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Feel-Good-Fernsehen: Zum Scheitern verurteilt?

von   |  14 Kommentare

Die Idee, mit Feel Good-TV zu überzeugen, ist bei Sat.1 und RTL nicht neu. Woran liegt es, dass all die Daytime-Neustarts von «Genial daneben - Das Quiz» bis hin zu «Die Superhändler» dieser Tage nicht so recht in die Spur finden wollen?

Als Sat.1-Chef Kaspar Pflüger Anfang Juni den neuen Vorabend seines Senders bewarb, fiel ein Begriff, der sich dieser Tage großer Beliebtheit erfreut: Feel-Good-Fernsehen. "Nach einer intensiven Entwicklungs- und Testphase sind wir jetzt für diesen Timeslot mit mehreren Formaten in unterschiedlichen Genres hervorragend aufgestellt. Egal ob Magazin, Comedy oder Serie - das Programm wird Feel-Good-Fernsehen für die ganze Familie", sagte der Geschäftsführer damals. Feel Good Fernsehen - oder: Das neue alte Zauberwort für die Daytime.

Was hinter Feel Good-TV steckt


Klar ist, dass die neuen Feel Good-Formate bei Sat.1 und auch bei RTL in erster Linie für bessere Quoten sorgen sollen. Viele Scripted Realities schaffen das längst nicht mehr. Daneben geht es aber auch ums Image. Eine Daytime, die von Blaulicht-Geschichten wimmelt und in der reichlich gestritten wird, mag zwar noch den einen oder anderen Zuschauer anlocken. Ein allzu attraktives Werbeumfeld bieten Scripted Realities den Sendern aber nicht. Für viele Unternehmen dürfte es schlicht spannendere Möglichkeiten geben, ihre Produkte zu bewerben.

Insofern ist es löblich, dass RTL und Sat.1 in den letzten Tagen und Woche eine ganze Reihe an neuen Formaten gestartet haben. Wirklich neu ist die Idee von Feel Good in der Daytime aber nicht, wie ein Blick in die jüngere Vergangenheit beweist.

Wie Feel Good in der Vergangenheit funktioniert hat


RTL etwa wollte sich bereits vor einigen Jahren von den Scripted Realities lösen. 2014, als Formate wie die «Betrugsfälle» und Co ihren Zenit längst überschritten hatten, startete der Kölner Sender um 14 Uhr «Bei Anruf Liebe» (Bild links). Wir bei Quotenmeter.de schrieben über das Format damals, dass es den „Reigen an Schrei-Formaten im RTL-Nachmittagsprogramm beendet“. Wirklich zutreffend war diese Einschätzung im Nachhinein allerdings nicht, denn die Sendung musste aufgrund schlechter Quoten schon nach drei Wochen das Feld räumen. Kurz darauf übernahmen wieder die «Verdachtsfälle».

Ganz ähnlich erging es den Sat.1-Magazinen «Pin» und «Push», die mittlerweile schon knapp sechs Jahre zurückliegen. «Push» setzte ebenfalls bewusst auf positive Themen, doch auch das Vorabend-Magazin des Bällchensenders wurde von den Zuschauern relativ schnell abgestraft. Einige Monate später kam mit «K11 - Kommissare im Einsatz» ein Format zurück, das gewiss nicht in die Kategorie Feel Good zählt. Und dennoch: Aus Quotensicht betrieben die «Kommissare» - ganz ähnlich wie die «Verdachtsfälle» bei RTL-– zumindest Schadensbegrenzung. Die dauerhafte Lösung des Problems blieb aber aus, der quotentechnische Befreiungsschlag gelang Sat.1 bekanntlich nicht.

Wie sich Feel Good dieser Tage schlägt


Einen neuen Anlauf wagt Sat.1 nun seit Juli mit «Genial daneben – Das Quiz» und «Endlich Feierabend!». Die Bilanz der beiden Vorabend-Formate fällt bislang aber ernüchternd aus: «Endlich Feierabend!» schafft es um 18 Uhr bislang noch nicht einmal ansatzweise, den Erfolg des «Frühstücksfernsehens» in den Vorabend zu holen. Am Mittwoch fiel die Quote sogar auf besorgniserregende 3,7 Prozent. Warum dem so ist? Bei allem inhaltlichen Lob scheint es, als fehle dem Format eine eigene Linie. Ein «Frühstücksfernsehen» am Vorabend mag sich spannend anhören, wird von den Zuschauern aber offenbar nicht so ohne weiteres akzeptiert.

