Serientäter

«Malcolm Mittendrin»: Nostalgie funktioniert – aber braucht es mehr?

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Mit vier neuen Folgen kehrt «Malcolm Mittendrin» zurück und liefert genau den Humor, der die Serie einst so besonders gemacht hat.

Zwischen Januar 2000 und Mai 2006 produzierten die Fox Television Studios insgesamt 151 Episoden von «Malcolm Mittendrin». Zu den Hauptdarstellern gehörten unter anderem Jane Kaczmarek, Bryan Cranston, Christopher Masterson, Justin Berfield, Erik Per Sullivan, Catherine Lloyd Burns und Frankie Muniz. Kaczmarek war in den vergangenen Jahren am Broadway tätig und zog sich weitgehend vom Fernsehen zurück, Erik Per Sullivan verließ die Branche nach dem Serienende komplett. Nur Cranston feierte mit «Breaking Bad» einen weltweiten Erfolg, das übrige Ensemble konnte an die Popularität der Serie nicht mehr anknüpfen.

«Malcolm Mittendrin» startete bei FOX mit 22,35 Millionen Zuschauern, doch bereits nach wenigen Episoden ließ das Interesse nach. Die Serie pendelte sich bei rund 13 Millionen ein, bis zum Ende der vierten Staffel waren zweistellige Reichweiten die Regel. Erst mit den Staffeln fünf und sechs ging es bergab, die siebte Staffel überschritt nur noch selten die Vier-Millionen-Marke. Das Finale entschieden sich jedoch noch einmal 7,38 Millionen Zuschauer anzusehen. In Deutschland fiel die Resonanz deutlich geringer aus: ProSieben setzte anfangs noch auf die Primetime, die späteren Staffeln liefen dann mit rund 600.000 Zuschauern am Samstagnachmittag.

In den vergangenen Jahren war die Serie im klassischen Fernsehen kaum noch präsent, auch im Streaming hielt sich die Verfügbarkeit in Grenzen. Nun haben die Autoren Linwood Boomer, Michael Glouberman, Matthew Carlson, Gary Murphy und Al Higgins mit «Malcolm in the Middle: Life’s Still Unfair» eine Fortsetzung geschrieben, die kurz vor dem 20. Jubiläum der letzten Episode erschien.

Die Geschichte beginnt harmlos: Hal und Lois laden ihre Familie zum 40. Hochzeitstag ein. Nachdem sonst immer Hal für die großen Überraschungen zuständig war, will diesmal Lois glänzen. Malcolm hat sich jedoch von seiner Familie entfernt und lebt in einer nicht näher benannten Stadt, die nur mit mehrfachem Umsteigen erreichbar ist. Dort hat er eine Frau kennengelernt, die ihn inzwischen verlassen hat. Geblieben ist die hochbegabte Teenager-Tochter Leah (Keeley Karsten). Malcolm ist inzwischen mit Tristan (Kiana Madeira) liiert, die sich auf das Treffen freut. Das Wiedersehen eskaliert erwartungsgemäß, als Hal und Lois unangekündigt auftauchen – eine Entwicklung, auf die die Handlung klar hinarbeitet.

Die zweite Episode rückt Hal in den Mittelpunkt, der von seinem Sohn Reese (Justin Berfield) gedemütigt wird. Tochter Kelly (Vaughan Murrae) entdeckt, dass Reese als YouTuber Millionen verdient. Gemeinsam mit Hal produziert er Videos, in denen Renovierungen regelmäßig in chaotischen Unfällen enden – pures Internet-Gold. Hal reagiert darauf tief getroffen. Parallel bekommen Francis (Christopher Kennedy Masterson) und Piama (Emy Coligado) ein Baby, was Lois jedoch kaum beeindruckt. In einem typischen Monolog zählt sie ihre angestauten Probleme herunter – eine Szene, die stark an den klassischen Humor der Serie erinnert.

Da Erik Per Sullivan nicht zurückkehren wollte, wurde Dewey neu besetzt: Caleb Ellsworth-Clark verkörpert ihn als erfolgreichen Musiker, der nur per Videocall erscheint. Die Autoren lösen seine Abwesenheit augenzwinkernd. Jamie (Anthony Timpano), das jüngste Kind, dient inzwischen bei der US-Küstenwache, bleibt aber blass und tritt nur sporadisch in Erscheinung – inklusive eines Running Gags über seine unerlaubte Abwesenheit vom Dienst.

Die neuen Folgen sind gespickt mit Anspielungen auf frühere Episoden, etwa Hals legendäre Rasur aus der Pilotfolge. Auch zahlreiche Nebenfiguren kehren zurück, teils sogar in gemeinsamen Szenen. Das zeigt, wie eng die Beteiligten der Serie weiterhin verbunden sind. In deutschen Feuilletons wurde die Frage gestellt, ob es diese Fortsetzung überhaupt gebraucht hätte – häufig lautete die Antwort: nein. Doch aus Zuschauersicht funktioniert das Wiedersehen erstaunlich gut. Die vier Episoden überfordern nicht mit unnötigen Nebensträngen, sondern liefern rund zwei Stunden solide, nostalgische Unterhaltung. Eine weitere Staffel ist nach diesem Abschluss zwar nicht zwingend notwendig – ausgeschlossen ist sie aber auch nicht.

«Malcolm mittendrin - Unfair wie immer» ist seit 10. April bei Disney+ zu sehen.

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