Die Zehn

Die 10 besten Soundtracks 2016

von

Humorvolle Songs, melancholischer A-cappella-Gesang, eisig-kalte Elektroklänge und eskalierende Sinfonien: Musikalisch bot das Filmjahr 2016 Qualität in vielen Facetten.

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«Sing Street» (Diverse)
Und schon wieder die 80er-Jahre: Musikfilmspezialist John Carney («Once», «Can a Song Save Your Life?») erzählt in seiner Jugend-Musikdramödie «Sing Street» von einem 15-Jährigen im Dublin des Jahres 1985, der nach einem Schulwechsel zunächst zum Außenseiter verkommt. Als er sich in ein älteres, als Model arbeitendes Mädchen verliebt, beschließt er, sie zu beeindrucken: Er gibt vor, Frontmann einer eigenen Band zu sein. Aus der Lüge wird Wahrheit, als er sich mit anderen Außenseitern zusammentut und eine progressive Synthie-Pop-Gruppe mit Rockeinflüssen gründet. Der «Sing Street»-Soundtrack vermengt die eingängigen, teils gewitzten, teils gefühlvollen Originalsongs dieser Band mit einem wilden Streifzug durch die Chartmusik der 80er – wer bei diesem Sampler nicht mitwippt, legt es darauf an, als Miesepeter dazustehen!

«The Neon Demon» (Cliff Martinez)
Geisterhaft-atmosphärisch. Schillernd-exzentrisch. Betörend-melodisch, mit verstörenden Spitzen: Komponist Cliff Martinez, der bereits Nicolas Winding Refns «Drive» und «Only God Forgives» treffend untermalte, übertrifft sich in seiner neusten Zusammenarbeit mit dem farbenblinden Dänen selbst: Der mit einer düsteren Julian-Winding-Komposition im Kraftwerk-Stil und einem entrückten Sia-Popsong bereicherte Score zu diesem Model-Albtraum beißt sich im Gehörgang fest – und lässt nicht mehr los.

Ehrennennungen

  • Tommy Finkes märchenhafter, doppelbödiger Score zu «Junges Licht» ist Gold wert – aber leider weder als CD, noch als Download erhältlich
  • Eine wahre Elektro-Tour-de-Force: Die Musikuntermalung von «Der Nachtmahr», die leider nicht vom Film losgelöst erwerblich ist
  • Die Songzusammenstellung in «Suicide Squad» ist ein Kracher – der Hitmix überwältigt allerdings gelegentlich die Filmhandlung
«Popstar – Never Stop Never Stopping» (The Lonley Island)
Vom durch «Saturday Night Live» berühmt gewordenen Comedy-Musiktrio, das uns Songs wie «I’m on a Boat» und «Dick in a Box» bescherte, kam 2016 ein ganzer Film voller Lachmuskeltraining-Lieder: The Lonley Island vermengt irrwitzige Texte mit zeitgemäßen, chartverdächtigen Beats zu einer umwerfenden Kombination, die nicht nur das Popbusiness brillant auf den Arm nimmt, sondern obendrein verflixt gut klingt. Egal, ob es um von Osama bin Laden inspirierte Sexperimente geht, um Kunstignoranz, voll fett-ehrliche Megabescheidenheit, Dinge, die sich in einem Jeep befinden oder sexuelle Gleichberechtigung: «Popstar – Never Stop Never Stopping» geht ins Ohr, bleibt im Lachzentrum.

«Swiss Army Man» (Andy Hull & Robert McDowell)
Ein andersartiger Film verlangt eine andersartige Musikuntermalung: Die poetisch-nachdenklich-exzentrisch-derbe Tragikomödie mit doppeltem psychologischen Boden namens «Swiss Army Man» lässt nicht nur inhaltlich Konventionen hinter sich. Auch akustisch distanziert sich der Film mit Daniel Radcliffe als furzende Leiche vom Alltag und lässt die üblichen Stilmittel (Sinfonieorchester und/oder Synthesizer) links liegen. Stattdessen werden Stimmfetzen übereinander gelegt, A capella das «Jurassic Park»-Thema nachgesungen und „Cotton Eye Joe“ zur herzergreifend-niederschmetternden Depriballade verformt. Ein herrlich-verschrobener Ausnahmesoundtrack für einen herrlich-verschrobenen Ausnahmefilm!

«Vaiana» (Mark Mancina, Lin-Manuel Miranda & Opetaia Foa'i)
Eine filmmusikalische Jahresbestenliste kommt nur in den seltensten Fällen ohne Disney-Produktionen aus. Auch 2016 krallt sich der Unterhaltungsgigant einen der Plätze – wenngleich jedem Filmliebhaber dazu geraten ist, auf die Originalversion zurückzugreifen! Die englischsprachige Fassung des Musicalabenteuers «Vaiana» begeistert nicht nur mit eingängiger Instrumentalmusik, sondern auch mit schwungvollen, emotionalen und spaßigen Songs voller Südseeflair. In der deutschen Fassung ließen sich leider nur wenige Lieder (darunter die schräge David-Bowie-Hommage „Glänzend“) gekonnt übertragen.

Bonus Track: «La La Land» (Justin Hurwitz)
Auf der Suche nach einem nachweihnachtlichen Geschenk (egal ob für einen selbst oder für Filmverrückte im eigenen Umfeld)? Glück gehabt, denn eines der musikalischen Highlights des Jahres 2017 ist bereits jetzt als Soundtrack erhältlich! Das Musical «La La Land», eine bittersüße Verneigung vor dem alten Hollywood und dem aufopferungsvollen Streben nach künstlerischer Erfüllung, ist randvoll mit zeitlosen Songs und mitreißenden sowie melancholischen Instrumentalstücken. Da mussten schon zwei Soundtrackalben her, um diesem Meisterwerk gerecht zu werden – und beide sollten in keiner Sammlung fehlen!

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