Hintergrund

Spiegel.de-Zahlen brechen ein

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Die Website Spiegel.de verzeichnete im Januar 2020 eines der schlechtesten Ergebnisse der vergangenen Jahre. Mit dem umfassenden Relaunch hat man womöglich zu viele Steine versetzt.

Verglichen mit dem gedruckten Spiegel fällt die Geschichte von „Spiegel Online“ kurz aus. Das Nachrichtenportal startete am 25. Oktober 1994 und etablierte sich innerhalb wenigen Jahren zu einer der wichtigsten Webseite im deutschsprachigen Internet. Die Seite wird von Der Spiegel GmbH & Co. KG vertrieben, ein Tochterunternehmen der Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG. Obwohl die Redakteure bei Spiegel Online mehr Menschen erreichten als der gedruckte Spiegel, waren die Journalisten lange Mitarbeiter zweiter Klasse.

Spiegel Online wies über viele Jahre lang ein exorbitantes Wachstum aus. Im Jahr 2000 erreichte man nur knapp 20 Millionen unterschiedliche Nutzer pro Monat, im vergangenen Jahr verbuchte man – wie seit drei Jahren in Folge – etwa 240 Millionen Besucher. Spiegel Online ist ein Erfolg und mit dem Jugend-Ableger bento kopierte man dieses noch einmal. Bento war kein großer qualitativer Wurf, allerdings wurden die Artikel durch die Hauptseite von Spiegel Online stark beworben. Das führte zu großartigen Klickzahlen, weshalb das Projekt ein Erfolg sein dürfte.

Im Sommer 2016 versuchte der Spiegel-Verlag erstmals, seine Website außerhalb von Werbebannern zu monetarisieren. Die User hatten die Möglichkeit einzelne Artikel von Spiegel Online zu erwerben. Knapp zwei Jahre später wurden Spiegel Plus, Spiegel Daily und die digitale Ausgabe zum heutigen Spiegel+ zusammengelegt. Die Bezahlfunktionen machten einen guten Eindruck, der gedruckte Spiegel war digital verfügbar. Die altehrwürdige Marke hat den Sprung ins Digitale geschafft.

Am 8. Januar 2020 war es endlich soweit: Ein Tag der großen Veränderung stand an. Um Webseiten-Besucher nicht zu vergraulen, gibt es im Internet keine vollständigen Website-Relaunches mehr. Die Chefredaktion, besetzt durch Steffen Klusmann, Dr. Barbara Hans und Clemens Höges, entschied sich aber für volles Risiko: Statt den Namen und die Farben anzupassen, wurde bei Spiegel Online alles bewährte über den Haufen geworfen.

Diese Blauäugigkeit muss sich der Spiegel jetzt teuer bezahlen lassen, denn die Besucherzahlen stürzten nach dem Relaunch massiv ab. Am letzten Tag von Spiegel Online erreichte das digitale Nachrichtenmagazin nach Informationen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) noch 36,1 Millionen Aufrufer, am Tag des Relaunchs sank die Zahl auf 26,4 Millionen. Am zweiten Tag vom reinen Online-Spiegel fuhr man nur noch 20,9 Millionen Visits ein. Auch die weiteren Vergleichszahlen wie vom 15., 22., und 29. Januar offenbaren, dass fast die Hälfte der Leser fehlen. Nur noch zwischen 19,2 und 20,8 Millionen Pages Impressions erreicht Spiegel.de.

Im Januar 2019 wurden bei der IVW noch 402,4 Millionen Seiten von Spiegel Online ausgewiesen, im Dezember erreichte die Website noch 308,2 Millionen Aufrufe. Der Januar holte nur noch 193,7 Millionen Aufrufe. Der Relaunch von Spiegel Online führte zu einem massiven Reichweitenverlust. Diese Entwicklung stellte schon Meedia fest, denn laut der Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (agof) büßte das Portal ebenfalls ein. Vom Rekord-Oktober 2019 mit 3,96 Millionen Unique Usern ging es auf nun 3,67 Millionen hinab.

Ob der Spiegel Verlag mit dem neuen Angebot zufrieden ist, weiß man nicht. Seit Januar 2020 ist Spiegel+ noch umfangreicher in das Design eingebunden. Schlussendlich hat der Spiegel als privatwirtschaftliches Unternehmen das Ziel, Gewinne auszubauen und nicht die IVW-Charts zu dominieren. Insofern können diese Zahlen nur die halbe Wahrheit abbilden.

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