Sportcheck

Bleibt die Champions League künftig Bezahlware?

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Das Champions-League-Finale am Samstag war nur bei Sky zu sehen, das damit einen großen Erfolg feierte. Wird so die Zukunft der Königsklasse aussehen? Außerdem: News und Quoten aus dem Sportfernsehen.

Wie sieht die TV-Zukunft der Champions League aus?


Sporthighlights der kommenden Woche

  • täglich mehrmals: Tennis, French Open (Eurosport)
  • Mittwoch, 20.30 Uhr: BBL-Halbfinale, ALBA Berlin - Baskets Oldenburg Spiel 2 (Sport1/MagentaSport)
  • Freitag, 20.45 Uhr: Eröffnungsspiel der Frauen-Fußball-WM, Frankreich - Südkorea (ZDF)
  • Samstag & Sonntag, 13 Uhr: DTM aus Misano (Sat.1)
  • Samstag, 20.45 Uhr: Fußball EM-Quali, Weißrussland - Deutschland (RTL, live)
  • Sonntag, 20 Uhr: Formel 1 - Großer Preis von Kanada (RTL/Sky)
  • Sonntag, 20.45 Uhr: UEFA Nations League, Finale (ZDF, live)
  • Der Quotenmeter.de-Exotentipp: Mittwoch, 18.40 Uhr - Handball-Länderspiel der Frauen, Deutschland - Kroatien (Sport1)
Stell dir vor, es ist CL-Finale und keiner schaut zu. Gut, ganz so schlimm war es dann doch nicht am Samstagabend, aber vergleicht man die Zahlen von 2019 mit denen aus 2018, ist der Unterschied gewaltig. Knapp zwei Millionen messbare Zuschaue verfolgten Liverpools Sieg gegen Tottenham am 1. Juni 2019. Ein Jahr vorher hatte das Team von Jürgen Klopp noch Real Madrid im Finale unterlegen - damals sahen über zehn Millionen Menschen zu.

Fußball-Fans wissen natürlich längst den Grund dafür, denn viele von ihnen schauten am Samstagabend in die Röhre. Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit war das Champions-League-Finale nicht im Free-TV zu sehen, weil das ZDF die Rechteausschreibung an Sky verlor, das bis 2020/2021 pro Saison knapp 200 Millionen Euro für exklusive Pay-TV-Übertragungen zahlt. DAZN, das etwa 100 Millionen Euro davon übernimmt, durfte das Finale ebenfalls übertragen, veröffentlicht aber keine Abrufzahlen. Zusammen mit den Übertragungen bei Sky Sport und Sky 1 dürfte die Reichweite dennoch nur in etwa ein Viertel dessen gewesen sein, was mit dem Champions-League-Endspiel im vergangenen Jahr noch möglich gewesen war.

Mindestens zwei weitere Spielzeiten muss das ZDF also zähneknirschend ausharren, ehe die Königsklasse wieder im Free-TV laufen könnte. Derweil muss der öffentlich-rechtliche Sender auch die ständige Kritik von Bundesliga-Bossen wie Uli Hoeneß aushalten, die die Champions League wieder im Free-TV wissen wollen. Umso bitterer für das Zweite: Bei Sky explodierten die Zuschauerzahlen förmlich. Von 0,76 Millionen im vergangenen Jahr stieg die Zuschauerzahl auf 1,90 Millionen an. In der Zielgruppe verbesserte Sky sich von 6,0 auf 16,1 Prozent und holte damit sogar den besten Wert aller deutschen Sender in der Zielgruppe.

Fußball-Fans waren gezwungen, sich am Samstag mit Bekannten abzusprechen, die ein Sky-Abonnement besitzen. Auch Sportsbars dürften einen größeren Zulauf verspürt haben als im vergangenen Jahr. Dennoch hoffen gerade Gelegenheitszuschauer natürlich darauf, dass die Champions League spätestens im Spätsommer 2021 wieder im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein wird.

Die Chancen dafür stehen nicht besonders gut. denn die Summen, die das ZDF dafür aufbringen müsste, sind für die Mainzer Anstalt nicht darstellbar. Für die Übertragung je eines Spiels pro Woche, wie zuvor auch, lag die Schmerzgrenze des ZDF bei kolportierten 70 Millionen Euro. Das war der UEFA zu wenig. Auch weil sich der öffentlich-rechtliche Sender aus Rundfunkgebühren finanziert und derart hohe Ausgaben für Sportrechte kaum vermittelbar sind, spricht vieles gegen eine ZDF-Rückkehr 2021. Höchstens bei einem Finale mit deutscher Beteiligung würde das geltende Medienrecht aufgrund des großen öffentlichen Interesses eine Ausnahme gestatten.

Sollte die Champions League ins Free-TV zurückkehren, wandert sie wahrscheinlicher zu einem Privatsender. Besonders die RTL-Gruppe bemühte sich in den vergangenen Jahren um Fußball-Rechte, die mit Spielen der Nationalmannschaft aber bereits große Löcher in die Geldbörse brennen. Des Weiteren gewöhnen sich die Fans trotz aller anhaltenden Kritik langsam an das Model Bezahlfernsehen, insbesondere bei Paket-Modellen oder erschwinglichen Gebühren wie DAZN sie anbietet, weshalb die Pay-TV-Anbieter bis in zwei Jahren womöglich bereits so viele Abonnenten gewonnen haben, dass eine Verlängerung der Rechte für sie noch leichter fällt als jetzt.

