Alle Menschen, die in einer Beziehung leben, geraten hin und wieder in Krisen und finden sich in Konflikten mit ihren Partnern wieder. Ich finde es sehr spannend zu beobachten, wie wir in solchen Situationen handeln und miteinander umgehen, bis wir schließlich zu einer Lösung kommen, die für beide zufriedenstellend ist. Dabei verhalten sich Menschen nämlich oft ganz unterschiedlich, denn jeder drückt Gefühle wie Frustration, Wut oder Traurigkeit auf seine eigene Art aus. Leon Merz ist als Figur in solchen Situationen häufig dickköpfig, leidend und immer wieder auch sehr kindisch. Gerade deshalb hat es mich besonders gereizt, diese Emotionen spielerisch, frei und zugleich auf unterhaltsame Weise darzustellen. Ich konnte dabei sehr kreativ arbeiten, wahnsinnig viel improvisieren und viele eigene Ideen in die Szenen einbringen. Das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.
Leon fühlt sich von seiner Frau Soraya zunehmend abgehängt. Wie haben Sie diesen inneren Konflikt angelegt? Im Film verfolgen Leon und Soraya unterschiedliche Ziele: Für Soraya steht ihre Karriere im Vordergrund, während Leon sich eine Familie und Kinder wünscht. Diese unterschiedlichen Vorstellungen machen ihre Beziehung zwar schwierig, aber nicht unvereinbar. In Leons innerer Gedankenwelt habe ich den Konflikt deshalb weniger als ein Gefühl des Abgehängtseins wahrgenommen. Vielmehr fühlt er sich von Soraya nicht gehört und nicht verstanden. Aus seiner Sicht ist sie zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt und misst der Familienplanung eine zu geringe Priorität bei. Leon hat zunehmend das Gefühl, dass sowohl er selbst als auch seine Wünsche von Soraya immer weniger wahrgenommen werden und versucht deshalb sie von seiner Sichtweise zu überzeugen und ihre Meinung zu verändern.
Die Beziehung der beiden spiegelt ein modernes Thema: unterschiedliche Lebensentwürfe und Karriereprioritäten. Wie zeitgemäß ist diese Dynamik aus Ihrer Sicht?
Ich glaube, gerade in der heutigen Zeit ist dieses Thema wichtiger denn je. Viele Paare und auch Eltern müssen/wollen aus finanziellen oder persönlichen Gründen arbeiten und Karriere machen. Das ist mittlerweile völlig normal. Gleichzeitig stellt sich dadurch aber immer häufiger die Frage, wie sich Karriere und Familie miteinander vereinbaren lassen und welche Kompromisse Partner eingehen müssen, wenn sie unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie dieses Zusammenleben funktionieren soll. Besonders junge Paare wie Leon und Soraya, die noch am Anfang ihrer Familienplanung stehen, sind mit diesen Fragen konfrontiert. Es handelt sich also um ein brandaktuelles Thema aus der Mitte der Gesellschaft, das wir in «Merz gegen Merz» aufgreifen.
«Merz gegen Merz» lebt davon, dass viel Unausgesprochenes plötzlich hochkocht. Wie wichtig ist genau dieses „Nicht-Gesagte“ für die Figur Leon?
In allen Familien gibt es unausgesprochene, unerfüllte Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen. Genau diese Dinge treiben uns maßgeblich an und bestimmen unser Handeln. Wenn wir Wünsche und Erwartungen gegenüber anderen Menschen aussprechen, machen wir uns verletzlich. Gerade deshalb fällt es vielen so schwer, offen darüber zu sprechen. Werden diese Wünsche und Erwartungen jedoch nicht klar ausgesprochen, führt das häufig zu Missverständnissen und Konflikten, die sich gegenseitig verstärken und immer weiter aufstauen — So auch bei Leon. Irgendwann wird die Frustration darüber aber so groß, dass sich all diese Emotionen entladen. Das ist oft schmerzhaft und mit viel Wut und Verzweiflung verbunden. Es ist aber notwendig, damit Dinge endlich ausgesprochen werden, sich zwischenmenschliche Konflikte lösen und Wünsche sowie Erwartungen überhaupt die Chance bekommen, erfüllt zu werden. Dieser Mechanismus ist ein zentraler Antrieb der gesamten Serie und damit essenziell für jede Figur in «Merz gegen Merz».
