Sportcheck

Bekommt die Bundesliga ein ernsthaftes TV-Rechte-Problem?

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Die Verhandlungen für die Übertragungsrechte ab der Saison 2021/22 wurden verschoben. Zudem weigert sich Eurosport den laufenden Vertrag weiter abzuzahlen und droht aus dem noch laufenden Vertrag auszuscheiden. Außerdem im Blick: Virtueller Radsport, Eishockey-TV-Rechte und vieles mehr.

Wäre alles normal gelaufen, hätte die Vergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte ab der Saison 2021/22 bis 2024/25 in der vergangenen Woche in die heiße Phase gehen sollen. In einem fiktiven Szenario hätte der nächste Milliarden-Deal für die Profiklubs und die Deutsche Fußball Liga (DFL) schon unter trockene Tücher gebracht worden sein könne. Stattdessen kam Corona dazwischen und nun so steht sogar die Zukunft des modernen Fußballs in den Sternen. Welche Summen werden überhaupt noch fließen? Wie weit müssen die Erwartungen zurückgeschraubt werden? Fragen über Fragen, während der Spielbetrieb noch auf Eis gelegt ist und andere Probleme im Vordergrund stehen. Realität ist, das seit Wochen nicht mehr gespielt wird. Den Klubs geht das Geld aus und auch die TV-Partner stehen finanziell nicht perfekt da. Die Medienrechte-Auktion scheint da in weite Ferne gerückt. Das richtungsweisende Projekt für eine gesicherte Zukunft der Bundesliga musste daher bis auf weiteres verschoben werden; zunächst auf einen noch nicht näher benannten Termin im Juni.

Wie es mit der Bundesliga in naher und ferner Zukunft weitergehen wird, ist alles andere als sicher. Von den aufgeschobenen Verhandlungen wird viel abhängen. Wann der optimale Zeitpunkt dafür ist, weiß niemand. Auch die Medienunternehmen müssen erst einmal abschätzen können, wie schwer die (finanziellen) Folgen durch die Krise ausfallen werden und wie viel sie demnach überhaupt bieten können. Interesse ist von vielen Seiten da, die Rechte immer noch heiß begehrt. Doch wer kann sich die teure Fußball-Blase nach Corona überhaupt noch leisten?

Wirbel um Eurosport


Nachdem sich inzwischen abzeichnet, dass die Bundesliga zeitnah wieder spielen kann – wenn auch vor leeren Rängen – und die Verantwortlichen damit eigentlich schon genug mit der konkreten Umsetzung und Vorlage eines sicheren Hygiene-Konzeptes zu tun haben, scheint nun noch weitere Arbeit auf die DFL hinzuzukommen. Denn nicht nur der Blick auf den kommenden TV-Vertrag bereitet Probleme, sondern auch der, auf den Aktuellen. So steht eine aktive Partnerschaft zwischen der Liga und dem Fernsehen momentan wohl auf wackligen Beinen.

In den zurückliegenden Wochen hatte die DFL bekundet, dass man sich mit fast allen TV-Partnern bezüglich der Zahlung der TV-Gelder einig geworden sei. Insbesondere Sky habe flexibel reagiert und seine Summe früher als eigentlich fällig bezahlt. Doch das Wort „fast“ ließ schon aufhorchen. Da in Medien zu lesen war, dass auch ARD und ZDF Geld überwiesen haben, war klar, dass es vermutlich beim kleineren Pay-TV-Paket mit den Rechten an den Freitags-, Montags- und frühen Sonntagsspielen klemmt. Eurosport hatte das 45 Matches umfassende Paket im Sommer 2016 erworben, die Rechte dann aber nach zwei Spielzeiten lieber an DAZN sublizensiert. Rund 70 Millionen Euro ist das Paket offenbar wert.

