Interview

Nicki von Tempelhoff: ‚Mich reizt die Ermittlung nach gesundem Menschenverstand‘

von

Im «Dänemark-Krimi» verkörpert Nicki von Tempelhoff mit Magnus Winter einen bodenständigen Ermittler fernab klassischer Supercops.

Zwischen nordischer Weite, familiären Abgründen und einer dramatischen Suche im Watt entfaltet sich ein Fall, der nicht nur Spannung, sondern auch feine zwischenmenschliche Nuancen bietet. Im Interview spricht Tempelhoff über das Zusammenspiel mit Marlene Morreis, die besondere Atmosphäre Dänemarks – und warum gute Krimis immer von menschlichen Motiven leben.

Magnus Winter ist als Streifenpolizist kein klassischer „Super-Ermittler“, sondern arbeitet sehr bodenständig. Was reizt Sie an dieser geerdeten Perspektive innerhalb eines Krimiformats?
Nicht jeder Polizist ist ein Sherlock Holmes oder Dirty Harry. Mich reizt die Ermittlung nach dem Prinzip des gesunden Menschenverstands.

Während Ida sich mit großem Instinkt in den Fall stürzt, wirkt Magnus zunächst zurückhaltender. Ist das für Sie eher professionelle Vorsicht – oder auch ein Schutzmechanismus der Figur?
Trotz ihrer Unterschiedlichkeit wachsen sie als Team immer mehr zusammen. Wenn Ida sich in etwas verbeißt, lässt sie nicht locker. Und damit hat Magnus immer wieder zu kämpfen. Doch er hat gelernt, dass es sinnvoller ist, sie zu lassen, als sich dagegen zu wehren. Und wenn es wirklich darauf ankommt, weiß er, dass er sich auf sie verlassen kann.

Der Film verbindet einen Mordfall mit einer dramatischen Suchaktion im Watt. Wie haben Sie die Dreharbeiten in dieser besonderen Landschaft erlebt – körperlich wie atmosphärisch?
Es ist jedes Mal ein Geschenk in Dänemark zu drehen. Mir persönlich ist diese Dünen- und Küstenlandschaft sehr nah, da ich in Holland aufgewachsen bin. Auch wenn Stress und Arbeitspensum hoch sind. Sobald ich das Meeresrauschen höre, fühlt es sich immer ein bisschen wie Urlaub an.

Rømø und Ribe sind nicht nur Kulisse, sondern fast eigene Figuren. Wie sehr beeinflusst diese nordische Weite das Spiel und die Stimmung zwischen den Charakteren?
Kleinstadt Idyllen, wo vermeintlich alles seinen gelassenen, gewohnten Gang geht, haben für mich immer einen gewissen Hauch von Geheimnis. Man kennt sich, wenn da plötzlich Abgründe auftauchen, hat das für mich einen größeren Spannungsbogen als in der Großstadt, wo man eher auf alles gefasst ist.

Magnus und Ida sind inzwischen ein eingespieltes Duo. Wie hat sich die Dynamik zwischen Ihnen und Marlene Morreis im Laufe der Reihe verändert?
Marlene und ich ergänzen einander hervorragend in der Arbeit. Wir haben eine klare und direkte Sprache miteinander gefunden und teilen die Ansicht, das Arbeit Lebenszeit ist, die man zwar ernsthaft, aber auch mit viel Spaß und Freude mit dem gesamten Team verbringen sollte.

Der Film thematisiert Neid, Missgunst und familiäre Verstrickungen. Was interessiert Sie an diesen leisen, emotionalen Motiven mehr als am reinen „Wer war’s?“-Rätsel?
Ich liebe „wer war das“ Krimis, doch selbst bei Agatha Christie ergibt sich die Lösung immer aus emotionalen menschlichen Motiven. Ich sehe da kein Entweder-Oder.

Die Suchaktion im Watt sorgt für eine enorme Zuspitzung. Wie schafft man es als Schauspieler, in solchen Suspense-Momenten glaubwürdig Spannung aufzubauen, ohne ins Überdramatische zu kippen?
Das ist eine Mischung aus Handwerk und Vertrauen in die Geschichte, die man erzählt, in die Regie, die einem spiegelt, wie weit man gehen kann, ohne unglaubwürdig zu sein und mir persönlich macht es Spaß hin und wieder die Grenzen auszuloten.

«Der Dänemark-Krimi» läuft klassisch zur Primetime um 20:15 Uhr. Was darf ein solcher Fernsehkrimi heute für Sie sein – reine Spannung, atmosphärische Reise oder auch gesellschaftlicher Kommentar?
Das kann Alles sein. Ich hab da kein Dogma. Die Geschichte ist wichtig und sie soll unterhalten.

Am Donnerstag, 26.03. um 20.15 Uhr zeigt Das Erste den «Dänemark-Krimi» mit „Die Tote in den Dünen“. Der Film ist bereits seit Montag in der Mediathek abrufbar.

Kurz-URL: qmde.de/170109
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger Artikel3 Quotengeheimnisse: ZDF hat mehr zu bietennächster Artikel‚Die Landschaft ist bei uns fast eine Hauptdarstellerin‘
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Letzte Meldungen


Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung