Ein 21-jähriger Wirtschaftsstudent nahm die ironische Pepsi-Werbung sehr ernst und wollte einen AC-8 Harrier II-Jet mit Punkten einlösen. Die Sendung suggeriert arglistige Täuschung.
Der Streaming-Dienst Netflix hievt zahlreiche interessante Dokumentationen ins Programm. Eine größere Bekanntheit bekam das Unternehmen unter anderem mit «Fyre», einem 97-minütigen Film aus dem Jahr 2019, der über das gescheiterte Fyre Festival, das eigentlich die Fyre-App promoten sollte. Das Festival sollte Ende April 2017 auf den Bahamas stattfinden, stattdessen wurde das Musikfestival zum Desaster. Autor Chris Smith hat an Netflix einen eindrucksvollen Film verkauft, der das Geschehen eindrucksvoll aufarbeitet.
Im Mittelpunkt der vierteiligen Dokumentation ist der 21-jährige Wirtschaftsstudent John Leonard, der in den 90er Jahren – wie viele anderen auch – großer Fan von MTV und Pepsi war. Das Brause-Getränk war hip, cool und gehörte zum amerikanischen Lifestyle. PepsiCo, das Unternehmen hinter dem Getränk, startete mit Merchandising durch. Um verschiedene Klamotten und Accessoires verstärkt unter das Volk zu bringen, brütete man eine gewiefte Taktik aus. Die Konsumenten sollten nicht für das Zubehör zahlen, sondern bekamen auf den Kauf von Dosen Punkte, die sie wiederrum einlösen konnte. Im ikonischen Werbespot wurde auch zum Schluss darauf hingewiesen, man könne auch für sieben Millionen Punkte einen AV-8 Harrier II-Jet bekommen.
Später kommt der Investor Todd Hoffmann ins Spiel, der mit zahlreichen Geschäften schon an Reichtum gelangt ist. Aufgrund seiner Erkrankung reisen er und Leonard auch wieder auf verschiedene Gipfel, um ihre Bergwanderungen von früher neu aufleben zu lassen. Das Material fühlt sich nicht nur langweilig an, es ist auch wirklich zäh. Die Doku-Reihe erzählt von Geschichten, die man einfach streichen könnte. Doch «Pepsi, wo ist mein Jet?» sollte erst als Film umgesetzt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie und dem riesigen Erfolg von «Tiger King» entschied sich das Streaming-Unternehmen jedoch eine Doku-Serie zu kreieren.
Schließlich löst Pepsi den Scheck nicht ein, da man das Angebot mit dem Jet für einen Scherz hält. Leonard und seine Partner reichen schließlich eine Klage in Miami ein und werfen PepsiCo Vertragsbruch, Betrug und irreführende sowie unlautere Handelspraktiktanten vor. Mit dem prominenten Anwalt Michael Avenatti, der bei der Produktion wegen versuchter Erpressung unter Hausarrest stand, wollte man den Fall gewinnen. Es ist schon bezeichnend, dass diese fragwürdige Anklage von Avenatti vertreten wurde, der im Sommer zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Es ist also klar, ein rechtschaffender Mann war dieser Winkeladvokat vielleicht nie, schließlich wollte man mit einer absurden Klage einem Unternehmen schaden. Gut, PepsiCo ist auch nicht die Wohlfahrt, aber dennoch muss man die Dokumentation auf einer speziellen Meta-Ebene betrachten. 

• Pepsi wo ist mein Jet? • Fyre • Tiger King
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