Inzwischen gibt mehren sich Gerüchte, wonach diese 70 Millionen nicht gezahlt werden und Eurosport mit Berufung auf ein Sonderkündigungsrecht wegen höherer Gewalt sogar aus dem aktiven Vertrag aussteigen möchte, notfalls per Gerichtsverfahren, so wollen es SportBild und FAZ erfahren haben. Der Vorgang wäre eigentlich folgender: DAZN als letztlicher Verwerter der Bilder zahlt seinen Anteil an Eurosport. Das sollen pro Saison um die 40 Millionen Euro sein. Zudem verbreitet DAZN die Eurosport-Programme inzwischen bekanntlich auf seiner Plattform, diesen Wert miteingerechnet, fälllt der Fehlbetrag, den quasi Eurosport zuschießen muss, nicht mehr so hoch aus. Doch, so berichten es Medien weiter, Eurosport hat noch nicht gezahlt. Offenbar wiegt der finanzielle Verlust durch die Verschiebung der Olympischen Spiele, die in diesem Sommer nicht stattfinden können, sehr schwer. Zuletzt musste Discovery, hinter denen Eurosport steht, einen neuen Kredit aufnehmen.

Spekulationen zufolge bereitet man sich bei der DFL deshalb auf alle Szenarien vor. Sollte eine tatsächliche Kündigung Spruchreif werden, müssten die Rechte im Eilverfahren neu ausgeschrieben werden; theoretisch könnte DAZN dann bei einer angemessenen Zahlung direkter Rechtepartner von der DFL werden. Oder ein anderes Unternehmen, etwa Amazon oder MagentaSport, schlägt zu. Auch Das Erste wird inzwischen gehandelt. Auf jeden Fall käme im “Worst Case”, Eurosport steigt tatsächlich aus dem aktiven Vertrag aus, eine weitere Herausforderung auf die Verantwortlichen für die baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs hinzu.

Die Frage der Woche


In der vergangenen Woche drehte sich alles um die besagte bevorstehende Wiederaufnahme der Fußballspiele - kein einfaches Thema. Die Bevölkerung ist gespalten hinsichtlich der Einschätzung, ob die Bundesliga eine Sonderbehandlung bekommen sollte oder nicht. Das zeigte sich auch in unserer Umfrage. Während 45,2 Prozent der Meinung sind, dass die Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine gute Sache sei, erachten 54,8 Prozent das Risiko für zu hoch - definitiv kein klares Ergebnis. Zudem wird unter den Fans immer mehr der Protest laut, dass Geisterspiele ohne Zuschauer im Stadion den Sport ad absurdum führen und deshalb lieber gar nicht gespielt werden sollte. Um die Existenz zahlreicher Profivereinen zu sichern, führt jedoch wohl kein Weg an der baldigen Fortsetzung des Spielbetriebs vorbei. Nach Plänen der DFL wird Ende Mai wieder für das TV gespielt. Deshalb unsere Frage:
Werdet ihr die letzten neun Spieltage der Saison vor Geisterkulisse im TV verfolgen?
Ja, ich bin froh wenn wieder gespielt wird.
44,5%
Ja, eigentlich hege ich Bedenken. Aber am Ende kann ich mich dem Fußball (doch) nicht entziehen.
19,3%
Nein, ich boykottiere es. Die Bundesliga sollte keine Sonderbehandlung bekommen.
36,2%

Eurosport und GCN zeigen e-Radsport


Für Hardcore-Fußball oder - Motorsportfans ist die virtuelle Verlegung ihrer Lieblingssportart seit Ausbruch der Corona-Pandemie schon längst Alltag geworden. Jedes Wochenende findet zum Beispiel die #BundesligaHomeChallenge oder der virtuelle F1-Grand-Prix statt, auch mit echten Profis, die in der Sportpause spontan zu den virtuellen Ablegern gewechselt sind. Mit dabei sind nicht nur Webplattformen, sondern auch deutsche TV-Sender. Ab dieser Woche kommen auch Radsportfans in den Genuss, ihrer Sportart virtuell sowohl im linearen TV als auch im Web live mitzuverfolgen. Denn Eurosport und das Global Cycling Network (GCN) übertragen von Montag bis Freitag (5. bis 8. Mai) die Exhibition-Rennserie von Zwift: „Tour for All".

