Bereits im Januar 2026 startete nach neun Monaten Pause die zweite «The Pitt»-Staffel beim Streamingdienst HBO Max. Auch in Deutschland waren die Episoden kurz nach der US-Premiere zu sehen – allerdings mit einem Nachteil. An der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika werden Serien oft um Mitternacht veröffentlicht, sodass deutsche Abonnenten ab 9 Uhr morgens zugreifen können. HBO-Max-Chef Casey Bloys ließ die Serie allerdings erst donnerstags um 21.00 Uhr erscheinen, um die Aufmerksamkeit zu steigern. Dieses Unterfangen schien zu funktionieren: Die letzte Episode der zweiten Staffel verzeichnete innerhalb weniger Tage über zwei Millionen Zuschauer auf dem Heimatmarkt.Die Idee hinter «The Pitt» ist simpel: Das teure Set in den Warner Bros. Studios war zwar kostspielig, sorgt aber dafür, dass innerhalb kurzer Zeit 15 Episoden aufgezeichnet werden können. Mit Ausnahme einiger Szenen in Pittsburgh entstehen fast alle Aufnahmen auf dem Studiogelände, was vor allem die Kosten pro Episode senkt. Aus diesem Grund haben sich die Verantwortlichen wie Serienerfinder R. Scott Gemmill sowie Executive Producer, Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Noah Wyle dazu entschieden, die hohe Episodenzahl beizubehalten. Bereits nach zwei Staffeln liegen 30 Episoden vor, was für eine Streaming-Serie überaus stark ist.
Die zweite Staffel katapultiert die Zuschauer auf den amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli, die Ereignisse sind zehn Monate nach dem ersten Tag in der Notaufnahme angesetzt. Im Gegensatz zu Deutschland feiern die Amerikaner dieses Fest deutlich ausgelassener: In der gesamten Stadt finden Partys statt, am Abend wird ein Feuerwerk gezündet. Die Zuschauer sehen in der ersten Szene Dr. Michael „Robby“ Robinavitch (Noah Wyle), der mit seinem Motorrad – ganz ohne Helm – durch die Straßen der US-Metropole rast.Es ist der letzte Arbeitstag von Robby vor einem dreimonatigen Sabbatical, das er für eine Motorradreise quer durch das Land nutzen möchte. Im Laufe der neuen Episoden machen sich allerdings viele seiner Kollegen Sorgen, ob der leitende Stationsarzt überhaupt zurückkehren wird. Neu im Team ist die Ärztin Baran Al-Hashimi (Sepideh Moafi), die in Robbys Abwesenheit die Notaufnahme leiten soll. Sie wirbt für den Einsatz KI-gestützter medizinischer Geräte, etwa zur Dokumentation von Arztberichten.
In der ersten Staffel wurde Dr. Frank Langdon (Patrick Ball) beim Konsum von Schmerzmitteln erwischt. Nun erfahren die Zuschauer, was in der Zwischenzeit passiert ist: Langdon wurde von seiner Frau beinahe vor die Tür gesetzt, hat einen Entzug erfolgreich überstanden und darf weiterhin in der Notaufnahme arbeiten. Während Langdon zurückkehrt, ist es für Robby der letzte Tag. Damit sich die beiden nicht begegnen, wird Langdon in die Triage eingeteilt – also in den Bereich, in dem Patienten ohne Krankenwagen aufgenommen werden. Der ehemalige Schützling und der Oberarzt sind weiterhin zerstritten, eine Aussprache scheint nicht stattzufinden. Unterdessen macht Mel zahlreiche Fehler aufgrund ihrer Nervosität, da sie später noch in einer Klage gegen das Krankenhaus aussagen muss. Das ist zwar ungewöhnlich für einen US-Nationalfeiertag, der zudem auf einen Samstag fällt, aber verschmerzbar – es ist schließlich Fernsehen.
In der zweiten Staffel von «The Pitt» gibt es immer wieder ernste Momente: Beispielsweise sorgen sich Dana (Katherine LaNasa) und die neue Pflegerin Emma Nolan (Laëtitia Hollard) um einen Obdachlosen, der aufgepäppelt werden muss. In späteren Folgen müssen die Schwestern Ilana Miller behandeln, eine Frau, die scheinbar von einem Freund zum Geschlechtsverkehr genötigt wurde. Das Skript von Uta Briesewitz ist gelungen, schließlich hadert das Opfer mit einer Anzeige. Immerhin sei es ein Freund gewesen und sie hätte durchaus auch auf ein „Nein“ bestehen können.Während in der ersten Staffel ein Terroranschlag auf einem Stadtfest in Pittsburgh für Ausnahmezustände sorgte, haben die Autoren auch in der zweiten Runde ein solches Szenario eingebaut. Die technischen Geräte müssen nach sieben Stunden abgeschaltet werden, weil auf ein anderes Krankenhaus ein Cyberangriff ausgeführt wurde. Während die Station in die Steinzeit zurückgeworfen wird, darf der Sarkasmus nicht fehlen: Die Polizisten am Eingang organisieren erneut ein Wettspiel und die neue Studentin Joy Kown (Irene Choi) kann Patientendaten retten – sie verfügt über ein fotografisches Gedächtnis.
Drei besonders beklemmende Geschichten prägen die Staffel: ICE-Beamte bringen die Patientin Pranita Shah (Ramona DuBarry), doch als ein Pfleger bei der Abführung eingreift, wird auch dieser mitgenommen. Einige Angestellte verlassen die Klinik aus Angst vor den Behörden, obwohl sie sich legal im Land aufhalten. Auch Orlando Diaz (William Guirola) leidet unter dem US-System und einer fehlenden Krankenversicherung: Weil er seinen Diabetes aus Kostengründen nicht behandelt, stürzt er schwer. Er verlässt gegen den Rat der Ärzte das Krankenhaus und geht zu seinem Nebenjob – dort stürzt er aus dem fünften Stock. Später kommentiert Robby zynisch, dass der Sturz wohl nicht tief genug gewesen sei – er habe sich vermutlich das Leben nehmen wollen, bleibe nun aber als schwerbehinderter Pflegefall zurück.Die 42-jährige Roxie (Brittany Allen) erleidet zu Hause einen tonisch-klonischen Anfall. Die Hospizpatientin hat sich für den Tod im Krankenhaus entschieden – allerdings weiß ihre Familie noch nichts davon. Es folgt ein stundenlanger Leidensweg, nicht nur aufgrund der Schmerzen, sondern auch durch den emotionalen Abschied von der Familie.
Behandlungen immer wieder Szenen, die die Zeit zwischen den Staffeln erklären. So verliert Robby seine Freundin und damit auch den Kontakt zu deren Sohn. Inzwischen hat er eine Beziehung zur Verwaltungsangestellten Noelle Hastings (Meta Golding), doch Robby ist von einem tiefen inneren Schmerz geprägt. Genau hier liegt die große Stärke von «The Pitt»: Die Serie erzählt nicht nur von medizinischen Notfällen, sondern von Menschen, die selbst längst am Limit arbeiten. Das Krankenhaus ist für Robby Fluch und Zufluchtsort zugleich – ein Ort, der ihn zerstört, aber auch der einzige ist, an dem er wirklich gebraucht wird. Und genau deshalb bleibt «The Pitt» auch in seiner zweiten Staffel so fesselnd – trotz kleiner Schwächen im Detail.
Die zweite Staffe von «The Pitt» ist seit 17. April komplett bei HBO Max abrufbar.







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TV-Redakteur / Producer (m/w/d)
1. Aufnahmeleitung im Bereich Reality (m/w/d)




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