Hingeschaut

So pompös und doch so öde...

von

Die Premiere von «Rising Star» bei RTL war für Julian Miller eine herbe Enttäuschung. Seine Rezension:

On-Screen-Personal

  • Moderation: Rainer Maria Jilg
  • Jury: Anastacia, Joy Denalane, Gentleman und Sascha
Eines muss man «Rising Star» in jedem Fall lassen: Das Bühnenbild sieht wirklich klasse aus. Die Wand, die sich hebt, wenn 75% der Appstimmer positiv gevotet haben, macht mit ihren sieben Metern Höhe und zwanzig Metern Breite ordentlich was her, und auch der Rest des Bühnenbildes wurde mit viel Sinn für Ästhetik entworfen. Daumen nach oben, eine Runde weiter.

Doch was nützt all der Pomp, wenn der Inhalt nicht stimmt.

Und hier wiederholen sich beim deutschen Ableger von «Rising Star» all die zahlreichen Probleme, die man bereits aus der amerikanischen Fassung der Show kennt, und die einem beim israelischen Original noch nicht so ins Auge stachen.

Viel zu stark wird der Fokus auf allerhand persönliche Hintergrundgeschichten der Kandidaten gelegt: Bevor sie auch nur einen Ton gesungen haben, werden lange Homestory-Beiträge über sie gezeigt, in denen sie von ihren privaten Lebensumständen erzählen. Zwar verzichtet «Rising Star» glücklicherweise auf die pathetischen, mitleidheischenden Untertöne, die man von «DSDS» und «Supertalent» kennt, und die Einspielfilmchen sind aufgrund der Abwesenheit jedweden Vorführeffekts auch ethisch nicht zu beanstanden. Doch sie tun schlicht nichts zur Sache und nehmen unnötig viel Sendezeit in Beschlag, die man in einer Musikshow lieber mit, richtig, Musik verbringen möchte. Der Anspruch, mit den Kandidaten eine Heldenreise zu erzählen, ist zu sehr ausgeartet und verdrängt durch seine starke Präsenz das, um was es eigentlich geht: einen hervorragenden Musiker zu finden, der vornehmlich durch seine gesanglichen Qualitäten überzeugen soll.

Womit man beim nächsten Kritikpunkt wäre. Von neun Acts in der Premierenshow rissen einen vielleicht einer oder zwei vom Hocker. Der Rest war guter bis sehr guter Durchschnitt, der mal weiterkam und mal nicht. Verglichen mit dem hohen Niveau, das man von «The Voice of Germany» kennt, ist das ein schlechter Witz.

Gleichzeitig will aufgrund des Abstimmungsmodus keine abendfüllende Dramaturgie entstehen: Der Kandidat wird in einem langen Einspielfilm vorgestellt, anschließend singt er, während die Zuschauer bereits über Sieg oder Niederlage entscheiden, bevor er nach einem kurzen (oft völlig sinnfreien) Gespräch mit der Jury verabschiedet wird. Der Nächste, bitte! So geht das über zwei Stunden lang; anstatt dass ein Spannungsbogen aufgebaut würde, wiederholt sich einfach dieses Schema. Ohne erstklassige Auftritte wird das ziemlich schnell öde.

Viel bleibt von der versprochenen Casting-Innovation bei «Rising Star» nicht übrig. Denn das Echtzeit-Voting ist bei weitem keine USP, die einen all die gravierenden Defizite des Formats vergessen lassen würde. Im Konzept der Sendung steckt das Potential zu starken Fernsehmomenten – und jedes Mal, wenn sich die Wand hebt und dem jeweiligen Musiker den Blick in die Zuschauerränge freimacht, spürt man ein bisschen was von dem, was hier hätte sein können. Doch der große Rest, all dieses forcierte Storytelling, die vielen nichtssagenden Jurybeurteilungen und all der Pathos, mit dem man um sich wirft, als würde hier tatsächlich ein großer Star gefunden werden, ist Schnee von gestern. Der Stern von «Rising Star» ist noch nicht einmal aufgegangen, da sinkt er schon.

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