Die Geschichte spielt rund um ein gemeinsames Wochenende, an dem vieles eskaliert. Wie verändert dieses Setting die Intensität der Figurenkonflikte?
Der Mechanismus, den ich soeben beschrieben habe zieht sich im echten Leben oft über einen langen Zeitraum. Da wir in einem 90-minütigen Film jedoch nur begrenzt Zeit haben, musste ein Weg gefunden werden, diese Entwicklungen zeitlich zu verdichten und die Konflikte so zu intensivieren, dass sie sich innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zuspitzen und auflösen können. Dabei hilft vor allem, dass die gesamte Familie sowohl zeitlich als auch räumlich sehr eng beieinander ist. Das Setting eines gemeinsamen Wochenendes, bei dem sich alle Beteiligten dauerhaft an einem Ort aufhalten, sorgt somit genau dafür, dass sich der Druck erhöht und sowohl die inneren als auch die zwischenmenschlichen Prozesse beschleunigt werden.
Mit Christoph Maria Herbst und Annette Frier stehen zwei sehr prägende Figuren im Zentrum. Wie ist es, sich als „Sohn“ in diesem starken Ensemble zu behaupten?
Mit dem gesamten Ensemble hatte ich als vergleichsweise junger Schauspieler das große Glück, mit unglaublich erfahrenen und großartigen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten. Während der Dreharbeiten zu «Merz gegen Merz» nehme ich jedes Mal unglaublich viel mit und lerne jeden Tag von meinen Kolleginnen und Kollegen. Dafür bin ich sehr dankbar. In meiner Rolle als Leon versuche ich vor allem, die Figur so gut wie möglich zu fühlen und mich von ihren Emotionen und Gedanken leiten zu lassen. Das macht ungeheuer viel Spaß und führt dazu, dass ich einfach das spielen kann, was sich für mich in dem Moment richtig anfühlt. Insgesamt versuche ich immer, mein Bestes zu geben, und freue mich über jede neue Szene, die ich spielen darf.
Leon steht zwischen den Generationen – den Eltern und seiner eigenen Beziehung. Macht ihn das eher zum Vermittler oder selbst zum Getriebenen?
Leon verfolgt wie jede andere Figur auch natürlich seine eigenen Ziele. Die meiste Zeit ist er eher mit sich selbst beschäftigt, als sich um die Probleme der anderen zu kümmern, und wird dabei von seinen eigenen Bedürfnissen und Konflikten angetrieben. Durch sein junges Alter hat er jedoch oft eine andere Perspektive auf die Situationen innerhalb der Familie und nimmt die Konflikte der anderen dementsprechend auf seine eigene Weise wahr. Wenn er also einmal zwischen den Figuren steht, versucht er aus seiner Sicht heraus durchaus zu vermitteln und dabei zu helfen, Konflikte zu lösen. Das gelingt ihm allerdings nicht immer.
Die Reihe verbindet Humor mit ernsteren Themen wie Demenz oder Beziehungskrisen. Wie gelingt es, diese Balance glaubwürdig zu halten?
In «Merz gegen Merz» geht es um Familie. Und jede Familie hat ernste Themen und Konflikte, die sie versucht zu lösen. Dabei gibt es sowohl leichte als auch schwierige Momente. Wie schon gesagt, kulminieren Konflikte oft dann, wenn sich zu viele Emotionen angestaut haben. Häufig geschieht das durch die absurdesten Auslöser und führt auch im echten Leben zu den absurdesten Situationen. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir in «Merz gegen Merz» gar nicht so weit von der Realität entfernt sind, was die Komik bestimmter Konflikte betrifft. Natürlich ist vieles dramaturgisch zugespitzt, weil es sich um eine Serie handelt. Aber auch ich habe innerhalb meiner eigenen Familie schon die absurdesten und zugleich komischsten Momente während eines Streits erlebt. Oft waren das Situationen, die für Außenstehende wahrscheinlich unglaublich lustig gewesen wären. Ich finde deshalb, dass ernste Themen und Humor häufig sehr nah beieinanderliegen und genau deshalb auch glaubwürdig in der Serie dargestellt werden können.