Die „Tour for All" ist ein Profi-Radrennen über fünf Etappen, das auf der virtuellen Plattform von Zwift stattfindet und an dem sowohl Frauen- als auch Männer-Teams der World Tour teilnehmen. Zusammen mit dem Kommentatoren-Duo Gerhard Leinauer und Jörg Ludewig ist Eurosport täglich ab 15 Uhr live im Free-TV sowie im Eurosport Player live dabei. Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Eurosport und GCN wird jede Etappe auf den Eurosport-Plattformen live gezeigt und weltweit über das digitale GCN-Netzwerk gestreamt. Zusätzlich wird es Highlights in der GCN-Show und auf den sozialen Netzwerken geben.

e-Radtour für den guten Zweck


Neben Spaß und Unterhaltung für Fans des Radsports steht hinter der “Tour for All” auch ein guter Zweck. Denn mit dem Turnier wird eine einmonatige, wohltätige Spendenaktion gestartet, bei der Zwift insgesamt 125.000 US-Dollar an „Ärzte ohne Grenzen" (Médecins Sans Frontières) und seinen Krisenfonds COVID-19 spendet. Außerdem können weitere 125.000 US-Dollar freigeschaltet werden, sobald 250.000 Menschen eine Etappe der „Tour for All" absolviert haben. Zwift-User sollen dazu ermutigt werden, an der Spendenaktion teilzunehmen, indem sie die gleichen Strecken wie die Profis fahren können.

Erste österreichische Eishockeyliga hat neuen Free-TV-Partner gefunden


Lange hatte ServusTV in Österreich die Übertragungsrechte der höchsten Eishockey-Spielklasse gehalten. Mit dem Ausstieg der “Ersten Bank” und dem nötigen Sponsorenwechsel und Umgestaltung der Liga war jedoch schon abzusehen, dass ServusTV sich nicht mehr um die Übertragungsrechte reißen würde. Zuletzt waren dadurch noch der ORF und ProSiebenSat.1-PULS-4-Gruppe, die ihr Sport-Portfolio immer weiter ausbauen möchte, im Rennen. Seit Sonntag haben Eishockey-Fans in Österreich Gewissheit, die ProSiebenSat.1-PULS-4-Gruppe hat den Zuschlag bekommen und zeigt nun neben American Football und der Fußball UEFA Europa League auch Eishockey. Puls24 wird die Berichterstattung übernehmen und ab Herbst 2020 Free-TV-Heimat der österreichischen Eishockeyliga. Die Pay-TV-Rechte liegen dagegen weiter bei Sky.

Teil des neuen Deals ist ein Live-Spiel pro Woche exklusiv frei empfangbar über den neuen Sender Puls24. Dazu kommen Highlights der übrigen Partien. Das Rechtepaket gilt auch für den größeren und bekannteren Schwestersender Puls4, sodass einzelne Übertragungen prominenter Spiele auch dort möglich sind. Zudem sollen die Livespiele über die TV-Streamingplattform zappn.tv abrufbar sein, genauso wie auf der Website von Puls24. Der neue TV-Vertrag läuft zunächst ein Jahr mit Option für drei weitere Spielzeiten, wie der Sender gegenüber der „Krone Zeitung“ bestätigte.

Sky Sport News: Musik soll jungen Menschen Mut machen




Zum Abschluss unseres dieswöchigen Sport-Checks findet noch eine schöne, kreative Idee des Virtual Youth Orchestras Erwähnung. Viele Sportfans werden den Klang im Video sofort wiedererkennen. Es handelt sich um das musikalische Thema von Sky Sport News. Mit der digitalen Interpretation der bekannten Titelmelodie möchten die insgesamt 330 Jugendlichen aus aller Welt auf den positiven Einfluss von Musik auf das Wohlbefinden junger Menschen während des hart zu verkraftenden Lockdowns aufmerksam machen.

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