Wochenquotencheck

Immer öfter unter Senderschnitt: «Verdächtig» rückt auf die Anklagebank

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Nicht nur in dieser Woche, sondern im gesamten Januar kam die Scripted-Reality in Sat.1 kaum mehr auf einen grünen Zweig. Der Sender muss allmählich aufpassen, sich keine Quotenleiche heranzuzüchten.

Überblick der «Verdächtig»-Formate

  • «Wahrheit...»: 9 Folgen, Mär 2016, damals noch um 16 Uhr
  • «Wolloscheck...»: 50 Folgen in drei Staffeln (Jun 16, Okt-Dez 16, seit Jan 17)
  • «Lazar...»: 5 Folgen, Aug 2016
  • «Knopf & Team...»: 27 Folgen in zwei Staffeln (Sep 16, Dez 16-Jan 17)
  • «...Schulhof»: 2 Folgen (Dez 2016)
Die vollständigen Titel: «Die Wahrheit liegt im Verborgenen», «Detektei Wolloscheck deckt auf», «Detektei Lazar ermittelt», «Knopf & Team übernehmen» und «Einsatz auf dem Schulhof»
Gleich vier Stunden seines Nachmittagsprogramms bestückt Sat.1 nun schon seit einiger Zeit mit der Scripted-Reality-Marke «Auf Streife» - und die eine Stunde zwischen 16 und 17 Uhr, die bislang noch ohne weitere erfundene Polizeieinsätze auskommt, wird mit den artverwandten Formaten «Verdächtig» und «Schicksale» bestückt. Während jedem TV-Idealisten, der seinen Konsum nicht auf den bloßen Hintergedanken ausrichtet, möglichst viel Lebenszeit möglichst substanzarm hinter sich zu bringen, angesichts dieses Aufgebots schlichtweg die Finger- und Fußnägel kräuseln, galt lange Zeit das Motto: Die Quoten stimmen, der Sender hat alles richtig gemacht. Mittlerweile muss man das zumindest auf dem täglichen 17-Uhr-Slot aber auch ein wenig in Frage stellen, wo seit knapp einem Jahr diverse «Verdächtig»-Ableger derzeit gar nicht mal so erfolgreich laufen.

Woran es ganz aktuell vor allem mangelt, ließ sich bereits am Montag sehr gut beobachten: Mit 1,14 Millionen Zuschauern und 6,9 Prozent Marktanteil lief es beim Gesamtpublikum noch einigermaßen solide, in der werberelevanten Zielgruppe gingen dagegen 0,26 Millionen mit gerade einmal 5,9 Prozent einher - ein viel zu schwacher Wert für einen Sender, der hier normalerweise bei knapp neun Prozent rangiert. Eine deutliche Steigerung auf 0,36 Millionen und 8,5 Prozent am Dienstag bei gleichzeitig fast unveränderten 1,15 Millionen und 7,2 Prozent insgesamt offenbarte zwar, dass es auch deutlich besser geht, doch schon die Mittwochsausgabe fiel anschließend wieder klar auf 6,9 Prozent bei 0,31 Millionen zurück. Dieser Zickzack-Kurs setzte sich auch am Donnerstag angesichts von 7,9 Prozent bei 0,34 Millionen fort, wenngleich an diesem Tag der Aderlass gegenüber den «Auf Streife»-Ausstrahlungen besonders deutlich war. Die kamen nämlich zwischen 14 und 17 Uhr noch mit weitaus besseren 10,7 bis 14,2 Prozent weg.

Blickt man zurück auf die Gesamt-Performance im Januar, dann stehen insgesamt zwar zumindest recht solide sieben Prozent aller Fernsehenden bei einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von etwa 1,2 Millionen auf dem Papier. Beim jungen Publikum dagegen schwankten die Werte nicht nur erheblich zwischen 4,1 und 9,1 Prozent, sondern es standen unterm Strich auch gerade einmal noch 6,8 Prozent als durchschnittlicher Monats-Marktanteil auf dem Papier. Besonders bitter: Nach ohnehin schon nicht tollen 7,3 Prozent für «Knopf & Team» in der ersten Monatshälfte rutschte die daueraufklärerische «Detektei Wolloscheck» ab dem 16. Januar sogar noch klar auf nur noch 6,5 Prozent ab - und kam nur zwei Mal überhaupt dem Senderschnitt nahe (8,5 Prozent), während im Gegenzug vier von zwölf Folgen weniger als sechs Prozent generierten.

Warum hält Sat.1 dann zumindest bisher noch so beharrlich an dieser Marke fest, wenn die Einschaltquoten doch eher schlecht als recht sind und über Dinge wie Imagepflege und die Erarbeitung eines guten Rufs bei derartigen Inhalten ohnehin gar nicht erst diskutiert werden muss? In erster Linie, weil die mehrheitlich miesen Quoten noch ein recht neues Phänomen sind: Bis Anfang Dezember nämlich, als ebenfalls Wolloscheck um 17 Uhr auf Zuschauerjagd ging, lag man damit meist noch auf sehr solidem Niveau und kam etwa im November an immerhin fünf Tagen auf zweistellige Marktanteile zwischen 10,1 und 12,4 Prozent. Erst der Testlauf von «Einsatz Deutschland» Mitte Dezember fuhr zwar durchaus akzeptable Werte ein, brachte gleichzeitig aber das «Verdächtig»-Label ins Wackeln, das danach nicht mehr recht auf die Beine kommen wollte.

Dass es durchaus auch richtig gute Zeiten gab, zeigt sich besonders gut bei einem Rückgriff darauf, wie Wolloscheck und «Knopf & Team» einst aus den Startlöchern gekommen waren: Die ersten fünf Einsätze im Juni vergangenen Jahres waren noch auf durchschnittlich neun Prozent Gesamt-Marktanteil gelangt, in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hatten damals klar über zehn Prozent im Schnitt gelegen - gleich drei der fünf Episoden waren auf richtig gute 11,0 bis 11,9 Prozent gelangt. Knopf & Team übernahmen dann zum Start in die neue TV-Saison im September nicht ganz so stark, konnten mit in aller Regel rund acht bis neun Prozent aller bzw. etwas höheren Werten bei den jüngeren Zuschauern aber ebenfalls punkten.

Das derzeit doch reichlich holprige Abschneiden stellt die Programmverantwortlichen aber vor eine Herausforderung: Abwarten und auf bessere Zeiten hoffen, die vielleicht nicht mehr kommen oder schnell handeln, bevor sich das Publikum eine andere Heimat gesucht hat und anschließend erst wieder mühsam zurückerobert werden muss? Spannend dürften die Antworten auf diese Frage jedoch vor allem für Medienexperten und eingefleischte Scripted-Reality-Liebhaber sein - denn dass Sat.1 seine Daytime allzu schnell mit ambitionierteren und kostenintensiveren Inhalten bestücken wird, ist derzeit eher nicht anzunehmen.

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