Popcorn & Rollenwechsel

The Fast, The Furious and The Forgiving

von

In «Fast & Furious 8» prügelt und meckert sich Jason Statham höchst charismatisch durch den gebotenen Actionwahnsinn. Doch dürfen wir seine Figur eigentlich mögen? Eine Spoiler-Kolumne.


Auch wenn Dominic Toretto mit «Fast & Furious Five» zahlreiche meiner Kritikerkollegen nachhaltig von sich und seiner Familie überzeugt hat und obendrein das Massenpublikum die zuvor nur mäßig beachtete Actionfilmreihe nunmehr ganz nah an ihrem Herzen trägt: Ich zähle mich weiterhin zu den sturen Langweilern, die das «Fast & Furious»-Franchise bestenfalls durchwachsen finden. Und ich bin mir bereits bestens dessen bewusst, welche Verteidigungsargumente ich wegen dieser Haltung anbringen muss: Nein, ich habe bekanntermaßen kein Problem mit hanebüchener, waghalsiger Action. Und: Nein, nur weil ich verrückte, dumme Action in anderen Filmreihen mag, heißt das nicht, dass ich die «Fast & Furious»-Filme bedingungslos lieben muss.

Mein Hauptproblem mit der Filmreihe ist in ihren zentralen Figuren verortet – und bei den ganzen kleinen "Familien"-Dramen, die sie durchleiden: Die ganzen zwischenmenschlichen Höhen und Tiefen von Dom, Letty, Brian, Mia und Co. sind in meinen Augen weder spannend geschrieben, noch sonderlich unterhaltsam gespielt. Und so war «Fast & Furious 7» bislang mein Favorit in der Reihe, denn die Verantwortlichen haben Paul Walkers Abschiedsfilm derart mit Action, Gags und Trubel über andere, teils neue Figuren vollgestopft, dass ich für meine Geduld in den meiner Ansicht nach zäheren Passagen belohnt wurde. Teil acht legt nochmal einen drauf – zwar stimme ich noch immer nicht den Lobeshymnen einiger Fans zu, allerdings heben in «Fast & Furious 8» Kurt Russell, Jason Statham und Dwayne Johnson mit ihren spaßigen Sequenzen meine Laune jedes Mal, wenn sie zuvor durch einen stocksteifen Vin Diesel geplättet wurde.

Liest man sich online einige Meinungen zu «Fast & Furious 8», bin ich mit der Meinung, dass es eine starke Idee war, Jason Statham nach seinem Einsatz als Schurke in Teil sieben zurückzuholen, wahrlich nicht alleine. Der «Crank»- und «Transporter»-Hauptdarsteller interagiert hervorragend mit Dwayne Johnson, dessen Agent Hobbs eine Hassliebe zu Stathams Ex-Fiesling Deckhard Shaw entwickelt, und in den Actionszenen kommen sowohl Stathams markante Art, grimmig zu gucken, als auch seine Agilität sehr gut zur Geltung. Keinerlei träges Pathosgeschwätz, reines Entertainment!

Doch es gibt eine Splittergruppe des «Fast & Furious 8»-Publikums, die weniger davon begeistert ist, wie Regisseur F. Gary Gray und Drehbuchautor Chris Morgan mit Shaw umspringen.

Denn Deckhard Shaw wurde bereits in «Fast & Furious 6» als die Person offenbart, die einen anderen Fanliebling ermordet hat: Sung Kangs ständig snackenden Han, der in «The Fast and the Furious: Tokyo Drift» Fanherzen gestohlen hat und sie in Teil fünf sowie sechs der Reihe noch höher schlagen ließ. Entsprechend widerspenstig sind Hans Kumpels zu Beginn von «Fast & Furious 8», wenn Kurt Russell alias Mr. Nobody alias "Die Stimme des Drehbuchautors" behauptet, es sei zu jedermanns Besten, wenn Shaw nun mit seinen Ex-Widersachern zusammenarbeitet. Nur sukzessive tauen manche von ihnen, vor allem Dwayne Johnson alias Hobbs, Hans Mörder gegenüber auf, als sie erfahren, dass er zu Schandtaten getrieben wurde, um etwas Gutes für seine Familie zu tun – denn genau das ist ja immer und immer wieder die Motivation der Protagonisten dieser Filmreihe. Dann aber stirbt Shaw bei einem Einsatz in New York City. Ist es etwa das narrative Karma, das ihn in diesem Moment einholt?

Nein. Denn im Finale stellt sich heraus, dass Shaw gar nicht tot ist, und nun zusammen mit seinem Bruder (Luke Evans, ebenfalls ehemaliger Fiesling innerhalb der Filmreihe) vollauf überzeugt auf der Seite der Guten steht – und Dominic Torettos Baby aus den Händen der Schurkin (Charlize Theron) rettet. Kurz vorm Abspann heißen alle aus Torettos Crew Shaw warmherzig in ihrer Mitte willkommen. Ein Betrug an Han, sagen dessen innigsten Fans – Shaw dürfe man nicht verzeihen.

Nun, ich bin da opportunistisch: Die «Fast & Furious»-Filmreihe war noch nie die sinnigste. Da werden die Gesetze der Plausibilität und der Physik munter gebrochen – im Namen des Entertainments. Tja: Die Figurenriege dieser Autoactionsaga benötigt das unvergleichliche Charisma eines Jason Statham, und wenn er mehr zu tun bekommt, sobald er auf die Seite der Guten wechselt, dann soll es so sein.

Es ist trotzdem redlich, wenn Hans Fans die Reihe ernster nehmen und nicht so einfach verzeihen. Zu ihrem Glück ist sich Drehbuchautor Chris Morgan dessen bewusst. Gegenüber Entertainment Weekly verspricht dieser mit Blick auf die zwei bereits angekündigten Fortsetzungen: "Wir kennen noch immer nicht Shaws vollständige Geschichte – es gibt noch Dinge, die wir lernen werden, die richtig cool sind, sobald sie ans Licht gelangen." Er führt fort: "Wir positionieren es so, dass ein Heilungsprozess möglich ist." Es werde noch zu Anspannungen kommen, doch sobald erstmal alles enthüllt sei, werde enormer Spaß auf das Publikum warten – und letztlich Verständnis für Shaw.

Also, liebe wütende Fans: Zurücklehnen, «Fast & Furious 8» genießen und eure Wut auf Teil neun vertagen. Entweder verfliegt sie dann, oder der Versuch, sie hinfort zu pusten, misslingt. Dann dürft ihr mit aller Macht wütend sein. Aber wenn ich ehrlich bin: Für mich klingt das alles enorm nach a) "Shaw war gar nicht wirklich Hans Mörder, sondern hat dies nach dessen tödlichem Unfall behauptet, weil … Gründe!" oder sogar nach b) "Han und Shaw haben sich zusammengetan, um Hans Tod vorzutäuschen und im Finale von Teil neun taucht Han wieder auf". Wenn eine Filmreihe derart gaga und seifenopernartig ist, das machen zu dürfen – dann «Fast & Furious». Oder?

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