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Sat.1 setzt «Plötzlich arm, plötzlich reich» ab

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Der Privatsender zieht nach der Kritik der vergangenen Tage Konsequenzen und setzt das Reality-Format ab. Auch bei Joyn ist die Sendung nicht mehr verfügbar. ImagoTV begrüßt den Schritt, während Matthias Distel eine Forderung erneuert.

Dieser Schritt dürfte der Debatte wohl ein wenig die Hitze nehmen. Sat.1 setzt mit „sofortiger Wirkung“ das Reality-Format «Plötzlich arm, plötzlich reich» ab. Nach der andauernden Kritik hat der Unterföhringer Sender diesen Schritt am Samstag bekannt gegeben. Außerdem bat man erneut um Entschuldigung: „Die Aufarbeitung des letzten Drehs von «Plötzlich arm, plötzlich reich» läuft noch. Es steht aber außer Frage, dass hier Fehler passiert sind, für die wir die Öffentlichkeit und die Familie um Entschuldigung bitten.“ Der Schlagersänger Matthias Distel, besser bekannt als Ikke Hüftgold, machte am Montag auf gravierende Missstände während der Produktion einer Folge der Sendung aufmerksam und warf Sender und der Produktionsfirma ImagoTV „eine gewissenlose Quotenjagd auf dem Rücken missbrauchter Kinder“ vor. Man habe das Kindeswohl mit Füßen getreten. Im Laufe der Woche spitzte sich der Streit zwischen Distel und Sender sowie Produktionsfirma zu. Distel stellte Strafanzeige bei der Polizei Limburg und ImagoTV verlangte Unterlassung von Distel.

Etwas widersprüchlich wirkt das in den sozialen Medien geteilte Statement von Sat.1 dennoch, denn in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung war noch die Rede davon, dass man den zurückliegenden Dreh aufgearbeitet habe und man die Abläufe verbessern wollen würde. Drei Tage später entschied man nun aber rigoros, dass „diese Sendung nicht mehr zu dem Sat.1 passt, das wir gemeinsam mit und für unsere Zuschauer:innen weiterentwickeln wollen“. Deshalb werde es keine weiteren Folgen geben und auch bereits neu-produzierte Ausgaben würden nicht mehr ausgestrahlt. Man könnte meinen, dass Neu-Sat.1-Chef Daniel Rosemann eine erste Amtshandlung vollführt hat und ein erstes Zeichen gesetzt hat. Zu seinem Antritt sagte er, dass in drei Jahren „ein neues Sat.1 mit alter Stärke“ strahlen solle. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Sat.1 richtet nun den Fokus auf die betroffene Familie. „An oberster Stelle steht das Wohl der Kinder und der Familie, mit der wir in engem Austausch stehen. Auch in den Monaten, die vor uns liegen, werden wir die Familie bestmöglich in ihrem Sinne finanziell und menschlich unterstützen.“ Und weiter: „Es war und ist niemals Ziel von Sat.1 Menschen zu verletzen. Wir stehen für Unterhaltung mit Herz. Zu unserem Selbstverständnis gehört die Bereitschaft, Dinge zu verändern und uns zu verbessern. Daran werden wir weiterhin arbeiten.“ Bei Joyn, dem Streamingdienst von ProSiebenSat.1 Media und Discovery, stehen vergangene «Plötzlich arm, plötzlich reich»-Episoden nicht mehr zu Verfügung.

Via Facebook meldete sich auch die geschäftsführende Gesellschafterin von ImagoTV Andrea Schönhuber zu Wort. Sie begrüßt die Entscheidung von Sat.1: „Imago TV steht hinter der Entscheidung von Sat.1, nach der kontroversen öffentlichen Debatte der vergangenen Tage das Format «Plötzlich arm, plötzlich reich» einzustellen. Wir bedauern vor allem, dass eine an den Dreharbeiten beteiligte Familie in die öffentliche Auseinandersetzung hineingezogen worden ist. Wir stehen weiter in Kontakt mit der Familie und wünschen vor allem den Kindern, dass sie von diesen Auseinandersetzungen möglichst wenig mitbekommen.“ ImagoTV produzierte das Format im Auftrag von Sat.1.

Während die Zukunft der Sendung nun geklärt ist, erneuerte Matthias Distel seine am Freitag gestellte Forderung nach einer senderübergreifenden Debatte zum Wohle der Kinder. Er kommentierte unter dem auf Instagram veröffentlichten Sat.1-Beitrag: „Danke Sat.1! Ich weiß, dass ihr genau wie die Familie, ImagoTV und ich mit meinem Team emotionale Debatten geführt habt, abwägen musstet und wir alle unsere Fehler eingestehen mussten! Ich wünsche mir senderübergreifend eine sachliche öffentliche Debatte, die nur ein Ziel haben darf... das Wohl der Kinder nicht den finanziellen Interessen unterzuordnen! Es ist ein Anfang und ich wünsche mir, dass es ein dauerhaftes Thema bleibt! Bei euch Medien, in der Politik und bei jedem Einzelnen von uns!“ In seiner Instagram-Story bedankte sich Distel zudem im Namen der Familie.

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