno, Jimmy Fallon und David Letterman hervor, die heute in den USA zu den Top-Stars zählen. Während Jimmy Fallon als neuer «Tonight Show»-Host derzeit am erfolgreichsten ist und sich Veteran David Letterman noch bis 2015 auf Abschiedstournee befindet, lief im Kabelfernsehen bei HBO gerade ein kleines anarchisches Gegenstück zu den Network-Shows an. Nur einmal in der Woche präsentiert John Oliver «Last Week Tonight» und lässt dabei die Woche Revue passieren. Der kauzige Oliver zeichnet sich im Vergleich zu seinen Network-Pendants dabei mit außerordentlich viel intellektuellem Witz aus. Eine erfrischende Abwechslung also? Ja, wäre da nicht Comedy Centrals «Daily Show», die mit nahezu dem gleichen News-Satire und Comedy-Konzept entwickelt wird.

Die Vermutung, dass HBO zu einem gewissen Teil bei Comedy Central abgeschrieben hat, wird mit dem Umstand, dass John Oliver selbst seit 2007 für die «Daily Show» schrieb, nur noch verstärkt. Kritische Beobachter fürchten daher, dass «Last Week Tonight» nicht mehr als ein lauer Aufguss der Comedy Centra-Show bleiben wird – nur einmal in der Woche anstatt „daily“. So begab es sich, dass «Last Week Tonight» aufgrund der Parallelen zur News-Satire mit John Stewart von Publikationen wie der „Washington Post“, der „Time“ und „Entertainment Weekly“ eine Breitseite bekam. Dennoch verwundern die Ähnlichkeiten nicht, schließlich macht John Oliver das am liebsten, was er gewohnt ist und wie er angibt, räumt HBO ihm volle kreative Freiheit ein. HBO zeigt sich inhaltlich zufrieden, sollte die Show ins Rollen kommen zieht HBOs Programmchef Michael Lombardo sogar in Erwägung «Last Week Tonight with John Oliver» auf eine Stunde statt eine halbe Stunde zu verlängern und das Format mehrmals die Woche auszustrahlen.

Jeweils sonntags ab 23 Uhr nimmt HBO die Ausstrahlungen der Show um den Schauspieler und Autoren vor, der jüngst erst in der NBC-Sitcom «Community» in Erscheinung trat. Zur Premiere am 27. April 2014 lud sich John Oliver Keith B. Alexander, den ehemaligen Direktor der NSA, ein und diskutierte aktuelle Themen wie die Parlamentswahl in Indien. Zu dieser Zeit durfte sich «Last Week Tonight» noch über ein starkes Vorprogramm freuen. Immer nachdem «Game of Thrones» in seiner vierten Season Zuschauerrekord um Zuschauerrekord einfuhr, blieben auch etliche Zuschauer bei «Silicon Valley» und «Veep» dran, ehe John Olivers neue Sendung an den Start ging. 1,11 Millionen Zuschauer sahen dadurch sein Debüt – ein toller Wert für eine relativ spät beginnende Show. Durch Online-Abrufe stiegen die Zuschauerzahlen sogar auf mehrere Millionen Interessierte an. Zur gleichen Uhrzeit wie «Modern Family» im USA Network oder «The Last Ship» bei TNT schlug sich «Last Week Tonight» also wacker.

In der zweiten Ausgabe am 4. Mai beschäftigte sich John Oliver mit der Coca Cola Company und der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten und erreichte dadurch die bis jetzt höchste Zuschauerzahl im Zuge seines Formats, als sich 1,19 Millionen Menschen für HBO entschieden. Mit dem Wissenschaftler und langjährigen Fernsehhost Bill Nye als Gast knackte John Oliver auch am 11. Mai die Eine-Million-Marke. Diese Hürde nahm er bis heute am 18. Mai ein letztes Mal, als der Journalist Fareed Zakaria in der Late-Night-Show gastierte. Die fünfte Episode lockte noch 0,99 Millionen Zuschauer an, eine Woche später standen noch 0,95 Millionen Interessierte zu Buche, als die Band Right Said Fred das Late Night-Format besuchte. Immerhin gelangte die Folge, in der John Oliver das zweifelhafte Vorgehen der FIFA aufdeckte, im Internet zu Ruhm.

Zur Person

  • Geburt: 23. April 1977 (Alter 37) in Birmingham, England
  • Gewann 3 Primetime-Emmys als Mitglied von «The Daily Show» in den Jahren 2009, 2011 und 2012 für "Outstanding Writing for a Variety, Music oder Comedy Series"
  • Schauspieler/Synchronisationstätigkeiten: «Der Love-Guru», «Community» & «Die Schlümpfe»
  • Autorentätigkeiten: «The Daily Show» - 962 Episoden (2007 bis 2013), «John Oliver: Terrifying Times» und «Decline of the American Empire»
Zwar stieg der Bekanntheitsgrad der Gäste, das Zuschauerinteresse nahm allerdings kontinuierlich weiter ab. Der Wissenschaftler Stephen Hawking beehrte John Oliver am 15. Juni, als der Late Night-Host auch Themen wie die Immigrations-Reform in den USA diskutierte. Dennoch sanken die Zuschauerzahlen um knapp 50.000 Zuseher auf 0,905 Millionen Menschen herab. Schauspieler Steve Buscemi («Boardwalk Empire») unterhielt sich am 22. Juni mit John Oliver, wieder gab das Format ab – dieses Mal auf 0,89 Millionen Zuschauer. Damit verlor «Last Week Tonight» zwar weiter, dafür scheint das Format nun mittlerweile auf eigenen Beinen zu stehen, denn das quotenstarke «Game of Thrones» endete in der Vorwoche und holte dadurch ab diesem Sonntag nicht mehr die Zuschauermassen zum Kabelgiganten HBO. Nach einem ausgezeichneten Start geriet «Last Week Tonight» in den vergangenen Wochen also immer mehr ins Wanken, auch wenn sich die Zuschauerzahlen immer noch in einem zufriedenstellenden Bereich bewegen. Nach der Kritik von vielen Seiten muss das Format vor allem zusehen, dass es inhaltlich einzigartiger wirkt und nicht wie eine Kopie der «Daily Show with Jon Stewart».

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