Serientäter

«Paradise»: Another Day, aber kein Fortschritt

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Was als faszinierendes Serienkonzept begann, verliert in Staffel zwei spürbar an Fokus: «Paradise» verzettelt sich in Rückblenden, Nebenplots und zu vielen offenen Fragen.

Dan Fogelman erschuf mit «Paradise» eine fantastische Serie – und droht sie mit Staffel zwei gerade selbst zu verspielen. Die Prämisse der ersten Folge war klar: Der US-Präsident Cal Bradford (James Marsden) wird umgebracht, und der Secret-Service-Chef Xavier Collins (Sterling K. Brown) findet den Verstorbenen. Am Ende der ersten Episode wird klar, dass wir uns nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika befinden, sondern in einer Parallelgesellschaft, die in einem vermeintlichen Paradies lebt. Es machte in der ersten Staffel durchaus viel Spaß, diese neue Welt zu erkunden. Allerdings war das Rätsel um den Mord eher unterdurchschnittlich. Am Ende entpuppte sich ein ehemaliger Projektmanager als Täter, der die Identität des Bibliothekars von Liberty Grove angenommen hatte. Inzwischen war die Storyline, ob er außerhalb der Kuppel weiterleben kann, deutlich spannender.

13 Monate nach der ersten Staffel begann Hulu mit der Veröffentlichung der zweiten Staffel. Zum Start wurden gleich drei der acht Episoden veröffentlicht. Allerdings war es nicht so, dass die Zuschauer dadurch mehr Informationen bekamen – stattdessen machten Dan Fogelman und Eric Wen gleich mehrere neue Baustellen auf. Die Geschichte beginnt mit der Waise und Medizin-Studienabbrecherin Annie Clay (XXX), die drei Jahre in Graceland überlebt. In dieser Episode wird auch die Veränderung der Umwelt gezeigt: 23 Monate mussten die Menschen auf Sonnenlicht warten, eine Gruppe von Überlebenden sammelte Autoteile und stellte Atomkraftwerke ab. In Graceland trifft sie auf Link (XXX), einen Studienabbrecher, in den sie sich verliebt.

In der zweiten Folge lässt Fogelman Jason Wilborn weit zurückblicken: 2004 verletzte sich Collins bei der Ausbildungsakademie des Secret Service am Knie und lernte dort Teri (Enuka Okuma) im Krankenhaus kennen. In der Gegenwart stürzt Collins während eines Hagelsturms und kugelt sich die Kniescheibe aus. Eine Gruppe von Kindern rettet ihn, ehe später Annie auf ihn trifft. Der frühere Schauspieler Scott Weiniger schrieb das Drehbuch für „Another Day in Paradise“, eine Episode, die erneut ausschließlich im Bunker spielt.

Dort inszeniert Ken Olin eine Folge, die bereits das Finale vorbereitet. Schließlich wird ein Teil der Energie von Paradise für ein Nebenprojekt genutzt. Doch dafür muss Sinatra Redmond dafür sorgen, dass Quantenwissenschaftler Henry Miller (Patrick Fischler) seine Erfindung an sie verkauft. Da er dies nicht freiwillig tut, wird ein Mittelsmann engagiert, der den Verkauf durch eine Hinrichtung erzwingt. Sinatra wird unter Hausarrest gestellt, danach wird der Übergangspräsident Henry Baines (Matt Malloy) beim Joggen von Jane Driscoll (Nicole Brydon Bloom) ermordet. Erst im Februar geht es mit einer neuen Folge weiter, in der Nicole Robinson (Krys Marshall) ins Gefängnis gesteckt wird und die Schuld am Tod von Baines übernehmen muss.

Grundsätzlich ist die Prämisse, wie sich die Überlebenden formieren und nach Colorado aufbrechen, durchaus spannend. Doch es stellt sich die Frage, warum die Menschen nicht auch ein neues Parlament gründen. Zahlreiche weitere Fragen bleiben unbeantwortet: Wie sieht es in anderen Ländern aus? Sitzen diese ebenfalls in einer digitallosen Welt in Bunkern und versuchen zu überleben?

Gleichzeitig wird unfassbar viel Zeit für Rückblenden verschwendet. Was bei «This Is Us» funktionierte, wirkt bei «Paradise» wie ein Fremdkörper. Statt die Handlung voranzutreiben, tritt die Serie auf der Stelle. Die acht Episoden erzählen letztlich erschreckend wenig – verlieren sich aber in Nebengeschichten, die kaum Relevanz haben. Vor allem die Episoden „The Mailman“ und „Jane“ sind symptomatisch für das Problem der Staffel: Sie erzählen ausführlich Geschichten, die für die eigentliche Handlung kaum Bedeutung haben. Statt Spannung entsteht Leerlauf – und der Zuschauer wartet darauf, dass es endlich weitergeht. Eine Stunde lang wird die Geschichte des Postboten Gary Jones (Cameron Britton) erzählt, der auf Verschwörungstheorien hereinfällt und sich mithilfe einer Online-Überlebensgruppe auf eine mögliche Katastrophe vorbereitet. Die Zuschauer erfahren, wie Gary Teri kennenlernt und wie sie sich im Bunker wiederbegegnen. Nachdem ein Zug in die Stadt einfährt, steigen die meisten Mitglieder der Gruppe aus. Xavier Collins trifft ebenfalls auf Gary, der immer wieder Informationen zurückhält, sodass Collins beinahe sein Leben verliert.

In der Episode „Jane“ wird dem Zuschauer ausführlich die Geschichte von Jane Driscoll erzählt. Beispielsweise erhält ein Mann im Jahr 1997 die Nachricht, dass ein bestimmtes Kind, das zu einem gewissen Zeitpunkt geboren wird, getötet werden müsse – es sei der Teufel. Driscoll wird tatsächlich zur eiskalten Mörderin, und mithilfe dieser Hintergrundgeschichte lässt sich ihr Weg nachvollziehen. Wirklich interessant ist das jedoch nicht, da sich ihr Weg von dem der übrigen Überlebenden früher oder später trennen wird. Nach diesen beiden Füller-Episoden geht es endlich weiter: Xavier trifft seine Frau, und gemeinsam machen sich alle auf den Weg nach Colorado zum Bunker. Dort kommt es aufgrund einer abgeschlagenen Leitung durch ein Stahlrohr zu einem möglichen Super-GAU. Zudem trifft Sinatra Redmond auf einen alten Bekannten.

«Paradise» wirkt wie eine spannende Serie, doch die Produzenten haben – im wahrsten Sinne des Wortes – eine mittelschwache zweite Staffel verzapft. Die Geschichten sind viel zu breit gefächert, ohne wirklich Antworten zu liefern. Das Team um Dan Fogelman läuft Gefahr, daraus eine klassische Mystery-Box-Serie zu machen, wie es Lost unter J. J. Abrams vorgemacht hat: Es werden unzählige Fragen aufgeworfen, aber kaum Antworten gegeben. Hier eine neue Technik, da ein neues Problem. Eine dritte Staffel wurde zwar bereits vor dem Finale der zweiten Runde bestellt, doch so langsam sollte die Serie auch in Form kommen. Wenn dieses Hin und Her zwischen Familiendrama, Rückblenden-Chaos und Übernatürlichkeit anhält, droht «Paradise» genau dort zu enden, wo viele ambitionierte Serien gescheitert sind: als überladene Mystery ohne Richtung.

Die zweite «Paradise»-Staffel ist seit 30. März 2026 bei Disney+.

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