Hingeschaut

«Back to School»: Im Hauptfach durchgefallen

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Während Moderator Gottschalk, Kandidat Schweighöfer und James Blunts Talent für deutsche Texte durchaus überzeugten, entpuppte sich die Umsetzung des interessanten Konzepts als spannungsbefreite Einschlafhilfe.

Glaubt man den zahlreichen Kritiken, die nach Aufzeichnung von «Back to School» auf Ticketportalen veröffentlicht wurden, werden sich viele der Zuschauer aus dem Studiopublikum noch sehr, sehr lange an ihren Besuch beim Fernsehen erinnern. Nicht, weil ihnen eine besonders denkwürdige Unterhaltungssendungen geboten worden wäre – ursächlich waren eher die rund vier Stunden Wartezeit in klirrender Kälte und dem an Sitzgelegenheiten armen Eingangsbereich, die demnach vor dem Start der Aufnahmen angefallen waren. Dass die Produktionsfirma ihr Publikum beinahe den winterlichen Temperaturen geopfert haben soll, war in der Fernsehausstrahlung dann nicht zu spüren – vielleicht haben die Zuschauer aber auch nur versucht, sich warmzuklatschen.

Dabei ist die Grundidee von «Back to School» durchaus ansprechend: Zwei Prominente Kandidaten treten in verschiedenen Schulfächern gegeneinander an und werden dabei jeweils von früheren Mitschülern unterstützt, die sie sich, je nach Einschätzung der jeweiligen Kompetenzen, aus dem Pulk ihrer alten Klasse aussuchen dürfen. In der ersten Folge trafen die Schauspieler Matthias Schweighöfer und Tom Beck aufeinander, letzterer bekannt aus «Alarm für Cobra 11». Der „Actiondarsteller“ blieb in der anspruchslosen Unterhaltungssendung etwas blass, Schweighöfer hingegen drehte auf, als stände er Mitten im Set seines nächsten Films. Das wiederum dürfte Zuschauern, die deutschsprachige Komödien gemeinhin meiden, eher negativ aufgefallen sein – Schweighöfer-Fans kamen in jedem Falle auf ihre Kosten. Selbiges galt für die angenehme Moderation von Thomas Gottschalk, der auf seine alten Tage keine Ambitionen zeigte, seinen gewohnten Stil noch einmal zu ändern.

Für «Back to School» war das auch nicht notwendig: Ihm boten sich im Fernsehstudio ein ihm zu Füßen liegendes Publikum, eine breite Couchgarnitur, der ein oder andere namhafte Prominente, musikalische Darbietungen und reich dekorierte Spiele – im weitesten Sinne ein «Wetten, dass..?» im kleinen Maßstab, das Gottschalk routiniert zu steuern wusste. Überraschend amüsant gestaltete sich der Auftritt von James Blunt, der nicht nur eine Live-Performance aus seinem jüngsten Album zum Besten gab, sondern sich obendrein in einem der Duelle wiederfand – er las die deutsche Übersetzung englischsprachiger Songtexte vor, die Schweighöfer und Beck anschließend identifizieren mussten. Das erinnerte sehr an vergangene Zeiten, als sich die ein oder andere internationale Persönlichkeit hinreißen ließ, dem Moderator der „erfolgreichsten Show Europas“ die Bitte nach einer peinlichen Einlage zu erfüllen.

Dennoch: Trotz einer guten Idee, engagierter Kandidaten, eines ordentlichen Moderators und ansehnlicher Prominenz erging es dem Format schließlich ähnlich wie einer Hollywoodproduktion, die eine fantastische Darstellerriege aufweist – und am lahmen Drehbuch scheitert. Das Potential des Konzepts wurde in keiner Weise ausgeschöpft, stattdessen verließen sich die Verantwortlichen viel zu sehr auf die Zugkraft ihres Personals vor der Kamera. So sehr manch einen Zuschauer Gottschalk, Schweighöfer & Co. unterhalten haben mögen, fehlte es den „Blödeleien“ fast über die vollen zwei Stunden der Sendung am spannenden Kontext.

Das wurde besonders mit Blick auf die unkreative Einbindung der jeweiligen Schulklassen deutlich. Die Kandidaten pickten sich, je nach Spiel, ein bis zwei Helfer aus den Reihen ihrer ehemaligen Mitschüler und besetzten sie beim entsprechenden Spiel als dekorative, aber weitestgehend inaktive Statisten. Entsprechend wurden die einzelnen „Fächer“ von Geschichte über Englisch bis Musik eher träge abgearbeitet. Hätte RTL die Chance genutzt, beide Klassen in voller Mannschaftsstärke in einem Duell antreten zu lassen, wäre weitaus mehr Dynamik und Spannung zu erwarten gewesen. Stattdessen gestalteten sich die Aufgaben als „Stillstehen und Antworten“.

Die Umsetzung der einzelnen Fächer in fernsehtaugliche Spiele offenbarte die schiere Panik der Programmverantwortlichen, die Zuschauer tatsächlich klüger aus der Sendung zu verabschieden als man sie begrüßt hatte. Sicherlich darf man von RTL kein Bildungsfernsehen erwarten; wer aber im Fach „Geschichte“ nach «Baywatch» und Viagra fragt, muss auch in der Umsetzung auf vermeintliche Spießigkeiten verzichten, damit das Konzept aufgeht. So bleibt am Ende nicht viel mehr, als ein mäßig unterhaltsames Quiz, das so oder so ähnlich auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt werden könnte, abzüglich einiger Peniswitze, besetzt mit Rosi Mittermaier und einem ehemaligen Nachrichtensprecher – und ohne Thomas Gottschalk.

Es bleibt abzuwarten, ob «Back to School» im Verlauf weiterer Ausstrahlungen an Unterhaltungswert zulegen kann oder sich der Fernsehende in der Not darauf verlassen muss, dass wenigstens die Kandidaten durch Kreativität bestechen.

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