Ihre Figur wirkt teilweise orientierungslos. War es Ihnen wichtig, auch diese Unsicherheit offen zu zeigen?
Unbedingt. Diese Unsicherheit ist eines der Hauptprobleme, mit denen Leon zu kämpfen hat. Er hat einen starken Wunsch nach Familienplanung und möchte diesen gemeinsamen Schritt gerne mit Soraya gehen. Da sie jedoch kaum Zeit für ihn hat und auch die anderen Figuren vor allem mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, irrt Leon ein Stück weit verzweifelt und orientierungslos umher und sucht nach einer Lösung. Diese Unsicherheit und dieses ziellose Umherirren sind Gefühle, die wahrscheinlich jeder Mensch schon einmal erlebt hat und aus dem eigenen Leben kennt. Gerade deshalb finde ich es wichtig, diese Seite von Leon zu zeigen, denn manchmal fühlt sich das Leben genau so an.Irgendwann muss jedoch auch wieder der Moment kommen, in dem man eine Lösung vor Augen hat und beginnt, einem klaren Weg zu folgen.
Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Ihrer Filmpartnerin Süheyla Ünlü erlebt – gerade bei so emotionalen Beziehungsszenen?
Süheyla und ich haben eine wahnsinnig gute Verbindung und unglaublich viel Spaß an der Zusammenarbeit. Wir sprechen viel miteinander über persönliche Erfahrungen und lassen unsere gemeinsamen Ideen immer wieder in die Arbeit an unseren Rollen sowie in die Szenen von «Merz gegen Merz» einfließen. Über die Jahre ist dadurch eine wirklich schöne Freundschaft entstanden, die auch für die Arbeit an besonders emotionalen und intimen Szenen eine wahnsinnig gute Grundlage bietet.
Viele Zuschauer erkennen sich in familiären Konflikten wieder. Was macht «Merz gegen Merz» Ihrer Meinung nach so anschlussfähig?
Familien bilden oft den Kern und das wichtigste Element unseres Lebens. Natürlich läuft dabei nicht immer alles reibungslos und nichts davon ist ein Selbstläufer. Konflikte stauen sich auf, müssen irgendwann gelöst werden und können dadurch letztlich sogar den familiären Zusammenhalt stärken. Viele Menschen erleben genau das immer wieder auch im eigenen Leben und können sich deshalb so gut in «Merz gegen Merz» wiedererkennen.
Wenn Sie auf Leon blicken: Was würden Sie sich für seine weitere Entwicklung wünschen, sollte es mit der Reihe weitergehen?
Für Leon würde ich mir unheimlich wünschen, dass sich seine Erwartungen und Sehnsüchte erfüllen und er seine Familienplanung gemeinsam mit Soraya weiterverfolgen kann. Als jüngstes Mitglied der Familie ist er noch der Unreifste, und ich glaube, dass er durch mehr Verantwortung wachsen und sich zu einem verantwortungsbewussteren Menschen entwickeln kann. Im Moment ist Leon oft noch sehr kindisch, sucht die Schuld eher bei anderen und gibt sich schnell geschlagen. Ich würde mir wünschen, dass er genau in dieser Hinsicht wächst und sich charakterlich zu einem wirklichen Erwachsenen weiterentwickelt.
Danke für das ausführliche Gespräch!
”Geständnisse” von «Merz Gegen Merz» ist seit 14. Mai in der ZDFmediathek. Die Episode ist am Donnerstag, 21. Mai, im ZDF zu sehen.







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