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«Endlich Feierabend»-Moderator Daniel Boschmann: „Unsere Zuschauer dürfen auch gerne mal mit dem Kopf schütteln“

von   |  1 Kommentar

Im Exklusiv-Interview erklärt der 37-Jährige, wie Sat.1 das Gefühl vom «Frühstücksfernsehen» in den Vorabend transportieren will, wieso Meinung so wichtig ist und wieso er sich trotz zahlreicher zurückliegender Magazin-Flops am Vorabend dennoch voller Elan in das Projekt stürzt.

Zur Person: Daniel Boschmann

Der gebürtige Hildesheimer begann seine Karriere beim Hessischen Rundfunk: Vor neun Jahren debütierte er bei der jungen Welle YouFM, 2014 wechselte er dann rüber zu hr3. 2012 folgte seine erste große TV-Sendung, das Sat.1-Quiz «Ab durch die Mitte», das nicht lange überlebte. Mitte 2016 übernahm Boschmann schließlich die Nachfolge von Jan Hahn im «Sat.1 Frühstücksfernsehen».
Daniel, wie schwer fiel Ihnen kürzlich der Abschied vom «SAT.1-Frühstücksfernsehen» nach zwei Jahren des Früh-Aufstehens?
Ehrlich schwer. Das waren emotionale Tage, weil man jetzt einen anderen Weg geht als die ganzen tollen Kollegen. Marlene Lufen und ich haben als Moderations-Team gepasst wie Arsch auf Eimer. Das sind schon bewegende Momente, wenn diese Zeit vorbei ist. Zum Glück produzieren wir «Endlich Feierabend!» am gleichen Ort und können uns so jetzt immer den Staffelstab übergeben. Ich komme gerade ins Büro, wenn die Morgen-Crew sich verabschiedet, wir herzen und drücken uns noch kurz und dann startet mein Arbeitstag.

Das «Frühstücksfernsehen» ist – mit teils 20 Prozent am Morgen – weiter Marktführer bei den Privaten. Was ist das Erfolgsrezept?
Es geht viel um die Art und Weise, mit der wir unsere Themen behandeln. Alles passiert bei uns in größtmöglicher Anarchie, es sind keine „Rollen“, in die wir Moderatoren schlüpfen. Wir sind echt und wir geben dem Zuschauer Liebe und allgemein ein gutes Gefühl zum Start in den Tag. Jede Sendung ist bei uns einzigartig, weil sie immer im Jetzt stattfindet und wir quasi immer den Moment abbilden. Viele andere lassen diese Anarchie im Fernsehen nicht zu. Aber genau durch diese sind wir nah am Leben der Zuschauer, wir sind eine Schulter zum Anlehnen. Wichtig ist auch, dass wir Meinung bei uns in der Sendung zulassen – und nicht darauf bedacht sind, dass immer alle einer Meinung sind. Die Zuschauer dürfen ruhig auch mal mit dem Kopf schütteln.

Es ist kein Geheimnis, dass man dieses Gefühl vom Morgen nun in den Feierabend transportieren will.
Genau. Um 18 Uhr hat man dann den Arbeitstag hinter sich und geht zum Feierabend über. Mir gefällt das Wort Feierabend, das gibt es so in wörtlicher Übersetzung auch in kaum einer anderen Sprache. Wir begrüßen den Zuschauer jetzt zurück zu Hause, wir zeigen ihm, was er während seiner Arbeit verpasst hat. Und wir sind ein Programm für die ganze Familie. Das ist uns wichtig: Kinder können uns bedenkenlos auch schauen. Wir werden, wenn wir mal über Kriminalfälle berichten, nicht vom Tatort senden und die Tatwaffe zeigen. Wir sprechen vielleicht mit der Mama des Täters. So wollen wir auch schwere Themen anders transportieren.

Sie haben vorhin die Anarchie angesprochen. Magazine in der bisherigen Form zeichnen sich durch möglichst kompakte Anmoderationen verschiedener Beiträge aus. Ich vermute mal stark, bei Ihnen wird die Stoppuhr nicht ganz so streng mitlaufen?
Richtig. Auch wir haben zwar an der ein oder anderen Stelle nur kurze Moderationen, dafür gibt es aber auch größere Flächen. Wir sind da gewollt anders als bekannte Magazine – weil: Wir sind gar kein Magazin. Wir verstehen uns als Info-Show. Wir haben ein tolles Studio gebaut mit verschiedenen Sets – der Zuschauer soll sich auch bei uns im Studio zu Hause führen. Es gibt einen Herd, eine Wohnküche, eine Couch-Ecke, hinten raus sieht man das abendliche Berlin, wir haben Fotorahmen, die wir bespielen können. Wir haben echte Möbel, in denen wir quasi während der Sendung auch leben. Auch hier versuchen wir die Transformation von Dingen, die morgens gut klappen, in den Abend.