Ganz ähnlich verhält es sich bei «Genial daneben - Das Quiz». Die Sendung teilt zwar nicht ganz den Charme des Mutterformats, dennoch ist auch die tägliche Balder-Show ordentlich produziert. Größtes Problem dürfte beim Vorabend-Ableger von «Genial daneben» aber wieder die fehlende eigene Handschrift sein. Stichwort eigene Handschrift: Das Problem ist auch RTL zuzuschreiben. Bei «Die Superhändler-– 4 Räume 1 Deal» handelt es sich zwar um ein äußerst nettes Format - doch auch dieses ist in der deutschen TV-Landschaft eben nur ein Mitläufer im derzeitigen Trödel-Fieber. Mit durchgehend einstelligen Marktanteilen hat es den Durchbruch in Woche eins noch nicht geschafft und hinkt «Bares für Rares» um Längen hinterher. Die neue 17 Uhr-Serie «Freundinnen» hatte es in den ersten Tagen ähnlich schwer.

Ist das Installieren von Feel Good-Formaten in der Daytime also ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen?


Gewiss nicht. Ein Blick zu ProSieben beweist, dass hohe Zuschauerzahlen durchaus auch abseits von Blaulicht-Formaten zu holen sind. Dass die längst eingestellte Sitcom «Two and A Half Men» sowie die in Dauerschleife gezeigten «Big Bang Theory»-Folgen weiterhin erfolgreich sind, mag an einem gewissen Kultfaktor liegen. Die zahnlose Konkurrenz durch RTL und Sat.1 dürfte ProSieben in den letzten Jahren aber zweifelsfrei in die Karten gespielt haben.

Ein zweites positives Beispiel ist VOX. Der Privatsender entschied sich vor einigen Jahren dazu, «Verklag mich doch!» aus dem Nachmittagsprogramm zu verbannen - und das obwohl die Sendung mit ausgedachten Fällen gar nicht so schlecht lief. Rückblickend war es aus Sicht von VOX aber eine goldrichtige Entscheidung. Mit eigenen Formaten wie der «Shopping Queen» oder «4 Hochzeiten und eine Traumreise» erreicht der Kölner Sender schon seit Jahren starke Quoten. Das Besondere dabei ist, dass VOX bei der Etablierung seiner Formate keinem Trend hinterher gelaufen ist. Stattdessen setzte der Sender auf eigene Ideen - und das Publikum belohnte es.

Von daher sind RTL und Sat.1 am Nachmittag und Vorabend vor allem zwei Dinge zu wünschen. Zum einen ein langer Atem, den bereits viele Formate gebraucht haben, um ein richtiger Erfolg zu werden. Zum anderen sind aber auch weitere innovative Ideen gefragt. Produktionen, die keinem Trend hinterherrennen - sondern im Idealfall sogar einen neuen Trend begründen

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Sentinel2003
02.09.2018 15:07 Uhr 1
Da kann man bei diesem Artikel schon auf deine Überschrift antworten.....durch Netflix und Co hat sich das Fernsehverhalten sehr vieler Menschen masiv verändert! Das bekomme ich auch durch fb mit.....wieviele Menschen schon früh am Tage Serien und Filme Sehen....





Vielen Menschen interrssieren zumindest die Daytime der Privaten kaum bis garnicht mehr, da man eben bei den Streaminganbietern doch zur gleichen Zeit viel geileres sehen kann, nämlich Serien und Filme.
Vittel
02.09.2018 15:39 Uhr 2
Die bezahlten Streamer wie Netflix sind ja nur ein Aspekt, die Youtuber darf man nicht vergessen.

Auch wenn viele hier (ich ebenso) mit Bibi&Co. rein gar nichts anfangen können und es uns auch nicht interessiert, aber die z.B. innerhalb von 4h heute erreichten 492 Tsd. Abrufe des neuen Videos "Unser großer Umzug!" von Bibi müssen erst mal angesehen werden.



Ein Klick in die deutschen Youtube Trends zeigt "PrankBrosTV", noch nie gehört, aber auch 400k Abrufe in 24h.

"Survival Mattin" baut "GEHEIMTUNNEL", 346k Abrufe in 48h



Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Feel-Good-TV.