DAZN zeigt America Cups


Die Kontinental-Meisterschaften Amerikas im Fußball finden diesen Sommer eine Heimat bei DAZN. Das gab der Sport-Streaming-Dienst auf Twitter bekannt. Gemeint sind einerseits die Copa America des südamerikanischen Verbands Conmebol, an der als auch der Concacaf Gold Cup, bei dem die Länderauswahlen aus Nord- und Mittelamerika den Titel unter sich ausmachen. Die Dauer beider Turniere ist die gleiche - an beiden Wettbewerben nehmen je 16 Teams teil. Allerdings beginnt die Copa America schon einen Tag früher. Der Südamerika-Cup wird sich daher vom 15. Juni bis zum 7. Juli erstrecken, der Gold Cup vom 16. Juni bis zum 8. Juli.

Futsal ergänzt Angebot von sporttotal.tv


Die Fußball-Spielart Futsal erfreut sich hierzulande immer größerer Popularität. Davon will künftig sporttotal.tv profitieren, weshalb das Sportangebot Futsal zu seinem Angebot hinzufügt. Dabei beschränken sich Übertragungen zunächst auf Spiele des VfL 05 Hohenstein-Ernstthal. Dort installierte der Anbieter Kamerasysteme, sodass sporttotal.tv künftig Fußball- und Futsal-Spiele vom ansässigen Sportzentrum aus übertragen kann. Die Kamerasysteme steuern sich vollautomatisch. Spiele des VfL 05 können sowohl live als auch on demand in der App von sporttotal.tv abgerufen werden.

Sky hat die “Vision 2024”


Unter dem Titel “Vision 2024” will sich Sky Sport News HD einer Themenwoche zur Zukunft des deutschen Fußballs widmen. Fünf Jahre dauert es noch, bis die DFB-Auswahl wieder eine Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land spielt - und das ein Jahr nach dem kläglichen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland. Wie sieht also die Zukunft dieser großen Fußballernation aus? Um diese Frage zu erörtern, lädt sich Sky ab dieser Woche verschiedene Experten nach Ismaning ein. Am Montag ist ab 19 Uhr Stefan Leitl, der Trainer von Freuther Fürth zu Gast. Am Dienstag erscheint ab 18 Uhr Sané-Entdecker Norbert Elgert im Studio, ehe am Mittwoch um 18 Uhr Ex-Bayern-Trainer Andries Jonker seine Expertise abgibt. Ebenfalls jeweils ab 18 Uhr widmen sich die SSN-Reporter am Donnerstag und Freitag erst einem Pro-und-Contra-Duell zum Thema Investoren, ehe sich eine weitere Sendung schwerpunktmäßig mit Digitalisierung im Fußball befasst.

Frage der Woche


Die Absenz der UEFA Champions League im Pay-TV ist ein Reizthema für Fußball-Fans, von denen viele die Königsklasse unbedingt wieder im Free-TV sehen wollen. Doch aus marktwirtschaftlicher Sicht und aus Verantwortung gegenüber dem Gebührenzahler äußern viele Beobachter Bedenken, dass ein neuer Rechteerwerb Sinn macht. Was meinen Sie?
Das ZDF zahlt seine Sportrechte aus Rundfunkgebühren. Doch wie weit soll die Anstalt für den Gebührenzahler gehen - auch solche, die Fußball nicht brauchen?
Das ZDF muss CL-Spiele ins Free-TV zurückholen - koste es, was es wolle!
11,0%
Das ZDF sollte sich weiter um die teuren CL-Rechte bemühen, aber nicht um jeden Preis.
33,0%
Das ZDF sollte den Bieterzirkus nicht mitmachen und lieber anderswo sinnvoller investieren.
56,0%


Champions Corner blüht zum CL-Finale auf


Das Champions-League-Finale war für Sky ein voller Erfolg. Nicht nur die Zahlen der Live-Übertragung konnte der Pay-TV-Sender dabei vervielfachen, auch das diese Saison installierte Talk-Format «Champions Corner» blühte nach dem Liverpool-Erfolg auf. 190.000 Zuschauer blieben nach den Jubelszenen und der Siegerehrung dran, womit Sky 1,1 Prozent verbuchte und damit das beste Ergebnis des von Florian Schmidt-Sommerfeld moderierten Formats in dieser Saison.

MotoGP überzeugt bei ServusTV


Seit dieser Saison läuft die MotoGP bei ServusTV, was nicht alle Fans der Rennserie glücklich stimmt. Der Sender aus Österreich überträgt nämlich nicht den vollen Umfang an Trainings, Qualifying und Rennen, weshalb DAZN in die Bresche sprang und sich ebenfalls Rechte sicherte. Dass ServusTV mit der Rennserie trotzdem gut über die Runden kommt, bestätigte sich am 2. Juni erneut. Dort fand das bislang sechste Saisonrennen in der Toskana statt, das 410.000 Menschen verfolgten. Insgesamt entsprach das 3,7 Prozent Marktanteil. Ab 14 Uhr waren auch 150.000 junge Menschen mit von der Partie, was zu 4,4 Prozent in diesem Segment führte und damit aus ServusTV-Sicht zu sehr zufriedenstellenden Zahlen.

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