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Kosacks neues Aufgabenfeld: Ein gut aufgestelltes Sat.1?

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Ab morgen ist Joachim Kosack alleine für Sat.1 verantwortlich – in welcher Form übernimmt er Sat.1 von Andreas Bartl wirklich? Worauf muss er nun sein Hauptaugenmerk richten?

Am Dienstag hat Joachim Kosack seinen ersten Arbeitstag als neuer, alleiniger Chef des Privatsenders Sat.1. Vor allem die deutschen Fiktion-Produzenten haben die Mitteilung des Kanals, dass die Wahl des neuen Senderchefs auf ihn fiel, mit großem Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Kosack selbst kommt vom Theater, hat jahrelang für Dramen wie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» oder «Hinter Gittern» gearbeitet, kämpfte selbst gegen die Krise der deutschen Serie mit «R.I.S.» an und weiß, wie sehr sich die Branche nun über Erfolge wie «Doctor’s Diary» oder «Danni Lowinski» freut. Passend dazu wurde auch publik, dass Sat.1 für 2012 gleich vier neue deutsche Serien in Auftrag gegeben hat. Sein Vorgänger, der Interims-Chef Andreas Bartl, erklärte er übergebe Joachim Kosack ein gut aufgestelltes Sat.1.

Damit hat er Recht – die Primetime hat Bartl von seinem glücklosen Vorgänger Gudio Bolten kräftig saniert. Unter seiner Leitung funktionierten am Freitagabend plötzlich zum Beispiel die Familienshows – zahlreiche neue sind hier in der Pipeline. Um den Montag- und Dienstagabend muss man sich ebenso wenig Sorgen machen wie um den Mittwoch, der wegen den unregelmäßigen Champions League-Übertragungen derzeit ohnehin nicht mit nur einem Genre bespielbar ist. Abgesehen vom etwas schwächeren US-Serien-Donnerstag und einem sich manchmal schwer tuenden Spielfilm-Line-Up am Samstag ist Sat.1 in der Primetime also in der Tat gut aufgestellt.

Nun wäre es sicherlich zu einfach, dass Kosack diese Erfolge einfach nur verwalten muss. Seine erste große Aufgabe wird zum Beispiel die erfolgreiche Einführung des neuen Casting-Hits «The Voice» sein, von dem sich Sat.1 am Freitagabend viel verspricht. Die Programmierung auf zwei Sendern birgt aber durchaus auch Gefahren – und da liegt es an der Chefetage und natürlich der Kommunikations- und Marketingabteilung diese zu minimieren. Kosack kann im Showbereich auf etablierte Sendergeschichter wie Johannes B. Kerner, Ulla Kock am Brink (Foto) oder Harald Schmidt zurückgreifen; sie stehen für das „neue“ Sat.1, das Andreas Bartl in den vergangenen Monaten gebastelt hat.

Aber: Bartl hat sich ausschließlich um das Hauptabendprogramm gekümmert; Kosacks Aufgabe wird es sein, die Daytime des Senders auf Spur zu bringen oder in dieser zu halten. Da wäre beispielsweise der 15.00 Uhr-Slot, der im Frühjahr 2012 vakant wird. «Richterin Barbara Salesch» hört auf – doch wer soll sie beerben? Wagt man eine Scripted Reality und somit den Angriff gegen RTL oder setzt man auf ein völlig neues Umfeld? Und: Wird das auch quotentechnische Auswirkungen auf die angrenzenden Formate «Zwei bei Kallwass» und «Richter Alexander Hold» haben? Immerhin - so ist zu hören - mit einer klassischen Courtshow um 15.00 Uhr wird bei Sat.1 nicht mehr geplant.

Natürlich wird sich Kosack in diesen Punkten mit Andreas Bartl, der weiterhin Chef von ProSiebenSat.1 Deutschland TV ist, intensiv beraten, letztlich hat er die neue Programmierung aber zu verantworten. Sat.1 braucht einen erfolgreichen Nachmittag, um das aktuelle Quotenniveau zu halten. Gut wäre auch ein erfolgreicher Vorabend, wie er zuletzt von Roger Schawinski mit «Verliebt in Berlin» geprägt wurde. Daran wagte sich Andreas Bartl nämlich nicht. «K 11» (Foto) scheint weiterhin eher ein Auslaufmodell zu sein, die Quoten lagen im halbwegs zufriedenstellenden Bereich; größere Sprünge über den Senderschnitt sind von der Ermittler-Doku aber nicht mehr zu erwarten. Sorgen macht immer häufiger auch «Anna und die Liebe», das sich mit Staffel drei zu weit von seinem Urkern entfernt und bis jetzt noch nicht wieder dort hin gefunden hat. Die Einführung des neuen Liebespaars Nina und Luca ließ die Quoten für wenige Folgen ansteigen, in der zurückliegenden Woche krachten sie dann teilweise auf 7,7 Prozent (den drittschwächsten Wert des Jahres 2011) in der Zielgruppe.

Die Produktion bis Herbst 2012 wurde kürzlich beschlossen, doch muss sich die neue Sat.1-Leitung durchaus fragen, ob man sich von dem Format wirklich noch einen herausstechenden Erfolg verhofft. Beantwortet man diese Frage mit „Ja“ muss von Senderseite darauf gepocht werden, dass das Autorenteam sich wieder an der Tonalität orientiert, die während der zweiten Staffel für durchgehend rund 13 Prozent Marktanteil sorgte. Die Arbeit von Joachim Kosack wird also nicht nur am Erfolg der neuen deutschen Serien und der Sat.1-Primetime gemessen – ein nicht unwichtiger Punkt wird sein, die Daytime des Münchner Senders zukunftsfähig zu machen. Und das ist wahrlich kein leichtes Aufgabenfeld.

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