Thema Info-Show: Wie politisch wird es denn in Zeiten, in denen Asyl, Trump und Putin eine wichtige Rolle spielen?
Wir werden in unserer Sendung einen Nachrichtenblock haben, in dem wir auch kompakt informieren. Aber wir wollen keine Nachrichtensendung sein. Die «SAT.1 Nachrichten» laufen um 19.55 Uhr. Wir brechen die Themen eher herunter. Wenn sich Trump und Putin treffen, fragen wir uns, ob Trump mal wieder alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann. Wenn Putin beim WM-Finale seinen Gästen keinen Schirm anbietet, fragen wir uns, was einen guten Gastgeber ausmacht. Wir wollen hier eine klare Stellung beziehen und freuen uns auch, wenn unser Publikum mal anderer Meinung ist.

Ähnlich wie beim «Frühstücksfernsehen» ja auch nicht jeder mit der Meinung von Claus Strunz übereinstimmt.
Es ist doch gut, dass jeder seine eigene Meinung hat. Ich widerspreche da auch gerne. Bei «Endlich Feierabend!» glaube ich auch, dass Annett Möller und ich an einigen Stellen sicherlich unterschiedliche Sichtweisen haben werden.

Ich weiß, dass alle voll hinter uns stehen. Dass sie wissen, dass Menschen am Feierabend feste Rituale auch in Bezug auf die Fernsehnutzung haben und dass wir jetzt Tag für Tag daran arbeiten werden, dass «Endlich Feierabend!» in möglichst vielen Haushalten das neue Ritual wird.
Daniel Boschmann über die Rückendeckung seitens der Sat.1-Chefetage
Sie sagen ja, dass Sie kein klassisches Magazin sein wollen. Aber dennoch muss ich nach diversen SAT.1-Magazin-Flops am Vorabend fragen. Sie werden die Historie ja sicherlich kennen.
Ihre Frage ist legitim. Ich weiß das. Und es war dennoch eine bewusste Entscheidung von mir, das zu machen. Sehen Sie: SAT.1-Chef Kaspar Pflüger selbst hat mich gefragt, ob ich die Sendung moderieren möchte. Er hat mir sehr früh von seiner Vision des neuen Vorabends erzählt. Ich weiß, dass alle voll hinter uns stehen. Dass sie wissen, dass Menschen am Feierabend feste Rituale auch in Bezug auf die Fernsehnutzung haben und dass wir jetzt Tag für Tag daran arbeiten werden, dass «Endlich Feierabend!» in möglichst vielen Haushalten das neue Ritual wird. Wir machen das mit breiter Brust. Wir alle hier haben größte Freude für dieses tolle Produkt auf diesem tollen Sender zu arbeiten. Wir wollen gerne das neue Zuhause der Menschen am Feierabend werden.

Das heißt: Die Stimmung im Privatfernsehen ist heute besser als vielleicht vor zwei oder drei Jahren.
Das mag sein. Sehen Sie: Ich habe fast eine Dekade lang öffentlich-rechtliches Radio gemacht. Beim Radio hat man schon in den 80ern gesagt, dass das Medium tot sei. Aber die Sender senden alle immer noch und wir haben jetzt 2018. Manchem Sender geht es sogar besser als damals.

Wie viel Mut macht der starke Start von «Genial Daneben – Das Quiz»?
Die Sendung ist zu Recht so gut gestartet, weil es ein tolles Produkt ist. Ich sehe in den Zahlen aber noch etwas, das uns allen Mut macht. Veränderungen werden von den Zuschauern eben doch noch angenommen.

Letzte Frage: Was war vor ziemlich genau sechs Jahren?
Da gab es in SAT.1 ein ambitioniertes, junges Quizformat, das vermutlich zu schnell abgesetzt wurde.

Genau: Am 20. Juli lief die letzte Folge von «Ab durch die Mitte», obwohl das Format mit dem damals noch TV-unerfahrenen Daniel Boschmann in der Spitze über neun Prozent in der Zielgruppe geholt hat.
Ja, das Beispiel zeigt aber auch: Einzelne Sachen sind zwar verschwunden, meine Beziehung zu SAT.1 aber hält und hält und hält...

Danke für das Gespräch.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
29.07.2018 12:09 Uhr 1
Die RBB Regional Sendung "zibb" um 18.30 ist ja auch live....mal Sehen, wer dann die Nase vorne hat in den nächsten Wochen....

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