Jeden Tag sterben rein statistisch ca. 2500 klassische TV Zuschauer (fast eine Million pro Jahr) und der Nachwuchs kann mit klassischem TV oft nicht mehr viel anfangen.
Familie Tschiep
02.09.2018 16:36 Uhr 3
Ich glaube, dass mit einer guten Ideen auch Feel-Good-Tv funktioniert, es sieht man an Bares für Rares. Es sehen ja auch ein paar Leutchen aus der Zielgruppe.

Warum strahlen sie um 19 Uhr nicht das Genial daneben -Original aus, anstatt eine Wer weiß denn sowas-Kopie zu machen?
Sentinel2003
02.09.2018 19:23 Uhr 4
@Familie Tschiep: nun, ein paar Leutchen ist gut....ob "Bares für Rares" wirklich auch für die Zielgruppe ist??



Ich mit meinen 51 Jahren finde diese Sendung jedenfalls total staubtrocken und kann dem nichts abgewinnen....und, so werden das wahrscheinlich auch viele in deer Zielgruppe Sehen....oder vielleicht auch nicht.
Familie Tschiep
02.09.2018 22:00 Uhr 5
Viele finden es nicht staubtrocken. In der RTL-Zielgruppe hat Bares für Rares auch meistens über 12 Prozent, es taucht immer in den Top 5 des ZDF auf der RTL Teletextseite 891 auf.
FloMü
03.09.2018 22:42 Uhr 6
Ich als grundsätzlicher RTL-Symphatisant sage: Nachdem die Kölner sich ihren Ruf am Nachmittag über Jahre hinweg mit den unsäglichen Betrugs-, Verdachtsfällen und Blaulicht-Reports ramponiert haben, erwartet dort heute niemand „Feel-Good-TV“ am Nachmittag. Wer TV wie „Bares für Rares“ mag, schaut ZDF und braucht den RTL-Klon nicht. Innovation am Nachmittag ist leider weiter Fehlanzeige bei RTL. Wobei der Ansatz von den Scripted Realitys wegzukommen löblich und zwingend erforderlich ist. Ich befürchte allerdings, dass bald doch wieder „Familien im Brennpunkt“ und co. als kleineres Quotenübel herhalten müssen.
FloMü
03.09.2018 22:48 Uhr 7
Da der 17-Uhr-Sendeplatz wohl bald wieder vakant ist, hier meine Überlegung: Zum 20-jährigem Jubiläum der Quizshow gibt es täglich um 17 Uhr die „Wer wird Millionär-Classics“, je Folge ein anderes Thema, z.B, die größten Pechvögel, die mutigsten Kandidaten, die besten Promi-Teilnehmer, etc. Gesprickt mit Kommtaren von Kandidaten, Promis und Jauch persönlich. Wäre mit Sicherheit eine Quotensteigerung um 17 Uhr mit drin.
second-k
03.09.2018 23:56 Uhr 8


Schlag das doch RTL vor (falls keiner von denen hier mitliest)! Genug Material gäbe es sicherlich nach all den Jahren für eine gewisse Zeit.
second-k
04.09.2018 00:11 Uhr 9


Aha, endlich mal jemand, der die Quoten auch regelmäßig verfolgt ;-)



Es ist schon beeindruckend, wie die Sendung Tag für Tag ihre 25% Marktanteil holt... Wobei die Top-5-Liste im RTL-Text sich ja nach der Gesamtreichweite richtet. Aber wahrscheinlich ist das Format auch in der sogenannten Zielgruppe eins der erfolgreichsten.



Ich sehe darin auch einen Beleg dafür, dass das klassische Fernsehen nicht grundsätzlich und nicht komplett "tot" ist. Es mag durch die Vermehrung der Sender und das Internet schwieriger geworden sein, hohe Quoten zu erreichen, aber punktuell gelingt es noch. Es muss offensichtlich etwas Innovatives sein, das den Nerv vieler Zuschauer trifft und nur oder primär im Fernsehen zu sehen ist, wie es bei "Bares für Rares" der Fall ist.



Ich finde übrigens schon den Titel der Sendung sprachlich toll und wohltuend im Kontrast zu aus meiner Sicht schlimmen englischen Titeln wie "I can do that"!
FloMü
04.09.2018 08:16 Uhr 10
Das hab ich in der Tat schon mal RTL vorgeschlagen, damals zur Zeit des „Berlin Models“-Desasters. Als Rückmeldung kam lediglich eine E-Mail, dass man sich bei Fragen zum Programm an die RTL-Zuschauerredaktion wenden kann.

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