Interview

Diana Amft: ‚Im Synchronstudio verschmilzt man quasi mit seiner Figur‘

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Die Schauspielerin sprach für den Film «Yakari» die Figur Lindenbaum. Der Film kann derzeit nicht in den Kinos aufgeführt werden, wir sprachen dennoch mit Amft.

Bis 2011 spielte Diana Amft (44) drei Jahre lang die Ärztin Gretchen Haase, die sich in Florian David Fitz als ihren Vorgesetzten verliebt und immer wieder verkracht. Aber auch schon vorher hatte die Schauspielerin aus Gütersloh es mit Männern in Filmen wie «Knallharte Jungs» oder «Mädchen, Mädchen» nicht immer einfach gehabt. Die Rolle der stets liebeskranken Blondine schien ihr auf den Leib geschrieben zu sein. Doch darauf wollte sich Diana Amft nicht festlegen lassen und suchte sich noch andere Betätigungsfelder. 2012 wurde sie Kinderbuchautorin und als Synchronsprecherin kam sie schon vorher in Einsatz. Ein kleiner Spatz in «Stuart Little», eine riesige Frau in «Aliens vs. Aliens» und jetzt den Biber Lindenbaum in dem Kinotrickfilm «Yakari».

Wie kommt man als Schauspielerin dazu, einen Biber zu sprechen, der auch noch ein Junge ist?
Ich finde das großartig! Es ist nach «Stuart Little», in dem ich vor Jahren einen kleinen Spatzen sprechen durfte, bereits mein zweites Tier. Ich war gleich schockverliebt in Lindenbaum, der einfach so süß, quirlig und das Herz am rechten Fleck hat. So einen Biber würde ich gern öfters sprechen (lacht).

Kannten Sie «Yakari» als Comic oder TV-Zeichentrickserie schon vorher?
Tatsächlich kenne ich Yakari noch aus meinen Kindheitstagen. Ich meine, dass ich in den Achtzigern sogar ein T-Shirt oder Pulli hatte, auf dem er abgebildet war. Pferde, Wildnis, Abenteuer – das fand ja ich schon als Kind aufregend. Denn wer träumt nicht davon, mit seinem Haustier reden zu können.

Manche tun es ja trotzdem. Haben Sie ein Haustier, mit dem Sie ab und zu reden?
Ich habe selber kein Haustier, aber tatsächlich rede ich mit Tieren (lacht). Das fing an als ich mal allein mit einer Spinne war und zu ihr sagte: ‚Du und ich wissen doch ganz genau, dass du hier nicht hingehörst. Du hast dich nur verlaufen und bist auf dem Weg zu deinem Cousin. Ich weiß, du kannst mich nicht verstehen, aber es wäre richtig cool, wenn du allein wieder herausfindest.‘

So sind Sie Autorin der Kinderbuchreihe „Die kleine Spinne Widerlich geworden“. Konnten Sie dadurch Ihre Spinnenphobie überwinden?
Nein, überwunden nicht. Das muss ich jetzt so sagen, nicht das irgendein Kollege in einer Talkshow meint, er könnte so ein Wesen unterm Tisch herzaubern. Aber das Schreiben hat dennoch etwas gebracht. Ich würde einer Spinne niemals etwas antun.

Aber was tun Sie, wenn plötzlich doch eine Spinne vor Ihnen sitzt?
Das Einfachste ist zu sagen: ‚Igitt, tu‘ sie weg.‘ Aber wenn keiner da ist, habe ich natürlich ein Problem. Das war auch der Auslöser, die Bücher zu schreiben. Ich hatte überlegt, wie man den Menschen die faszinierenden Seiten einer Spinne näherbringen kann. Ich glaube, meine Angst hat sich von meiner Mutter übertragen, die immer gleich geschrien hat, wenn ihr eine Spinne begegnete.

Dann wäre als nächstes doch mal eine Spinne dran, die Sie synchronisieren. Was gibt Ihnen dieser Job eigentlich?
Das ist toll, weil man sich ohne Eitelkeit auf eine Figur einlassen kann, um zu sehen, was dabei herauskommt. Man muss sich dabei gar nicht kontrollieren und ist dann voll und ganz dieser Biber oder die Rolle der Gigantika, eine Mutantin, die ich in «Monsters vs. Aliens» gesprochen habe. Im Synchronstudio verschmilzt man quasi mit seiner Figur.

Viele mögen Ihre Stimme beim ersten Hören gar nicht…
Das kenne ich von früher, wenn ich mich selbst auf Kassetten aufgenommen habe. Für Lindenbaum konnte ich aber auch nicht vorher vorm Spiegel üben, ich musste erst sehen wie er im Film rumjubelt und schreit. Da war ziemlich schnell klar, dass er eine höhere Stimmlage kriegen muss.

Ursprünglich wollten Sie mal Sängerin werden. Inwieweit haben Sie diese Ambition noch?
In dieser stillgelegten Corona-Zeit habe ich tatsächlich angefangen, Lieder zu schreiben. Jetzt muss ich erst mal sehen, was dabei herauskommt und wo es hinführen wird. Es kann gut sein, dass ich das eine oder andere Lied an Künstlern herantragen werde. Ob ich unbedingt selber singen werde, weiß ich nicht. Es ist alles noch nicht ausgereift, aber die Leidenschaft schlummert auf jeden Fall immer noch mit.

Corona haben Sie bisher also gut meistern können?
Es ist ja schon ungewöhnlich, dass wir uns jetzt mit Masken gegenübersitzen. Verrückte Zeiten mit ungewohnten Arbeitsmaßnahmen. Ich bin natürlich dankbar, dass ich arbeiten darf, was nicht selbstverständlich ist, wenn ich mich im Freundeskreis umhöre. Erstaunlich ist aber auch, wie wandlungsfähig man ist und sich an Umstände gewöhnt.

Was drehen Sie denn momentan?
Zusammen mit Michaela May und Michael Brandner, die meine Eltern spielen, entstand in München gerade die ZDF-Produktion «Glück Reloaded». Es ist eine Generationskomödie mit den alltäglichen Sorgen und Abenteuern. Während Corona ist es tatsächlich schon mein dritter Film – unfassbar! In diesen Zeiten brauchen wir gerade Filme, die uns Mut machen und uns mit wieder mit schönen Sachen konfrontieren, in der Hoffnung, dass wir da bald wieder alle hinkommen.

Sie wurden in Gütersloh geboren, wohnen Sie aber schon seit vielen Jahren in Berlin…
Das hat sich so ergeben, weil es die Stadt ist, in der berufsmäßig am meisten passiert. Ich habe auch lange in München gewohnt, mittlerweile hat es fast meinen ganzen Freundeskreis nach Berlin gezogen.

Heißt das, Sie fühlen sich in Berlin wohl?
Ich wohne zwar mittendrin, bin aber wegen meines Berufs viel unterwegs. Zuletzt in München, davor in Köln. Auf dem Alter bin ich sowieso raus, um mich im Szene-Berlin herumzutreiben. Meistens treffe ich mich mit Freunden, man kocht man zusammen und anschließend macht man einen Spieleabend. Das finde ich nach wie vor toll.

Ihre Privatleben ist tabu. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Das war von Anfang an meine Entscheidung, das so zu handhaben. Ich möchte niemand verurteilen, der es anders macht, aber wenn man sich dafür entscheidet, sollte es auch akzeptiert und respektiert werden. Dafür verzichte ich auf sämtliche Vorteile. Ich muss jetzt nicht für eine Küchenmaschine werben. Lieber spare ich zwei Jahre darauf, werde dann aber in meiner Privatsphäre in Ruhe gelassen.

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