Die Kritiker

«Yorkshire Killer 1980»

von

Story


Yorkshire, Nordengland, 1980. Sechs Jahre sind seit den Geschehnissen des ersten Teils vergangen - doch an der Korruption und der Grausamkeit der lokalen Polizei hat sich nichts geändert. Nur bei der Verbrechensbekämpfung scheinen die Männer unter Leitung von Polizeichef Bill Molloy kläglich zu versagen. Seit Jahren versetzt der sogenannte Yorkshire Ripper die Region in Angst und Schrecken. Rund ein Dutzend Frauen sind dem grausamen Serienmörder bereits zum Opfer gefallen. Doch die örtliche Polizei tappt bei ihren Ermittlungen hoffnungslos im Dunkeln. Also wird der Kriminalbeamte Peter Hunter aus Manchester nach Yorkshire geschickt: Der unbestechliche Sonderermittler soll die Suche nach dem Ripper fortan leiten. Molloy und seine Beamten betrachten diese aufgezwungene Hilfe als Affront.

Hunter hatte bereits vor sechs Jahren im Fall des jungen Journalisten Eddie Dunford ermittelt - und wie damals stößt er auch nun wieder auf eine Mauer des Schweigens. Vor allem der zynische Officer Bob Craven versucht fortwährend, Hunters Arbeit zu sabotieren. Von den ortsansässigen Polizisten scheint allein der zurückhaltende John Nolan die Ermittlungen zu unterstützen. Durch einen Hinweis des verängstigten Strichjungen BJ, der bereits Eddie Dunford mit Informationen versorgt hatte und sich seit Jahren versteckt hält, kommt Hunter den Machenschaften der Yorkshire Police auf die Spur. Damit geht es plötzlich nicht mehr nur um die Jagd nach dem Ripper, sondern um Korruption und Mord. Doch je näher Hunter den mächtigen Drahtziehern kommt, desto mehr gerät sein eigenes Leben in Gefahr.

Darsteller


Andrew Garfield («The Social Network») ist Eddie Dunford
Paddy Considine («Das Bourne Ultimatum») ist Peter Hunter
David Morrissey («Five Days») ist Maurice Jobson
Shaun Dooley («Salvage») ist Dick Alderman
Julia Ford («Walking the Dead») ist Elizabeth Hall
Jim Carter («Flash Gordon») ist Harold Angus
Warren Clarke («The Invisibles») ist Bill Molloy
Eddie Marsan («Criminal Justice») ist Jack Whitehead
Joseph Mawle («Soundproof») ist The Ripper
Sean Harris («Five Daughters») ist Bob Graven
Toni Mooney («Cocaine Cowboys») ist Tommy Douglas
Peter Mullan («The Fixer») ist Martin Laws
Maxine Peake («Clubbed») ist Helen Marshall
Tony Pitts («Emmerdale») ist John Nolan
Lesley Sharp («Tintenherz») ist Joan Hunter
Robert Sheehan («Misfits») ist BJ

Kritik


Immer öfter wagen sich Produktionsfirmen und Fernsehunternehmen an die Adaption von Bestsellern, um aus dem Kampf um Quote, Werbeeinnahmen und Prestige als siegreiche Gewinner hervorzugehen. Nachdem in einer internationalen Koproduktion im Jahr 2010 der Erfolgsroman «Die Säulen der Erde» von Ken Follet nach jahrzehntelangen Rechtsstreitigkeiten verfilmt wurde, wagt sich nun der britische Channel 4 an die Umsetzung der sogenannten «Red Riding»-Tetralogie von David Peace, die aus den vier Romanen «1974», «1977», «1980» und «1983» besteht und inhaltlich dem losen roten Faden des «Yorkshire Rippers» Peter William Sutcliffe folgt, der jahrelang in Englands Norden mordete. Peace schaffte mit der Romanreihe den Sprung in die erste Riege internationaler Krimiautoren und dürfte die dreiteilige Filmadaption seines Werkes zu schätzen wissen.

Der Sonderermittler Peter Hunter, bekannt aus «Das Bourne Ultimatum», kommt nach Yorkshire, um die Polizeibehörden aufgrund der stockenden Jagd nach dem Serienmörder zu kontrollieren. Die Handlung dreht sich allerdings schnell, denn die ortsansässigen Beamten behindern Hunters Arbeit, der sich alsbald in einem Sumpf aus Mord und Korruption wiederfindet, auf seine Ex-Liebschaft trifft und vom Jäger zum Gejagten wird - die Parallele zum Enthüllungsreporter Eddie Dunford, dem im ersten Teil der Trilogie ein ähnliches Schicksal ereilte, ist frappierend. Dramaturgisch perfekt in Szene gesetzt hat Regisseur James Marsh, unter anderem preisgekrönt für die Dokumentation «Man on Wire», den zweiten Teil der Trilogie. Für einen Fernsehfilm strotzt «Yorkshire Killer 1980» mit bildgewaltigen und düsteren Aufnahmen, die atmosphärisch lange ihresgleichen suchen müssten, dabei für den Zuschauer aber deutlich angenehmer sind als die rohen Grauschnitte des ersten Teils.

An der Erzählstruktur wurde indes nichts verändert - man bleibt der Romanvorlage treu und bombardiert den Zuschauer mit zahlreichen Schnitten, Szenewechseln und konfusen Details, die es in Verbindung mit zwar brillant spielenden, aber im dunklen Sumpf der Polizeibehörde übermäßig vielen Protagonisten anstrengend machen, der Handlung zu folgen. Überhaupt ist der Titel «Yorkshire Killer 1980» irreführend, denn statt spannender Verbrecherjagd geht der Thriller auf die düstere Suche nach den menschlichen Abgründen. Diese soziologische Milieustudie ist äußerst spannend, für einen leicht verdaulichen Fernsehabend allerdings nicht geeignet. Zartbesaitete sollten sich den zweiten Teil der vorsichtshalber ins Nachtprogramm abgeschobenen Tristesse-Trilogie nicht anschauen; Liebhaber toll produzierter, dafür aber weniger zugänglicher Thriller, bei denen kein Blatt vor den Mund genommen wird, sollten hingegen unbedingt eine Nachtschicht einlegen.

Das Erste zeigt «Yorkshire Killer 1980» am Sonntag, den 09. Januar 2011, um 23:30 Uhr.

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