Hingeschaut

«1:30»: Die neue Wundertüte von ProSieben

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Mit «1:30» kommt eine neue Showidee von Stefan Raab ins Fernsehen, die viel Abwechslung zu bieten hat – und dadurch unberechenbar ist.

Teddy Teclebrhan – bei diesem Namen wird man wohl am ehesten an den legendären Integrationstest (Stichwort: Angelo Merte) denken, der vor rund acht Jahren zum Klickhit wurde. Kurze Zeit darauf gewann der Entertainer das erste «TV Lab» von ZDFneo – damals war jener öffentlich-rechtlicher Sender ja tatsächlich noch eine Art Spielwiese für neue Formate und noch nicht zu einer Abspielstation für ZDF-Krimis verkommen. Nach einer Staffel 2012 war damals aber schon wieder Schluss mit «Teddy’s Show». Nun meldet sich Teddy bei ProSieben mit «1:30» zurück; der „schnellsten Entertainment-Show Deutschlands“, produziert von niemand geringerem als Stefan Raab (Raab TV).

Dabei steht Teddy aber nicht alleine im Mittelpunkt, der Star des Formats ist vielmehr das frische und einfache Konzept: Jedes Show-Element darf nur eine Minute und 30 Sekunden lang dauern. Im Hintergrund sieht man im optisch ansprechenden Backstein-Studio immer die Zeit runterlaufen. Als Erstes versucht sich «jerks.»-Schauspieler Fahri Yardim an einer Reihe von albernen Zaubertricks – dabei ermahnt er hin und wieder das Publikum vor Ort, doch bitte nicht so viel zu klatschen. Die Zeit, sie tickt ja hier schneller als woanders.

Hier steckt viel Abwechslung drin


Wer jetzt denkt, bei «1:30» ginge es vornehmlich um Comedy, der irrt: Denn hier werden zwischendurch auch einfach mal Flirt-Tipps gegeben oder aber Mark Forster darf ein Ständchen halten. «1:30» bietet zudem Platz für Nachwuchs-Comedians. Wo ein Teddy früher eben bei «TV total» seine ersten Auftritte hatte, könnte nun «1:30» eine Art Sprungbrett für neue Talente werden.

Es gab bei ProSieben 2016 schon einmal eine Show, bei der unter Umständen alles relativ schnell ging: «Applaus und Raus». Der elementare Unterschied hierzu ist aber, dass bei «1:30» eben wirklich jeder genau diese Zeit hat und somit in gewisser Weise Chancengleichheit für die Show-Gäste besteht, die Länge der Auftritte ist nicht willkürlich von der Laune eines provokanten Moderators abhängig. Bei «1:30» kann also viel ausprobiert werden, Hit & Miss ist das Motto. Man weiß schließlich nie, was als Nächstes kommt, der Überraschungs-Faktor ist ein weiterer Bonus für «1:30».

Das Konzept ist Fluch und Segen zugleich


Steckbrief

Daniel Sallhoff stellt sich am Wochenende den Wecker, um die Einschaltquoten vom Vortag zu analysieren. Riskiert in so gut wie jede Fernsehsendung einen Blick. Liebt gute US-Serien und hat ein Faible für gepflegten TV-Trash. Ist auch bei Twitter vorzufinden. Hört noch dazu gerne Musik. Und normalerweise redet er nicht von sich selbst in der dritten Person.
Natürlich kann nicht jeder Beitrag überzeugen, man denke etwa an die Schminktipps einer YouTuberin oder an ein Seilspring-Duell mit einem Zuschauer. Trotzdem: Es ist doch so, dass das deutsche Fernsehen oft für seinen fehlenden Mut zum Ausprobieren kritisiert wird. „Einfach mal machen lassen“, das wünscht man sich viel häufiger. Insofern kann eine Show wie «1:30» nur guttun. Und wenn mal etwas nicht so gut wie erhofft ist, dann wartet man eben einfach die kurze Zeit ab und greift im Zweifelsfall zum Second-Screen. Zur Not ist ja auch noch Teddy da, der das Ganze im Nachgang auflockern kann. Ein bisschen «Teddy’s Show» steckt dann eben doch drin; so sind zum Auftakt auch Beiträge von Teddy zu sehen, in denen er in seine bekannten Rollen Antoine und Percy schlüpft.

«1:30» kommt unterm Strich reichlich kurzweilig daher und dürfte sich besonders gut auch im Internet konsumieren lassen. Dort lassen sich die kurzen Clips schließlich wunderbar ausspielen, etwa über den YouTube-Kanal von MySpass. In Zeiten von einer immer geringer werdenden Aufmerksamkeitsspanne und allerlei Instagram-Stories sicherlich ein nicht unbedeutender Vorteil.

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