Popcorn & Rollenwechsel

110 Avatare

von  |  Quelle: The Hollywood Reporter
Millionen von Menschen sahen «Avatar - Aufbruch nach Pandora» im Kino. Doch nur die wenigsten wissen, dass sie den Film in einer von weltweit 110 unterschiedlichen Fassungen schauten.

James Cameron möchte Perfektion. Der Mann, der zweimal hintereinander den erfolgreichsten Film aller Zeiten in die Kinos brachte, überließ nichts dem Zufall und forderte vom Verleih 20th Century Fox eine Mordsleistung, um «Avatar - Aufbruch nach Pandora» in die Kinos zu bringen. Wie ein Artikel von The Hollywood Reporter Ende letzter Woche beleuchtete, wurden vom kostspieligen Leinwandspektakel allein für den US-Markt 18 verschiedene Versionen erstellt. Weltweit belief sich die Zahl der unterschiedlichen «Avatar»-Fassungen auf 110 Stück.

Nicht nur, dass «Avatar» in 47 Sprachen veröffentlicht wurde, sowohl untertitelt als auch synchronisiert, James Cameron drehte den Film mit drei unterschiedlichen Bildformaten im Kopf: 2:39:1, 1:85:1 und für IMAX-Kinos in 1:43:1. Der Film musste für diese Leinwandgrößen optimiert werden, ebenso für die zahlreichen, unterschiedlichen digitalen Kinotechniken, die derzeit in Gebrauch sind, und die verschiedenen 3D-Formate. Um den Verdunklungseffekt der 3D-Brillen aufzufangen, wurde «Avatar» in mehreren Helligkeitsstufen veröffentlicht. Wäre nur eine Version veröffentlicht worden, hätte man in sehr großen Kinos möglicherweise nichts mehr vom Leinwandgeschehen erkannt, was Technik-Ass Cameron vermeiden wollte.

Die Logik dahinter: Was nützt ein technisch aufwändiger Film, wenn er möglicherweise in schlechtem Zustand vorgeführt wird? Der umständliche Postproduktionsprozess sollte gewährleisten, dass die Kinobesucher «Avatar» in bestmöglicher Verfassung zu sehen bekommen, ganz gleich, in welchem Kino sie saßen. Trotz mancher Pannen während dieses gewaltigen logistischen Kraftaktes (Fox‘ Vertriebspartner Deluxe versäumte es, zahlreichen europäischen Kinos rechtzeitig zur Premiere den Entschlüsslungscode für ihre digitale 3D-Kopie zu schicken), ging James Camerons Rechnung offensichtlich auf: «Avatar - Aufbruch nach Pandora» ist, nach realen Einnahmen bemessen, seit Anfang dieses Jahres der kommerziell erfolgreichste Kinofilm. Man muss Camerons Einsatz loben, ganz gleich, wie man zu seiner Sci-Fi-Fantasy-Produktion steht: Er ließ sein Kind nicht plötzlich von der Hand und stieß es in den wilden Verkehr einer Kinoveröffentlichung. Er baute Brücken für jede mögliche Aufführungsform.

Zwar waren nicht sämtliche Versionen gleichwertig («Avatar - Aufbruch nach Pandora» auf analogen Filmrollen in einem kleinen Saal oder in 3D im IMAX-Kino, was ist wohl beeindruckender?), aber in jeder Version war «Avatar - Aufbruch nach Pandora» der technische Primus seines Kinoformats. Das ist Service für den Kinobesitzer und vor allem auch für den Kinobesucher. Hut ab!

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