Die Kritiker

«8 Tage»

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In 8 Tagen ist alles vorbei. Rette sich wer kann. Hochkarätig besetzt erzählt die neue Serie von Sky und NeueSuper das Schicksal mehrerer Familien kurz vor dem Einschlag eines Asteroiden. Die Zeit läuft. Welche Überlebensstrategien entstehen? Was wird am Ende wirklich wichtig? Und: Kann die Produktion mit den vorangegangenen Sky-Serienknüllern mithalten?

Cast & Crew

  • Darsteller: Mark Waschke, Henry Hübchen, Devid Striesow, Fabian Hinrichs, Christiane Paul, Nora Waldstätten u.a.
  • Buch: Rafael Parente, Peter Kocyla, Benjamin Seiler
  • Regie: Stefan Ruzowitzky, Michael Krummenacher
  • Kamera: Benedict Neuenfels, Jakob Wiessner
  • Musik: David Reichelt
  • Produktion: NeueSuper
Chaos. Angst. Wut. Hoffnung. Aggression. Freude. Angst. Chaos. Was passiert, wenn wir wissen, dass unsere Lebenserwartung nicht mehr bei weiteren 50 oder 60 Jahren liegt, sondern noch bei acht Tagen? Wenn jede vorbeistreichende Minute also so viel Wert ist wie sonst ganze Monate? Die vierte Sky-Deutschland-Eigenproduktion «8 Tage» entwirft ein Szenario, das alle Figuren bis an die Grenzen der Belastungsfähigkeit und wohl weit darüber hinaus bringt.

Ein Meteor, 60 Kilometer groß, rast auf Europa zu. Sind die Wissenschaftler zunächst noch sehr optimistisch, dass sie ihn zerschießen können, droht nun der Einschlag. Kasachstan soll es direkt treffen. Weite Teile Europas, darunter auch Deutschland, werden in einer Woche nicht mehr bewohnbar sein. Was nicht direkt getroffen wird, wird in eine Staubwolke eingehüllt sein, die sämtliches Leben unmöglich macht.

«8 Tage» entwirft freilich ein Szenario, das als äußerst unrealistisch gilt. Es ist aber eins, das in ähnlicher Form durchaus sehr präsent und real ist. Im echten Leben ist es kein Meteor, der Leben von normalen und gut situierten Menschen zerstört und sie zur Flucht zwingt. Im echten Leben, da sind es vom Himmel fallende Bomben, die todbringend sind. In Afrika oder in Syrien mussten und müssen Menschen alles aufgeben, um ihr Leben zu retten – genauso, wie in der Sky-Serie nun Uli, Susanne, Leonie oder Herrmann davonlaufen müssen. Beispiele gibt es dafür viele – Krieg, in Syrien etwa. Oder im 19. Jahrhundert das durch einen Vulkanausbruch ausgelöste „Jahr ohne Sommer“, das etliche Tote erforderte.

In der kommenden Sky-Serie begleitet der Zuschauer mehrere Figuren auf ihrer Flucht – alle haben, das stellt sich heraus – irgendwie etwas mit einander zu tun. Die Handlung steigt ohne jegliche Verzögerung ein. Ärztin Susanne und ihr Mann, Physiklehrer Uli, wollen nach Russland fliehen. Doch die Grenzen sind längst dicht – Russland nimmt keine Flüchtlinge mehr auf. Die Kameras begleiten die Otto-Normal-Familie auf ihrer Flucht entlang an Eisenbahnlinien und durch Wälder. Einen anderen Plan hat Susannes Bruder Herrmann. Er ist Regierungsbeamter und entsprechend privilegiert. Ihm winkt die Ausreise in die USA, doch am Flughafen treten Probleme auf. Es geht um seine hochschwangere Frau, die auf dem Papier aber noch nicht ordnungsgemäß seine Frau ist. Chaos. Angst. Wut. Hoffnung.

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Mit einem "HickJack" der Titelseiten vier großer Tageszeitungen machte Sky in der zurückliegenden Woche PR für die neue Serie. Mehr dazu hier.
Kann man sich vor dem Mega-Meteor vielleicht in einem Bunker schützen? Die Hoffnung hat Klaus, hervorragend und intensiv gespielt von Devid Striesow. Ausgerüstet mit allem, was man für einen längeren Aufenthalt braucht, will Klaus mit seiner Tochter Leonie in dem unterirdischen Bau überleben. Doch Leonie hat andere Pläne. Ihr gelingt die Flucht. Sie will lieber nochmal feiern und Spaß haben. Feiern und Spaß haben – das wollen auch andere. Die öffentliche Ordnung ist längst zusammengebrochen, überall liegt Müll, es drohen Plünderungen. Polizist Deniz ist einer der letzten Ordnungshüter, die noch auf das Enthalten des Rechts achten.

