Der Beschützer
Regie: Ziska Riemann. Drehbuch: Oke Stielow und Christian Kaps nach einer Idee von Michael Ehnert. Besetzung: Tobias Oertel, Paula Essam, Jan Krauter, Philip Günsch, Wanda Perdelwitz, Paula Conrad Hugenschmidt, Valerie Niehaus, Stephan Schad, Florian Schmidtke, Pia Leokadia, Mathilda Smidt, Jonas Minthe, Alina Hidić, Sascha Weingarten, Karola Oswald, Hanife Sylejmani.Aber worum geht es in diesem zweiten Spielfilm?
Mit einem Mord bei einem Energie-Startup beginnt der Auftrag für den BKA-Personenschützer Jan Schäfer: Ausländische Agenten erschießen den Startup-Gründer Julian Raabe (Jonas Minthe) bei dem Versuch, streng geheime Daten zu erhalten. Sein Bruder Eduard (Jan Krauter) entkommt, befindet sich nun aber in höchster Gefahr. Denn seine Forschungsergebnisse, die Wasserstoff als Energieträger profitabel machen, würden die Weltwirtschaft ebenso wie die Sicherheitspolitik verändern. Entgegen des Rates der Firmenanwältin (Valerie Niehaus), die ihm erklärt, dass sein Bruder die Daten hinter seinem Rücken an Leute verkauft hat, mit denen man keinen Ärger will, will Eduard sein Werk nicht einfach aufgeben. Schäfer und seine neue Kollegin Freuding (Paula Essam) erhalten den Auftrag, ihn und seine Familie zu schützen, ohne von Julians Verrat – wenn man dies so nennen möchte – zu wissen. Während sich Eduards Ehefrau Hanna (Wanda Perdelwitz) mit der Abschottung abfindet, sorgt Sohn Marian (Philip Günsch) für Schwierigkeiten. Um das Vertrauen des rebellischen Teenagers zu gewinnen, der wegen einer Herzinsuffizienz viele Operationen hinter sich hat und mit anderen Menschen, wie man sagt, nicht gut kann, lässt Schäfer ihn in sein sorgsam gehütetes Privatleben blicken.Die Geschichte wäre glaubwürdiger, wenn die Autoren nicht das ganz große Besteck ausgepackt hätten. Die Forschungsarbeiten der Brüder würden Wasserstoff als billigen und fast unerschöpflichen Energieträger für einen breiten Einsatz in der Industrie, dem Verkehr – ach, überall – greifbar machen. Und das zu günstigen Preisen. Wenn die Killer als Russen dargestellt werden (das ist kein Spoiler, denn die Mörder sind solche), könnte also ein gewisser Präsident dahinterstehen, der dringend auf die Devisen aus der Ausbeutung seiner Rohstoffe angewiesen ist. Die Amerikaner hätten einen Grund, die Brüder aufzuhalten, denn ihr wunderschönes Flüssiggas wäre plötzlich nicht mehr so viel wert. Die gesamte petrochemische Industrie dürfte Schnappatmung bekommen – die Liste ist schier endlos. Und die beiden forschen in einem Labor in einem Industriegebiet, in dem am Wochenende nicht einmal ein unterbezahlter Wachschutz seine Kurven dreht. Man kann davon ausgehen, dass solche Forschungen, wenn sie Erfolge zeigen, eben nicht nur jene auf den Plan rufen, die nie, niemals wollen, dass diese Forschungen zu einem Erfolg werden. Nein, es gibt auch die anderen, die da ein ganz großes Geschäft sehen und sich in solche Forschungen einkaufen. Mit viel Geld und auch mit viel Sicherheit.
Okay, selbst wenn man diese Ausgangssituation nicht weiter hinterfragt – spätestens im Moment des Mordes würde jemand wie Eduard unter den ganz großen Schutz gestellt. Viel zu wichtig sind diese Arbeiten für die nationalen Interessen. Da stellt man jemanden wie Eduard nicht unter den Schutz zweier Personenschützer, die einen netten Altbau in einem Hamburger Viertel bewachen dürfen.
Aber gut, das ist Film, nicht die Realität. Und im Film ist es möglich, die Realität dadurch zu überwinden, dass man ein Tempo aufbaut, das verhindert, dass man über die Story nachdenkt. Da aber hapert es dann gewaltig. Es menschelt halt. Da ist der rebellische Teenagersohn, der nachts mal das Haus verlässt. Da ist Eduard, der nicht immer wirklich kooperativ handelt. Das alles ist doch ziemliche Konfektionsware – und ob Eduard ein Wasserstoffgenie ist oder nur einen neuen, abrieblosen Fahrradreifen erfunden hat, ist egal, weil es die Story nicht voranbringt. «Der Beschützer: Wissen, das tötet» ist leider recht durchschnittliche Konfektionskriminalfilmware, die dann auch bei den Actionszenen Fragen aufwirft. Da gibt es etwa eine Schießerei an einem öffentlichen Ort, bei der viele Kugeln fliegen, aber die Treffsicherheit zu wünschen übrig lässt –> damit der Beschützer dann aus dem Lauf heraus in einer wirklich brenzligen Situation cool einen Bösewicht mit einer Kugel olympiareif in die Ewigen Jagdgründe verfrachtet.
Gute Darsteller
Schade ist das alles, da Tobias Oertel liefert. Wortkarg und professionell zieht er seine Rolle durch, und dass er ein bisschen Emotionen zeigen darf ... nun, er spielt einen Menschen, keine Maschine. Seine neue Partnerin wird derweil von der Kölnerin Paula Essam dargestellt, in deren Schauspielprofil vermerkt ist, sie beherrsche Judo und Kickboxen. Und ja, sie agiert schlagkräftig. Was sie liefert, ist kein Ballett für die Kamera, das nennt man Austeilen.
Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Tobias Oertel ist eine sichere Bank. Er verleiht der Figur des Jan Schäfer physische Präsenz und moralische Integrität.. Auch die Ergänzung durch Paula Essam als schlagkräftige Partnerin ist ein Gewinn, ihre Kampfszenen haben eine angenehme Wucht, die sich wohltuend vom sonst oft choreografierten Fernseh-Gerangel abhebt.
Doch das Problem liegt im Fundament: Wenn man die ganz große weltpolitische Bühne betritt, darf man nicht in einem Hamburger Vorort stehen bleiben. Das Drehbuch verheddert sich im Versuch, Forschung von globaler Relevanz mit familiärer Nahaufnahme zu kreuzen. Der Wasserstoff-Plot dient am Ende nur als austauschbares MacGuffin für altbekannte Genre-Muster. Dass man Schäfer außerdem eine private Belastung in Form der Schwester aufgehalst hat, ist ein unnötiges Zugeständnis an die Konvention: Als traue man dem Zuschauer nicht zu, einem Mann zu folgen, der einfach nur professionell seinen Job erledigt.
Fazit: «Der Beschützer: Wissen, das tötet» ist kein Totalausfall, aber eben auch kein großer Wurf, den das Thema und der Hauptdarsteller verdient hätten. Für eine wirklich packende Reihe müsste man sich in Zukunft trauen, entweder die Story eine Nummer kleiner oder den Schutzapparat eine Nummer größer zu dimensionieren. So bleibt es bei kriminalistischen Durchschnitt, der vor allem durch Oertels stoische Coolness vor dem Versinken in der Bedeutungslosigkeit gerettet wird.
Anmerkung: Die reine Inhaltsangabe wurde in Teilen aus der Agenturpressemeldung zum Start des Filmes übernommen.
Am Samstag, 21. März 2026, ab 20.15 Uhr im Ersten.







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