Interview

‚Vom Sunnyboy zum Großstadt-Cop‘ – Matthias Schloo über 500 Folgen «Notruf Hafenkante»

von

Seit 16 Jahren steht Matthias Schloo als Mattes Seeler für die ZDF-Serie «Notruf Hafenkante» vor der Kamera – zum 500. Jubiläum blickt er auf Wandel, Teamgeist und die Zukunft des Vorabend-Dauerbrenners.

500 Folgen «Notruf Hafenkante» – das ist im deutschen Fernsehen eine echte Seltenheit. Was geht Ihnen persönlich durch den Kopf, wenn Sie auf dieses Jubiläum blicken?
Es gibt soviel Unwegbarkeiten und Entscheidungs-Parameter bei einer solch langen Produktionszeit, dass die Macher vor und hinter der Kamera schon stolz darauf sein können über all die Jahre so stabil abgeliefert zu haben. Ich schließe mich dem Gefühl an.

Sie sind nicht von der ersten Folge an dabei, gehören aber längst zum festen Kern des Ensembles. Wie hat sich Ihre Rolle als Mattes Seeler im Laufe der Jahre verändert – und wie sehr haben Sie sich gemeinsam mit der Figur weiterentwickelt?
Vom idealistischen Sunnyboy zum - mit allen Wassern gewaschenen – Großstadt-Cop beschreibt es wohl am besten. In den 16 Jahren, die ich jetzt dabei bin, hat Mattes Seeler sich natürlich weiterentwickelt und unsere Dramaturgen/innen finden immer wieder spannende Geschichten.

In der 20. Staffel hat Melanie Hansen die Teamleitung übernommen. Wie hat sich dadurch die Dynamik im PK 21 verändert – auch für Mattes als erfahrenen Kollegen?
Das ist der Gang der Dinge. Jetzt habe ich einen männlichen Kollegen an meiner Seite, und mit Zejhun Demirov auch einen tollen Schauspieler. Das ergibt wieder eine neue Dynamik und spannende Geschichten. Und ich befürchte, es wird auch ziemlich lustig (Augenzwinkern). Aber nach 15 Jahren Zusammenarbeit fehlt Sanna schon manchmal im Drehalltag. Wir sind ja aber nicht aus der Welt.

Die 500. Folge greift mit Drogenschmuggel über den Hafen ein klassisches Hamburg-Thema auf. Was macht solche lokal verankerten Geschichten für den Erfolg der Serie so wichtig?
Enorm. Hamburg ist ja nicht nur einer unserer Hauptdarsteller, sondern die Themen sind auch immer sehr nah am Zeitgeschehen und die Zuschauer finden sowohl sehr aktuelle als auch klassische Polizeithemen.

«Notruf Hafenkante» lebt vom Zusammenspiel zwischen Polizei und Krankenhaus. Was reizt Sie bis heute an dieser Mischung aus Krimi, Alltag und medizinischem Drama?
Da steckt einfach alles drin, Du hast einen unerschöpflichen Topf an Geschichten, die erzählt werden können.

Mit Smudo, Das Bo und Ludwig Trepte gibt es in der Jubiläumsfolge prominente Gastrollen. Wie ist es, in einem so eingespielten Team plötzlich mit neuen, sehr unterschiedlichen Gesichtern zu arbeiten?
Das haben wir ja in jeder Folge. Es sind pro Folge drei bis fünf neue Gesichter dabei und wir hatten schon viele tolle Gäste. Mit Das Bo und Smudo hatten wir nun wieder sehr prominente Hamburger/Wahlhamburger an Bord, die ihren Job sehr gut gemacht haben und die Folge wirklich bereichern. Ludwig Trepte hat schauspielerisch „abgerissen“! Seine Energie und seine Darstellung haben der Folge einen Antagonisten geliefert, die der Folge 500 mehr als würdig ist. Aber auch Jalil Berkholz war toll. Ein Salut und vielen Dank an die Jungs

Vorabendserien haben einen besonderen Rhythmus: schnell, präzise, nah an den Figuren. Was ist für Sie als Schauspieler die größte Herausforderung – und was der größte Vorteil dieses Formats?
Bei einer Serie hat man einfach den Vorteil, dass man die Figuren lange und mit vielen Facetten erzählen kann. Dadurch wächst der Zuschauer mehr mit dem Format und den Geschichten zusammen, ist emotional involviert und erlebt die Geschichten mit.

Die Serie läuft seit Jahren erfolgreich im linearen Fernsehen und wird stark in der Mediathek genutzt. Spüren Sie beim Drehen, dass sich Sehgewohnheiten und Publikum verändert haben?
Nein

Mattes Seeler ist oft der Ruhepol im Team, manchmal aber auch derjenige, der klare Kante zeigt. Was mögen Sie selbst an dieser Figur besonders – und wo unterscheidet sie sich von Ihnen privat?
Beide Punkte, die Sie ansprechen sind richtig und das mag ich auch an der Figur. Mattes ist immer noch ein sehr engagierter Polizist, der aber auch von Zeit zu Zeit über das Ziel hinausschießt. Das macht ihn menschlich. Was hat die Figur mit mir gemeinsam? Alles und nichts 😉

Wenn Sie auf die nächsten Jahre blicken: Was wünschen Sie sich für «Notruf Hafenkante» – und für Mattes Seeler ganz persönlich?
Solange wir den Auftrag haben, machen wir genauso motiviert weiter. Aber wie gesagt. Es gibt viele Faktoren die da reinspielen und in dieser Branche ist nichts für die Ewigkeit. Wir erleben gerade eine große Umwälzung und das stellt einiges auf den Kopf. Ob die «Hafenkante» auch diesen Sturm überlebt, weiß nur Petrus und der Klabautermann.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Die 500. «Notruf Hafenkante»-Folge läuft am Donnerstag, 19. Februar, im ZDF. Die Folge ist seit 22. Januar auch in der ZDFmediathek abrufbar.

Kurz-URL: qmde.de/168932
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelQuotencheck: «Armes Deutschland – Stempeln oder abrackern?»nächster ArtikelBuchclub: ‚Die neue Lust auf links‘
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Letzte Meldungen


Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung