Hingeschaut

Die «Mallorca-Makler»-Mogel-Packung

von

Gleich acht Episoden hat VOX von seiner neuen Celebrity-Doku geordert, die wohl die Antwort auf den Netflix-Hit «Selling Sunset» sein soll.

Prominenten-Dokumentationen sind von den Fernsehsendern heiß begehrt. Hulu hat «The Kardashians» mit großem Erfolg gestartet, RTLZWEI sonnt sich mit «Die Geissens» in Monaco und selbst Sky Deutschland hat die Familie Ochsenknecht – natürlich ohne Schauspieler Uwe – aus der Taufe gehoben. Solche Formate wollte VOX mit den zahlreichen Makler-Realitys von Netflix verbinden, das «Selling Sunset»-Universum lässt grüßen.

VOX hat in Sachen Immobilen reichlich Erfahrung, denn jahrelang gehörte «mieten, kaufen, wohnen» zum Programm und in «Goodbye Deutschland! Die Auswanderer» begleitet man ohnehin auch zahlreiche Menschen, die sich neue vier Wände suchen. Mit Marcel Remus hat man sich tatsächlich ein Talent gecastet, der bereits zu den Auswanderern gehörte. Remus ist seit dem Jahr 2006 auf der Balearischen Insel und war auch immer wieder bei der Auswander-Doku-Soap von VOX zu sehen.

«Der Mallorca Makler – Marcel Remus & sein Immobilen-Team» ist eine Mischung aus den VOX-Shows «Goodbye Deutschland! Viva Mallorca» und den überflüssigen Geschichten aus «mieten, kaufen, wohnen». Die Produktion von Damir Brkan und Thorsten Reinholdt braucht einen Aufhänger: Marcel möchte die spanische Insel nicht nur für die deutschen Wohlhabenden erschließen, sondern auch für die Schönen und Reichen aus Los Angeles.

Seine Firma besteht nicht nur aus dem Selfmade-Millionär, bei dem inzwischen auch seine Mutter angestellt ist, sondern auch aus einer weiteren Person: Ira Wolff vermag es als Medium, Häuser spirituell zu reinigen, wie ihr Geschäftsmodell verspricht. Marcel glaubt selbst nicht an den Hokuspokus, dennoch gibt er vor der Kamera zu, dass er für seinen Kunden so ziemlich alles machen werde. Immerhin habe er in einem der vergangenen Jahre Immobilien im Wert von 100 Millionen Euro an den Mann gebracht, weshalb wohl jeder Beteiligte für die üppige Makler-Courtage für sämtliche Schandtaten bereit wäre.

Die Sendung startet mit einem Flugzeug im Bild, Marcel Remus vor der Kamera und das eigene Ziel wird schon nach einem dreiminütigen Trailer erklärt: Die Amerikaner für Mallorca begeistern. Marcel „will auf Mallorca lieber Amis statt Asis“ macht die Bauchbinde schon im ersten Interview klar. Im Rahmen der Oscar-Verleihung 2022 war Remus in der Stadt der Engel und veranstaltete im Beverly Hills Hotel ein Get-Together. Viel sieht man von dem Event nicht, bereits nach wenigen Sekunden ist die Handlung schon wieder auf Mallorca verortet.

Bereits nach vier Minuten und 30 Sekunden stellt das Kamerateam eine absolute Traumvilla in Son Vida vor, das westlich von Palma liegt. Schön sind die Häuser schon, die 900 Quadratmeter Wohnfläche bieten und einfach traumhaft aussehen. „Aber überzeugen sie auch den anspruchsvollen Kunden?“, fragt die Off-Stimme und schon sehen die Zuschauer eine klassische Szene aus dem Lehrbuch. Der Bauunternehmer Christian Imbusch mit seiner Frau Laura rast mit seinem McLaren-Sportwagen zum teuren Domizil. Natürlich ist die Villa, die mit Drohnen schön eingefangen wird, für ihn eine Enttäuschung. Das Wohnzimmer nur übersichtlich, der Pool recht klein und die Tiefgarage fasst nur vier Autos. Der Zuschauer empfindet selbstverständlich Unverständnis.

Dann machen die Zuschauer Bekanntschaft mit Eve, die aktuell nach einem dritten Haus von Marcel sucht. In die erste Villa sind Lakis und Eva Kourkoudialos erst gar nicht eingezogen, das zweite Domizil gefällt der Dame jetzt doch nicht. Pech für den griechischen Bauunternehmer, Glück für Remus der weitere Makler-Gebühren einstreichen darf. Weil das griechische Paar so kaufwillig ist, wird Mutter Silke mit dem Medium Ira Wolff zur Reinigung geschickt. Um das entsprechend zur portraitieren, wird in irgendeinen Keller (?) die übersinnliche Frau noch in Szene gesetzt. Wie viel an den Geschichten von «Der Mallorca Makler – Marcel Remus & sein Immobilien-Team» wirklich dran ist, verrät der Pilotfilm der achtteiligen Reihe natürlich nicht. Das können auch einfach nur Kollegen sein, die im deutschen Privatfernsehen auftreten möchten. Ob am Ende wirklich ein Kaufvertrag unterzeichnet wird, sieht der Zuschauer nicht. Es ist Wohlfühlfernsehen und da muss man allen Beteiligten Komplimente machen: Die Mallorca-Reality-Doku sieht wirklich gut aus. Die Häuser werden in Groß- und Nahaufnahmen gezeigt, die Bildsprache und -Schnitt sind nahezu perfekt. Dennoch muss man festhalten, dass der Inhalt sehr untypisch für VOX ist: Die Mutter von Marcel hat mehr Screentime, der Makler hat das nicht mal gelernt und der «Selling Sunset»-Star Davina Potratz tauch auch nicht auf.

Auch einen anderen Star hat man angekündigt: Bruce Darnell: Schon bei der ProSieben-Show «Surprise!» wirkte er als Sidekick von Lena Gercke, obwohl er das Gesicht der Sendung war. Der gebürtige Amerikaner ist nun wieder Statist und zwar in einer Makler-Reality von VOX. Auf Ibiza hat der 66-jährige Choreograph einen Interior-Showroom. Für den Sender reicht dies schon als Grund, um Darnell zu besetzen. Kurioserweise taucht dieser in der ersten Folge lediglich im Intro auf. Jammerschade!

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