Die Kritiker

«Die Vermittler»

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Das ZDF zeigt in der Dokumentation «Die Vermittler» den Berufsalltag von Arbeitsvermittlern in Berlin.

Die ZDF-Dokumentation «Die Vermittler» zeigt den Alltag von drei Berliner Arbeitsvermittlern. In ihrem Beruf versuchen sie nicht nur, Arbeitssuchende an neue Stellen zu vermitteln, sondern fungieren somit zugleich als persönliche Ansprechpartner von Menschen, die sich ohne Unterstützung nicht auf dem Arbeitsmarkt behaupten können – oder wollen. Sie managen Notsituationen, müssen in Existenzkrisen eine helfende Hand reichen und dienen für viele Arbeitslose als Trostspender. Doch sie sind nicht nur Seelsorger, sondern verfügen auch, wie sie selbst sagen, über eine Machtposition, da sie ebenfalls Sanktionen verhängen.

Einer der Hauptakteure in «Die Vermittler» ist der 32-jährige David Fardi, der im Job-Center Neukölln arbeitet und dessen unverbesserlicher Optimismus regelmäßig durch unmotivierbare Problemfälle herausgefordert wird. Der in Marzahn-Hellersdorf tätige, 33-jährige Ingo Trippel wiederum ist gesondert für Arbeitssuchende zuständig, bei denen „multiple Vermittlungshemmnisse“ festgestellt wurden, wie etwa Drogen- oder Alkoholprobleme und psychische Erkrankungen. Seine Aufgabe ist es, diese Schwervermittelbaren für die Arbeitsvermittlung fit zu machen. Die 49-Jährige Leistungsteam-Fachassistentin Ines Fricke wiederum ist für die Bewilligung von Hart-IV-Bescheiden zuständig. Sie berechnet, welcher Zahlungsumfang den Kunden zusteht und nimmt außerdem Beschwerden sowie Anforderungen für dringliche Sonderzahlungen entgegen.

Regisseurin Astrid Schult gibt den Kundengesprächen den meisten Raum in ihrer siebzigminütigen Dokumentation. Die weitestgehend unkommentierten Dialoge zwischen den Vermittlern und Arbeitssuchenden bieten dem Zuschauer einen unvermittelten Einblick in die alltägliche Arbeit derjenigen, die in Deutschlands Job-Center dafür sorgen, dass Erwerbslosen geholfen wird. Mittelfristig ist die Eigendynamik dieser Gespräche selbsterklärend, etwa, wenn die Selbstinitiative der Arbeitsvermittler bemerkbar und somit die menschliche Seite der Beamten spürbar wird. Ebenso bemüht sich der Dokumentarfilm um ein breit gefächertes Bild an Hilfesuchenden, so dass mit unberechtigten Vorurteilen aufgeräumt wird. Eine der im Film gezeigten Erwerbslosen ist eine Frau mit abgeschlossenem Studium, die dennoch von der Hilfe des Staats abhängig wird, da sie sich bei der Jobsuche nicht ohne Unterstützung der Arbeitsvermittler bestimmt genug durchsetzen kann. Dass dies ohne erklärenden Kommentar erfolgt, spricht für die Regisseurin und ihr Bild dessen, wie aufnahmefähig ihr Publikum ist.

Dennoch wirkt «Die Vermittler» langfristig betrachtet sehr karg, da durch das gebotene Minimum an zusätzlichen Interviews keine übergreifenden Schlüsse gezogen werden. Zwar fängt der Film recht authentisch den Arbeitsvorgang in Job-Centern ein, allerdings wären einordnende Erklärungen sehr hilfreich, um das Wie und Warum zu erläutern. Die Gespräche werden ohne größeren Kontext aneinander geschnitten, so dass sich für den Zuschauer der Erkenntnisgewinn letztlich in sehr überschaubaren Grenzen hält.

Das ZDF zeigt «Die Vermittler» in der Nacht vom Montag, dem 14. Mai 2012, auf Dienstag, den 15. Mai 2012 um 0.25 Uhr. Eine Wiederholung folgt am 1. Juni 2012 um 20.15 Uhr bei ZDFkultur.

Kurz-URL: qmde.de/56711
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