Nach dem krimilastigen Ausflug in die Historie Berlins («Babylon Berlin»), dem packenden und actiongeladenen «Das Boot» und der mystischen Krimiserie «Der Pass», stellt Sky mit seinem neuen Werk einmal mehr unter Beweis, dass der in München ansässige TV-Sender zur Zeit Deutschlands Serienproduzent mit der mit Abstand höchsten Qualitätsdichte ist. «Acht Tage» ist ebenso aufwändig umgesetzt wie spannend erzählt und von der Thematik her ungewöhnlich. Der Serie gelingt es quasi sofort, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Dabei hilft auch die zu Grunde liegende Geschichte, die eine Erzählstruktur zufolge hat, die einst schon großen US-Serien half. Es ist klar: In acht Tagen soll der Meteor kommen. Passiert das wirklich? Wer überlebt? Wer nicht?

So schnüren die Autoren Rafael Parente, Peter Kocyla und Benjamin Seiler eine Story, die von Episode zu Episode packender und dramatischer wird. Ab Folge zwei sehen die Zuschauer in den ersten Sequenzen Rückblicke. Wie war das „normale“ Leben vor 30 Tagen, vor 320 Tagen? Und dann der Kontrast zum Hier und Jetzt. Wut. Angst. Immer wieder Chaos. Verzweiflung. Hoffnung. Die volle Bandbreite. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, überrascht aber nicht. Sky und NeueSuper, das schien schon bei Bekanntwerden der Produktion zu passen wie die Faust auf’s Auge: Die kleine Produktionsfirma steht für bis ins allerletzte Detail liebevoll gezeichnete Figuren. Ihr gelang mit «Hindafing» ein Mega-Coup. Auch wenn sich beide Formate nicht vergleichen lassen; «8 Tage» hat ebenfalls das Zeug dazu, die deutsche Serie 2019 zu werden.

Natürlich, die Serie hat auch kleinere Schwächen: Manches Rollenprofil mag sehr den erwartbaren Stereotypen entsprechen – der Beamte Herrmann etwa, der sich mit seinen dicken Geldscheinen einen Vorteil zu erschaffen versucht. Seine – natürlich – schwangere Freundin. Oder die Partygirls. Figurenentwicklung im erwartbaren Rahmen stand zudem zuletzt (Kritiker-)Erfolgen nicht im Wege, wie etwa «The Good Doctor» zeigt. Möglich also, dass die Serie kein realistisches Abbild eines Deutschlands acht Tage vor einer Zerstörung zeichnet. Aber mit Sicherheit ein im Ansatz mögliches.

Wie kein anderer Sender hat Sky zudem erkannt, wie wichtig ein guter Score für eine Produktion sind. Noch jetzt hat man die sinnliche Melodie von «Babylon Berlin» im Ohr, genauso wie das mystische Stück zur Serienversion von «Das Boot». Ähnlich eingänglich, aber deutlich hektischer und abrupter ist derweil der Sound von «Acht Tage».

Mit seiner vierten Serien-Eigenproduktion unterstreicht Sky Deutschland einmal mehr seine Rolle als Serien-Powerhouse für die komplette Sky-Gruppe und nun eventuell sogar für Comcast. Dem Anspruch, ausschließlich hohe Qualität zu liefern, wird man auch bei der NeueSuper-Produktion wieder einmal gerecht. Und das war wichtig: Nach «Das Boot» und «Der Pass» ist «Acht Tage» die dritte Sky-Deutschland-Serie in diesem Winter – und vorerst die letzte. Neuer Serienstoff folgt erst wieder im Herbst. «Acht Tage» muss und wird also bleibenden Eindruck hinterlassen, nicht zuletzt dank der großartigen Stimme der jungen Sopranistin Caroline Adler.

Brillante Darsteller um Christine Paul, Devid Striesow und Fabian Hinrichs machen «Acht Tage» zu einem spektakulär-spannenden Drama, das zugleich zum Nachdenken anregt. Flucht kann eben jeden betreffen. Die Guten, die Bösen, die Reichen. Wenn die Gefahr droht, dass alles zerstört wird, dann ist Chaos.

Sky1 zeigt «8 Tage» linear ab Freitag, 1. März um 20.15 Uhr. Ab dann ist die Serie auch über Sky On Demand abrufbar.


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